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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 20:54 Uhr

Förderverein Tönninger Krankenhaus : Kampf um medizinische Versorgung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Vorstandsmitglieder des Fördervereins Tönninger Krankenhaus referierten vor Eiderstedter Sozialverbänden. Sie kämpfen für eine 24-Stunden-Notfallversorgung – und gegen die Pläne des Kreises.

24-Stunden-Notfallversorgung auf Eiderstedt in Tönning: Zu diesem Vortrag hatten vier Ortsgruppen des Sozialverbandes Mitglieder aus dem Vorstand des „Fördervereins Tönninger Krankenhaus“ eingeladen. Zunächst gab dessen Vorsitzender Hans-Jacob Peters einen kleinen Einblick, wie es zur Gründung kam. Schon 1988 hatte es Bemühungen gegeben, das Krankenhaus zu schließen. Durch eine Unterschriftenaktion konnte dies damals verhindert werden. Im gleichen Atemzug wurde der Förderverein gegründet. In dieser Zeit hatte er durch Mitgliedsbeiträge und zahlreiche Spenden etwa 160.000 Euro für Anschaffungen und das Anlegen eines Gartens aufbringen können.

Im Jahr 2008 erhielt das Klinikum einen Anbau mit einer OP-Erweiterung. Kurze Zeit später wurde die Bettenzahl gesenkt – von 58 auf 29. Gleichzeitig wurde die Küche geschlossen und für fünf Millionen Euro in Husum neu gebaut. Das waren erste Anzeichen für eine Schließung. Im November 2015 kamen dann Gerüchte auf, dass das Ende für das Tönninger Krankenhaus naht. Aus Gutachten, die dem Kreis vorlagen, ging hervor, dass das Krankenhaus jährlich 800.000 Euro rote Zahlen schrieb. Das Ende besiegelte der Kreistag: Schließung zum 30. Juni 2017.

Nun stellt sich die Frage, wie das Haus weiter genutzt werden soll – ob für die Palliativversorgung, als Hospiz oder Geriatrie. Wichtig sei eine medizinische Versorgung rund um die Uhr. Hierzu nannte Egon Kring vom Förderverein folgende Zahlen: Im Jahr würden 10.000 Patienten ambulant behandelt, 1500 stationär. In der Hochsaison werden am Wochenende 60 bis 70 Patienten täglich versorgt, Tendenz eher steigend. Was scheinbar nicht berücksichtigt wird: Neben Einwohnern und Zweitwohnungsbesitzern in Eiderstedt gibt es in der Saison zwischen 25.000 und 30.000 Übernachtungen von Gästen. Zusätzlich halten sich bis zu 35.000 Tagesgäste in St. Peter-Ording und Umgebung auf, bei Großereignissen bis zu 50.000.

Matthias Hasse ist die Schließung des Krankenhauses immer noch suspekt. Der plötzliche Sprung von 300.000 bis 400.000 Euro auf plötzlich 800.000 Euro Minus im Jahr verwundert ihn. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Abschreibungen, die eigentlich im Jahresabschluss nichts zu suchen haben, mit aufgeführt waren. Ebenfalls erstaunen ihn Aussagen, wonach im Jahr 2015 bis Oktober lediglich fünf Blaulichteinsätze das Tönninger Krankenhaus angefahren haben. Die 700 Einsätze ohne Blaulicht würden nicht erwähnt. Kann das Husumer Krankenhaus die vielen ambulanten Notfälle auch abdecken? Schon jetzt komme es bei Überlastung vor, dass Patienten zur Behandlung von dort nach Tönning gebracht werden. Dann noch die Frage, wie soll es ohne Krankenhaus weitergehen? Die vor Ort stationierten Rettungswagen (einer in Garding, in der Saison zwei; in Tönning ebenfalls zwei) könnten nicht ausreichen, denn die Wege nach Husum oder Heide seien einfach zu weit. Ein zwischenzeitlicher Bedarf könne dann schon lebensbedrohlich sein.

Am Tag der Versammlung, so der Vorsitzende des Fördervereins, sei der Rettungswagen bestimmt zehn Mal mit Blaulicht durch Tating gefahren. Doch für die Weiterführung des Krankenhauses ist der Zug bereits abgefahren, deshalb sei es mehr als wichtig, dass die Eiderstedter Bevölkerung sich für eine „24-Stunden-Nofallversorgung“ einsetze – und nicht, wie vom Kreis geplant, eine medizinische Versorgung mit Öffnungszeiten wie in Arztpraxen. Aus diesem Grund bittet der Vorstand alle Eiderstedter, sich an einer Unterschriftenaktion zu beteiligen. Listen liegen in Ämtern, Apotheken und vielen Geschäften aus. Mehrere Einrichtungen unterstützen das Vorhaben bereits. Auch diverse Gemeinden erklärten sich bereit, eine Petition zu unterstützen. Eile sei geboten: Der Kreistag hat bereits wissen lassen, sich nach der Sommerpause mit dem Thema beschäftigen zu wollen.

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