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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 12:45 Uhr

Husumer Gymnasiasten : Junge Ideen für ein sozialeres Europa

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husumer Gymnasiasten hatten sich an einem Wirtschaftswettbewerb mit Ideen für ein gerechteres Sozialsystem in Europa beteiligt und sogar mit einem Nobelpreisträger diskutiert.

Ein neues, gerechteres Sozialsystem für ganz Europa – wie könnte das wohl aussehen? Mit dieser Frage setzten sich zehn angehende Abiturienten der Hermann-Tast-Schule (HTS) mehr als ein Jahr lang intensiv auseinander. Irgendwelche Vorgaben hatten sie nicht dafür, wohl aber die ausdrückliche Erlaubnis der Schulleitung, utopisch zu denken. „Jeder tut für das Gemeinwesen, was er kann – und profitiert davon.“ Das war die Grundidee der Schüler, deren Konzept darauf basiert, dass jeder Europäer ein bedingungsloses Grundeinkommen erhält, das er mit Hilfe eines Punktesystems aufstocken kann: Schulabschlüsse, Ausbildungszeiten und Arbeitsleistungen können ebenso honoriert werden wie ehrenamtliches Engagement und Erziehungszeiten für Kinder. Im Umkehrschluss sind aber auch Punktabzüge für Fehlverhalten denkbar – etwa im Fall einer kriminellen Karriere.

Den Anlass für diese Überlegungen lieferte der Entschluss des Husumer Gymnasiums, sich 2015 erstmalig am Wettbewerb zum „Young Economic Summit“ (YES) zu beteiligen. Dabei handelt es sich um eine englischsprachige Schülerkonferenz, die genauso aufgebaut ist wie die Mutterkonferenz „Global Economic Symposium“. Sie dient dazu, wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Probleme auf internationaler Ebene zu analysieren, kreative Visionen auszutauschen und innovative Strategien zu entwickeln.

Für den YES-Wettbewerb, der vom Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW) und dem Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) ausgeschrieben wird, feilten Thore Aye, Mads Höfer, Theo Reichardt, Eva Johannsen und sechs weitere HTS-Schüler monatelang an ihrem revolutionären Lösungsansatz für ein neues Sozialmodell. Tatkräftig zur Seite standen ihnen hierbei die Lehrkräfte Jens Schröder und Carola Räker. Im Oktober 2015 war es endlich soweit: Vor einem höchst interessierten Publikum stellten die HTS-Schüler in Kiel ihr „European Points System“ vor. Ganz besonders freuten sie sich über die Möglichkeit, nach ihrer Präsentation mit dem amerikanischen Wirtschaftsnobelpreisträger von 2001, George A. Akerlof, zu sprechen, der ihre Idee als „guten Ansatz“ bezeichnete und die Schüler ermunterte, weiterzumachen.

Insgesamt beteiligten sich 14 Schulen aus Schleswig-Holstein und Hamburg an dem Wettbewerb. Die besten Lösungsideen werden nach dem Symposium als „Forderungen der nächsten Generation“ in einer Petition zusammengetragen und anschließend an Institutionen und Organisationen zur Umsetzung und Nachverfolgung weitergereicht.

Die jungen Husumer hegen große Hoffnungen, dass ihre Idee es auf diese Weise bis nach Brüssel schafft. „Schließlich haben wir uns ganz bewusst dafür entschieden, unser Konzept nicht auf Deutschland zu beschränken, sondern ein einheitliches, transparentes und leicht verständliches System für ganz Europa zu entwickeln.“

Nach diesem für alle großartigen Erlebnis folgten für die nordfriesischen Schülerinnen und Schüler noch zwei weitere Höhepunkte: Stellvertretend für alle durften Mads Höfer und Sarah Tigchelaar im November 2015 nach Berlin reisen und dort an einer hochkarätig besetzten Konferenz des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zum Thema „Einkommens- und Vermögensungleichheit in einem wohlhabenden Staat“ teilnehmen.

Die eigentliche Preisverleihung zum YES fand in diesem Januar statt. Neben Auszeichnungen für die Top 3-Konzepte wurde ein Publikumspreis verliehen und die beste Medienarbeit honoriert. In dieser Kategorie belegten die HTS-Schüler einen dritten Platz, zu dem ihnen Staatssekretärin Brigitte Zypris aus dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gratulierte.

Das Erlebte wirkt bei allen noch nach: „Dass sich neben den DIW-Experten auch ein Wirtschaftsnobelpreisträger für das Projekt interessiert hat, das ist ganz schön krass für eine Schüleridee aus Husum“, freut sich Jens Schröder über den Erfolg der Jugendlichen, bei denen sich jetzt alles um das bevorstehende Abitur dreht.

Sie hoffen aber, dass ihre Idee nicht in Vergessenheit gerät und demnächst an der HTS im Rahmen des Projektes „Schule als Staat“ testweise in die Praxis umgesetzt wird: „Das wäre sicher für alle eine spannende Erfahrung“, meinen sie.

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