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Husumer Nachrichten

19. Februar 2017 | 17:47 Uhr

Kreis Nordfriesland : Jugendcamp der Angler gerettet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach langem Tauziehen um die künftige Finanzierung unterstützt der Kreis-Jugendausschuss den Verband mit einmaliger Zahlung.

Angeln lernen, Natur erleben und Freunde gewinnen: Das Jugendcamp des Kreisanglerverbandes Nordfriesland ist beliebt bei Kindern und Jugendlichen und wird von Eltern und Pädagogen hoch gelobt. Und das seit 17 Jahren. Doch ob der Nachwuchs im Sommer wieder auf Angeltour gehen darf, stand in den vergangenen Wochen in den Sternen, die Finanzierung drohte zu kippen. Jetzt ist der Jugendhilfeausschuss des Kreises eingesprungen, um das Camp für ein weiteres Jahr zu sichern.

Von Anfang an wurde das Projekt vom Kreisjugendring (KJR) gefördert – mit einer Summe, die sich zum einen Teil aus Landesmitteln, zum anderen aus Geldern eines Innovationsfonds, in dem Überschüsse des KJR enthalten sind, zusammensetzt. „2016 kam dann plötzlich die Mitteilung vom Kreisjugendring, man dürfe die ökologische Bildungsmaßnahme, die immer schon ein wichtiger Teil des Camps war, nicht mehr bezuschussen“, berichtet der Vorsitzende des Kreisanglerverbandes, Jürgen Töllner. Die Initiatoren fielen aus allen Wolken. Der Grund für diese Entscheidung: In den vergangenen Jahren wurden entscheidende Förder-Richtlinien von Land und Kreis übersehen. Beide besagen, dass alle Projekte, die außerhalb des Kreises Nordfriesland stattfinden, von der Bezuschussung ausgeschlossen sind. Irritierend ist dabei, dass das Land seine Richtlinie bereits seit 2011 aufgehoben hat. Beim Kreis jedoch wurde sie beibehalten.

Und tatsächlich: Das Jugendlager wurde fast ausschließlich in Orten außerhalb der Kreisgrenzen aufgeschlagen – in Bunsoh, im Meldorfer Mielepark, am Westensee oder im ADS-Landschulheim in Ulsnis. Das hatte triftige Gründe, wie Töllner betont. Um die besagte ökologische Bildungsmaßnahme durchführen zu können, müssten die Reiseziele bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu gehöre, dass 30 bis 40 Schlafplätze vorhanden sind und es Küche, Sportplatz sowie Unterrichtsräume gibt. „Wir haben auf unserem Kreisgebiet einfach keine geeignete Einrichtung gefunden, in der wir unser Camp abhalten können. Denn es müssen von dort aus gute Angelgewässer möglichst ohne Fahrzeug erreichbar sein“, erklärt Töllner.

Ohne Zuschuss können sich die Angler kein Jugendcamp mehr leisten, betont der Verbands-Chef. Die Angler haben in den vergangenen drei Jahren mehr als 6000 Euro an Eigenmitteln in die Maßnahme investiert. So wichtig die Jugendarbeit auch sei – „wir können eine derart hohe Investition nicht fortlaufend verantworten“. Deshalb habe der Vorstand beschlossen, dass 2017 das letzte Camp stattfindet, wenn der Zuschuss von außen nicht gesichert ist.

Doch so einfach wollten die Angler nicht aufgeben und holten das Kreisjugendamt mit ins Boot, um eine einmalige Förderung von 1000 Euro zu beantragen. Und zwar aus Mitteln, die der Jugendhilfeausschuss direkt vergeben kann. Gleichzeitig pochen die Angler darauf, dass die „unsinnigen“ Richtlinien verändert werden: „Wir wollen ja gar keine Vergnügungsreisen in alle Welt öffentlich finanziert bekommen. Es geht uns nur darum, dass unsere ehrenamtliche Arbeit für Kinder und Jugendlichen im Landkreis moderat unterstützt wird“, sagt Kreisverbands-Jugendleiter André Carstensen.

„Das muss aber die absolute Ausnahme bleiben“, betont Ausschuss-Vorsitzende Birte Matthiesen, kurz bevor die Gremiums-Mitglieder die Hand heben sollen. „Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Auch wir sehen das als absolute Notlösung“, pflichtet ihr Andreas Kösling vom Kreisjugendring bei.

Dazu muss man wissen, dass 1000 Euro für den Jugendhilfe-Ausschuss alles andere als „Peanuts“ sind. Denn der Topf „Kleine Projekte“, der für solche Fälle vorgesehen ist, ist für 2017 mit nur insgesamt 6000 Euro bestückt. Die 1000 Euro müssen aus diesen Mitteln gezahlt werden, da der Topf aus 2016 bereits ausgeschöpft ist.

Warum erst jetzt auffiel, dass jahrelang gegen Richtlinien verstoßen wurde, kann auch Kreissprecher Hans-Martin Slopianka nicht beantworten. „Da die zu fördernden Projekte vorab zwischen KJR und Kreisverwaltung besprochen werden, hätten alle Beteiligten den Fehler bemerken müssen – doch das ist nicht passiert“, erklärt er auf Anfrage unserer Zeitung. Erst im vergangenen Jahr sei dann den jetzt zuständigen Mitarbeitern aufgefallen, dass die Richtlinien jahrelang zu großzügig ausgelegt worden sind. Das habe auch dazu geführt, „dass die 2016 bereits durchgeführte Maßnahme nicht mehr gefördert werden konnte, obwohl der Kreisanglerverband sich darauf verlassen hatte, dass der Zuschuss –wie immer – fließen würde“.

Deshalb heißt es auch in der Vorlage zur Begründung des Beschlusses: „Da die Gelder des Kreisjugendrings bisher eine verlässliche Zuschussquelle darstellten und bereits seit 16 Jahren ein Zuschuss in der Regel in Höhe von 1000 Euro gezahlt wurde, entstand eine finanzielle Abhängigkeit, die nun dazu führt, dass bei Ausbleiben der Fördergelder die Durchführung der Maßnahme gefährdet ist.“ Darüber hinaus bestätigt auch der Ausschuss, dass es kaum möglich ist, in Nordfriesland eine finanzierbare Jugendeinrichtung zu finden, wo es Angel- und Sportmöglichkeiten gibt.

Und was die Richtlinie angeht, werden jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Die Kreispolitiker wollen dafür sorgen, dass der Passus 4.2 der Projekt-Richtlinie ersatzlos gestrichen wird. „Eine Veränderung der Richtlinie wäre für die Vereine und Verbände eine riesige Erleichterung was ihre Planungssicherheit betrifft“, ist Kösling überzeugt.

Nun bereitet die Kreisverwaltung für eine der nächsten Sitzungen des Ausschusses eine entsprechende Beschlussvorlage vor.


Das diesjährige Jugendcamp findet vom 26. August bis zum 2. September im Meldorfer Mielepark statt. Anmeldungen nimmt André Carstensen unter Telefon 0160/99179729 entgegen. Genauere Informationen sind online unter www.kav-nf.de zu finden.



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