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Husumer Nachrichten

27. August 2016 | 03:09 Uhr

Der Klimawandel und seine Folgen : Jeder einzelne hat Verantwortung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der international anerkannte Klimaforscher Prof. Dr. Hans Joachim Schellnhuber sprach in St. Peter-Ording über Erderwärmung und Meeresspiegelanstieg. Der Vortrag war der Höhepunkt der Küstenton-Kammermusiktage.

Hochinteressante, spannungsreiche Veranstaltungen erlebten die Besucher der Küstenton-Kammermusiktage. Es war eine besondere Mischung aus Kultur- und Naturerlebnis. Ein Höhepunkt war der Vortrag des Schirmherrn, Prof. Dr. Dr. hc Hans Joachim Schellnhuber. Der international anerkannte Klimaexperte, der Physiker und Leiter des Instituts für Klimafolgenforschung Potsdam ist, sprach zum Thema Erderwärmung, Meeresspiegelanstieg und Zukunftsperspektiven. Erst kürzlich wurde er von Papst Franziskus in die Pontifikalakademie der Wissenschaften zur Bewahrung der Schöpfung aufgenommen.

Unter dem Namen Küstenton präsentierten sich die seit 2011 von dem Bratschisten Wolfgang Hinzpeter organisierten Westküsten-Kammermusiktage dieses Jahr neu. Küstenton steht für die Kooperation der NaturTon-Stiftung der Staatskapelle Berlin und der Schutzstation Wattenmeer. Die Berliner Musiker waren zugunsten des Weltnaturerbes extra nach Eiderstedt gekommen. Sie gaben Benefizkonzerte in der Kirche von Westerhever und im Dünen-Hus in St. Peter-Ording. Dort wechselten sich das Tilia-Quartett und Prof. Hans Joachim Schellnhuber beim Vortrag ab.

Der Meeresspiegelanstieg werde auch Eiderstedt ereilen, mahnte der Wissenschaftler. Zwei bis drei Millimeter Anstieg pro Jahr seien keine Laune der Natur. Dann zitierte er Papst Franziskus: „Wenn wir die Schöpfung zerstören, wird sie uns zerstören.“ Prof. Schellnhuber ergänzte: „Es reicht nicht zu sagen: Die anderen sollen an die Zukunft denken. Nein, wir müssen es tun.“ In einem höchst interessanten historischen Bogen von der Eiszeit bis heute stellte er naturwissenschaftliche Grundlagen vor. „Wenn wir so weiter machen wie bisher, wird die Temperatur bis 2100 um 4 bis 5 Grad Celsius steigen. Ein Meeresspiegelanstieg um 20 Meter wäre unser Ende.“ Gelänge es hingegen, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen, bedeutete das immer noch einen globalen Anstieg um eineinhalb Meter. Das lasse sich mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 bis 98 Prozent voraussagen. In der Westantarktis habe offenbar bereits ein unumkehrbares Abschmelzen des Eises eingesetzt.

Ausgehend von der Frage „Was können wir tun?“ nahm Prof. Schellnhuber dann auf die Debatte mit der Bürgerinitiative gegen CO2-Verpressung und Fracking vor der Veranstaltung Bezug und plädierte für eine große globale Transformation zur Nachhaltigkeit. Deutschland habe gezeigt, dass der Tagesenergiebedarf über Photovoltaik und Windenergie gedeckt werden kann. In diesem Jahr findet die 20. große Klimakonferenz in Lima statt. Die Welt aber werde nicht auf dem diplomatischen Parkett gerettet, mahnte der Physiker. Die Zivilgesellschaft könne dafür den inneren Druck erhöhen. Die Verantwortung liege beim Einzelnen. Wer nicht wolle, dass irgendwo weit weg wegen des Meeresspiegelanstiegs Menschen ertrinken, der müsse aus schierer Einsicht „Solidarität mit Unbekannt“ üben. „Fernstenliebe“ nannte er das. Hinsichtlich der Nachhaltigkeit brachte er es so auf den Punkt: „In der Wirtschaft gilt: Töte deine Kunden nicht. Für uns alle muss gelten: Töte t eure Kinder nicht.“

Bemerkenswerte Akzente in seinem Vortrag setzte die Musik. Markus Bruggaier (Horn), Andreas Jentzsch (Violine), Joost Keizer und Wolfgang Hinzpeter (jeweils Bratsche) sowie Aleisha Verner (Cello) verzauberten ihr Publikum mit dem Hornquintett in Es-Dur sowie de Oboenquartett in F-Dur von Mozart sowie dem Fagottquartett von Franz Krommer (1759-1831) mit Holger Straube (Fagott), zwei Bratschen und Cello.

Sabine Gettner, Leiterin des Nationalparkhauses in der Dünen-Therme, dankte im Namen der Schutzstation Wattenmeer. Sie ist Nutznießer dieses Benefizkonzertes, bei dem alle Beteiligten auf ihre Gage verzichtet haben. Leider entsprach die Besucherzahl nicht den Erwartungen. Das Engagement der Musiker und von Prof. Schellnhuber hätte eine weitaus größere Beteiligung verdient gehabt.

Nach einem kurzen Empfang im Nationalparkhaus ging es mit dem Hitzlöper zum Strandübergang Köhlbrand. Natur pur erlebten die Teilnehmer der Dünenwanderung. Was hinter dem „die Schöpfung bewahren“ steht, war direkt zu erleben.

Das war schon am Vortag in Westerhever so gewesen. Dort gab es eine Führung durchs Vorland zum Leuchtturm. Vorher hatte das Berliner Bläsertrio in der Kirche mit Tibor Reman (Klarinette), Fabian Schäfer (Oboe) und Holger Straube (Fagott) Werke von Mozart, Trygve Madsen, Victor Bruns und Erwin Schulhoff aufgeführt.

 

 

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