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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 07:07 Uhr

Aktionstag in Husum : Integration beginnt in den Köpfen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Gemeinsam Barrierefreiheit und Inklusion gestalten: Darum ging es bei einem groß angelegten Informationstag mit Kundgebung, Fachtagung, Mitmach-Aktionen und „Husumer Erklärung“

Erfreut über sehr viele interessierte Gäste, eröffnete Hans Böttcher, Vorsitzender der Ortsgruppe Husum im Sozialverband Deutschland (SoVD), die Kundgebung zum Aktionstag „Gemeinsam Barrierefreiheit und Inklusion gestalten“. Sie fand am Sonnabend, 7. Mai, anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen in Husum statt und bildete den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Aktionen im Rathaus und auf der Hafenstraße.

Böttcher machte ebenso wie sein Co-Koordinator Manfred Carstens von der Lebenshilfe Husum deutlich, dass Inklusion in den Köpfen beginnt und sich dort etablieren muss. Während Carstens „gleichberechtigte Teilhabe in allen Bereichen“ einforderte, rief Husums Bürgervorsteher und Schirmherr Peter Empen dazu auf, „Menschen mit Behinderung perspektivisch nicht als Objekte der Fürsorge zu betrachten, sondern als Menschen mit Rechten, die das Recht haben, diese Rechte auch einzufordern“.

„Inklusion kann man nicht einfach anordnen“, gab der SoVD-Landesvorsitzende Wolfang Schneider zu bedenken. Sie brauche vor allem eine gute finanzielle Ausstattung. Insbesondere im Bereich der Bildung dürfe nicht gespart werden. In dem Bestreben „Inklusion von der Wiege bis zur Bahre“ sei die Stadt Husum aber – auch dank des Engagements von Manfred Carstens und Hans Böttcher – auf einem sehr guten Weg.

Das nahm der örtliche SoVD-Vorsitzende zum Anlass, eine Resolution zu verlesen: die „Husumer Erklärung 2016“. Böttcher machte deutlich, dass die Zugangsmöglichkeiten zu allen Bereichen der Gesellschaft erweitert werden müssten – für alle Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen. „Dazu gehören Assistenz und Begleitung zu kulturellen und anderen Einrichtungen und Veranstaltungen sowie Informationen in leichter Sprache und räumliche Barrierefreiheit.“ Die kommunale Verwaltung sollte in diesem Punkt ein Vorbild sein.

Außerdem forderte Böttcher die finanzielle Beteiligung der Stadt und des Kreises Nordfriesland für alle inklusiven Vorhaben, die von freien Trägern angeboten werden. „Es kann nicht sein, dass freie Träger solche Angebote nur dann zur Verfügung stellen können, wenn sie im Vorwege um Spenden geworben haben“, sagte er. Ebenso müssten freie Kindergartenträger mit einer auskömmlichen Finanzierung rechnen können. Auch den Mangel an barrierefreien und preiswerten Wohnungen für Menschen mit Behinderungen, mit geringem Einkommen und für Senioren nahm er ins Visier und gab seiner Forderung nach kommunalem Wohnungsbau im Rahmen der Daseinsvorsorge Ausdruck.

Zu guter Letzt kam Böttcher auf das Personenbeförderungs-Gesetz zu sprechen, das für alle Haltestellen bis zum 1. Januar 2022 die Barrierefreiheit vorschreibt. „In Husum ist zurzeit keine Haltestelle barrierefrei“, mahnte er und verband diesen Hinweis mit der Erwartung, dass mit dem barrierefreien Umbau so bald wie möglich begonnen wird.

In der anschließenden Fachtagung hinterfragte Architekt Marc Jestrimsky die Barrierefreiheit und die viel zitierte „Lebensqualität für alle“: „Gilt sie auch für Rollstuhlnutzer, Blinde, Gehörlose, Senioren, Eltern mit Kinderwagen und Kleinwüchsige?“, wollte der Diplom-Ingenieur wissen. Bärbel Brüning (Lebenshilfe Schleswig-Holstein) verglich in ihrem Referat über Inklusion die Wünsche mit der Wirklichkeit. Anschließend wurden Arbeitsgruppen zu den Fragen der Teilnehmer gebildet. Sowohl im Rathaus als auch auf der Hafenstraße gab es vielfältige Infos zur Barrierefreiheit. Verschiedene Verbände, Einrichtungen und Organisationen stellten auf der Aktionsmeile ihre Inklusions-Projekte vor. Die Husumer Sanitätshäuser zeigten Hilfsmittel, es gab Mitmach-Aktionen – darunter auch einen Rollstuhl-Parcours – und ein Gewinnspiel unter dem Titel „Jedes Hindernis in Husum ist eines zu viel!“

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