zur Navigation springen
Anzeige

Anzeige
Anzeige

Husumer Nachrichten

31. Oktober 2014 | 16:34 Uhr

In Watt-Rollstühlen Natur hautnah erleben

vom

Kurverwaltung Nordstrand stellt fünf speziell konstruierte Gefährte zur Verfügung / Senioren aus Bredstedt testeten bei "Jungfernfahrt" die Neuanschaffung - und waren begeistert

Nordstrand | "Watt’n dat?" Verwundert reiben sich Badegäste auf Nordstrand die Augen. Ein Pulk fröhlich juchzender Menschen macht sich mit merkwürdigen fahrbaren Untersätzen auf den Weg hinaus ans Wasser. Die Dinger sehen aus wie Sulkis. Ballon artige, mit Luft gefüllte Reifen rollen problemlos durch den Sand am Ufer und dann durch den Schlick. "Das sind Watt-Rollis", erklärt Christine Dethleffsen den staunenden Touristen. "Damit können alle, die nicht gut zu Fuß sind, die herrliche Natur hier draußen erleben." Das Meer riechen, die Seeluft auf den Wangen spüren, im nassen Sand nach Krabbeltierchen graben, vielleicht sogar einmal ein paar Schritte zu Fuß über den welligen Boden wagen.. . Die Nationalpark-Wattführerin kommt ins Schwärmen. Ihre Augen funkeln mit denen der Teilnehmer um die Wette. Es sind 17 Bewohner eines Bredstedter Seniorenheims. Ein Tross von Angehörigen und Betreuern sorgt dafür, dass dies ein unvergessliches Erlebnis für die alten Menschen wird.

Anzeige
Anzeige

Die Watt-Rollstühle sind funkelnagelneu. Die Kurverwaltung Nordstrand hat sie in Zusammenarbeit mit demNationalparkamt in Tönning und mit finanzieller Unterstützung der Aktiv-Region Südliches Nordfriesland angeschafft und am Fuhlehörn ein Häuschen gebaut. Dort sind die fünf Rollstühle, die immerhin 10 500 Euro gekostet haben, deponiert. Und von dort aus starten auch die Exkursionen.

Für zehn Euro kann sich jeder, der möchte, einen Tag lang einen Watt-Rolli ausleihen. Dieses Jahr gilt noch als Erprobungs-Phase, da werden die Fahrzeuge nur für Gruppen-Unternehmungen unter fachkundiger Leitung herausgegeben. "Wir wollen auf Nummer Sicher gehen", sagt Regina Reuß, die Leiterin der Kurverwaltung. Es seien diesen Sommer so viele Unfälle in den Bergen passiert, da wolle man keineswegs ein Unglück im Watt riskieren. "Viele Urlauber kennen sich mit Ebbe und Flut nicht aus und unterschätzen die Gefahren", weiß die Nordstranderin aus langjähriger Erfahrung in der Tourismus-Branche. Außerdem sollen die Watt-Rollis erst mal auf mögliche "Kinder-Krankheiten" getestet werden. Am Strand von St. Peter-Ording könne man sich zwar auch schon Watt-Rollstühle ausleihen. Die seien jedoch fast so gebaut wie handelsübliche Rollstühle. Auf Nordstrand ist die Bodenbeschaffenheit viel weicher - da musste eine andere Konstruktion her. Regina Reuß hat natürlich schon eine Probefahrt gemacht - und ist begeistert. Die fast liegende Position sei "echt gemütlich", da könne man es schon eine längere Zeit aushalten. Ihr sei sofort der Kindervers "Hüh, mein Pferdchen, hüh" in den Sinn gekommen. Und in der Tat: Mindestens zwei "Zugpferde" braucht man schon, um den Rolli durchs Watt zu schieben. Für die mehr als 30 Begleiter, die sich mit den 17 Bredstedter Senioren für eine Jungfernfahrt zur Verfügung gestellt haben, ist die Tour jedenfalls eine Riesen-Gaudi. Nach anfänglicher Skepsis verfliegt auch bei den betagten "Fahr-Gästen" die Angst. "Die strahlenden Gesichter zu erleben - das ist einfach wunderbar", freut sich denn auch Rosamunde Baumgartner, die Leiterin der Senator-Senioreneinrichtung. Das mache alle Mühe wett. Mit drei Taxi-Bussen und jeder Menge Privatautos waren die Bredstedter angereist. Auf einem Anhänger wurden die Rollstühle der Gehbehinderten transportiert. Kaffee und Kuchen für das Strand-Picknick mussten mit, Handtücher und Wasch-Schüsseln, um später den Schlick von den Füßen zu kriegen, und Gläser für ein Likörchen. Denn auf solch ein Erlebnis muss man schon anstoßen. "Ich habe gehofft, dass einige es wagen, im Watt ein paar Schritte zu laufen", so Christine Dethleffsen. Sie behält Recht. Fast alle Senioren wollen Sand unter den Füßen spüren und sind ganz stolz, dass sie es sogar schaffen, ein Stück zu gehen. Die 52-Jährige weiß aus ihrer Tätigkeit als Physiotherapeutin, wie wichtig es ist, das Bewegungs-Training im Krankenzimmer in der Natur fortzusetzen. "Da kommt Lebensfreude auf, und plötzlich trauen sich die Menschen viel mehr zu."

Für Margarethe Empen ist dieser Tag an der See ein ganz besonderer. Sie hat auf Nordstrand gelebt und ist früher häufig vom Norder hafen aus ins Watt gegangen. "Dass ich das noch einmal erleben darf"- die 88-Jährige ist gerührt. Dora Ellhoff, mit 91 Jahren die Älteste bei dieser Unternehmung, kommentiert: "Viel zu kurz - wann machen wir das wieder?"

Pflegedienstleiterin Anka Clausen, die mit Christine Dethleffsen den "Familien-Ausflug" vorbereitet hat, freut sich vor allem über die entspannten, glücklichen Gesichter der alten Menschen: "Als wären sie zwei Wochen in Urlaub gewesen".

Kontakt: www.watt-wandern.de, Telefon 04671/6614 (Dethleffsen).

zur Startseite

von
erstellt am 04.Aug.2012 | 09:07 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige