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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:09 Uhr

Finanzamt Nordfriesland : In vier Jahren soll alles fertig sein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zusammenlegung der Finanzämter Husum und Leck: Die alte Behörde wird bis Ende 2017 saniert , während die Arbeiten am Erweiterungsbau 2018 beginnen.

Ein älteres Ehepaar steht ratlos in der Husumer Danckwerthstraße. Ungläubig und etwas enttäuscht starren die beiden Architektur-Fans auf den altehrwürdigen Backstein-Bau, der zur Hälfte von riesigen Plastikplanen verhüllt wird. Das Dach ist so gut wie abgedeckt, die Pakete mit neuen Ziegeln stehen schon parat. „Sanierung Gebäudehülle – voraussichtlich bis Oktober 2017“ ist auf dem großen Schild vor dem Husumer Finanzamt zu lesen, das die beiden Touristen gerade studieren.

Seit knapp 90 Jahren prägt der eindrucksvolle Behördenbau das Husumer Stadtbild. Doch das Gebäude ist stark sanierungsbedürftig. Außerdem reicht der Platz für die Mitarbeiter nicht mehr aus – und wird in den kommenden Jahren auch noch knapper werden. Das liegt an einer weitreichenden Entscheidung, die das Land Schleswig-Holstein bereits im März 2014 fällte: Das Finanzamt Nordfriesland, bisher auf die Standorte Husum und Leck aufgeteilt, wird an einem Ort konzentriert – und das ist die nordfriesische Kreisstadt. Um Doppelstrukturen zu vermeiden, stellte die Kieler Finanzverwaltung alle bisherigen Aufteilungen auf den Prüfstand und kam – nach mehrmonatigem politischen Tauziehen zwischen Husum und Leck – zu dem Ergebnis, dass eine Konzentration des Finanzamtes in der Storm-Stadt mittel- und langfristig die beste Lösung sei. Das bedeutet: Ein Erweiterungsbau muss her. Entstehen soll er dort, wo sich jetzt noch ein öffentlicher Parkplatz befindet – gegenüber dem Finanzamt. Dieses neue Gebäude soll dann Platz bieten für rund 90 Mitarbeiter. Bauherr ist das Land Schleswig-Holstein, das durch das Finanzministerium und das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH) vertreten wird. Die Bauleitung hat ein Flensburger Architekturbüro übernommen.

Auf die Frage nach dem aktuellen Stand der Dinge antwortet Eugen Witte, Sprecher des Finanzministeriums: „In diesem Erweiterungsbau werden überwiegend Beschäftigte untergebracht, die momentan in angemieteten Immobilen in der Stadt Husum und in der Gemeinde Leck arbeiten. Nach derzeitigem Planungsstand werden dort auch Arbeitsbereiche mit Publikumsverkehr verortet sein.“ Das sei die erste Stufe der Standortkonzentration des Finanzamts Nordfriesland, so Witte. Mittelfristig sollen rund 170 Beschäftigte in Husum und weiterhin 80 Beschäftigte in Leck arbeiten. Wie lange es dauern wird, bis alle Arbeitsbereiche nach Husum verlagert werden, kann der Sprecher aus Kiel noch nicht sagen. Am Ende dürfte das Finanzamt Nordfriesland jedoch über einen Personalbestand von rund 250 Mitarbeitern verfügen und sich auch in Husum nicht länger auf mehrere Standorte verteilen.

Zurzeit ist der größte Teil der Belegschaft, die normalerweise im alten Verwaltungsgebäude in der Danckwerthstraße arbeitet, im Innenhof untergebracht – und zwar in insgesamt 17 Containern. In diesen provisorischen Büros werden die Mitarbeiter auch noch eine Weile bleiben müssen, denn saniert wird bis Ende Oktober 2017. „Bei dem alten Hauptgebäude ist aufgrund des Bauzustands die komplette Gebäudehülle – das heißt Dach, Fenster und Fassadenmauerwerk – sanierungsbedürftig“, erklärt Witte. Das Wetter spiele dabei eine große Rolle, sodass nur jeweils von April bis Oktober 2016 und 2017 gewerkelt wird.

Auf diese Sanierungsarbeiten hat die Interessengemeinschaft Baupflege (IGB) Nordfriesland und Dithmarschen ein wachsames Auge geworfen. „Hoffen wir, dass die Erweiterung des Finanzamts behutsam geplant und Rücksicht auf dieses Stadtbild-prägende, bedeutende Gebäude genommen wird“, sagt der Vorsitzende Hans-Georg Hostrup. Das Finanzamt Husum stammt aus dem Jahr 1928 und wurde – genauso wie das Husumer Zollamt – von Baurat W. Penners im Stil der Schleswig-Holsteinischen Heimatschutzarchitektur errichtet. „Es ist ein selbstbewusst auftretender Backstein-Klinker-Bau und schon von Weitem sichtbar“, macht Hostrup deutlich. „Das Gebäude ist unverwechselbar – darauf kann Husum stolz sein“, fügt er hinzu. Auf das Thema Denkmalschutz angesprochen, versichert Witte: „Die Baumaßnahme wird in Abstimmung mit der Denkmalpflege und unter Berücksichtigung energetischer Aufwertung ausgeführt. Die Sanierung wird in zwei Schritten vorgenommen, um die Belastung für das Finanzamt erträglich zu machen. “

Bleibt noch die Frage, ob denn auch in Zukunft genügend Pkw-Stellplätze zur Verfügung stehen – denn der gegenüberliegende Parkplatz wird auf kurz oder lang zugunsten des Neubaus verschwinden. Es werde genügend Parkplätze geben, ist Witte überzeugt, denn die müssten nach städtischen Vorgaben sowieso nachgewiesen werden.

Bagger werden auf dem Gelände erstmal nicht zu sehen sein – sie rollen frühestens in zwei Jahren an. Geht der Plan des Kieler Finanzministeriums auf, dann ist der Neubau 2019/20 fertig. So bleibt auch den Architektur-begeisterten Touristen nichts anderes übrig, als sich in Geduld zu üben.

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erstellt am 30.Aug.2016 | 15:00 Uhr

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