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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 13:27 Uhr

Viel Spass im Packhaus : In fünf Minuten 136 Krabben ausgezogen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die 17. Tönninger Stadtmeisterschaften im Krabbenpulen hat Stephan Erdt gewonnen. Viele Urlauber wurden durch das Event und das bunte Rahmenprogramm mit dem Shantychor Eiderenten angelockt.

„Die trainieren doch heimlich, so schnell wie die pulen“, staunt der Münchner Franz Wandt. Nach dem Motto „flinke Finger in Aktion“ sitzen 15 Tönninger Frauen und Männer hochkonzentriert an einem langen Tisch. Sie wetteifern im historischen Packhaus um die Tönninger Stadtmeisterschaften im Krabbenpulen 2016. Fünf Minuten haben sie Zeit, um so viele der kleinen Schalentiere wie möglich „auszuziehen“. Nicht nur die ehrenamtliche Hauptorganisatorin Bärbel Berg und ihr 14-köpfiges Team fiebern mit, sondern auch die Zuschauer, die sich rund um die Meisterschaftsanwärter geschart haben. Kräftig wird angefeuert. Nichts kann die fleißigen Akteure aus dem Konzept bringen. Bis zur letzten Sekunde – gemeinsam werden die letzten zehn heruntergezählt – wird nicht nachgelassen. Großer Applaus folgt.

Die ohnehin schon angeheizte gute Stimmung ist nicht zu bremsen. Für die Freiwilligen beginnt im Nebenraum das Auszählen. Alles muss ja seine Ordnung haben. Für die knapp mehr als 200 Besucher des Höhepunktes der im Sommer jeden Jahres stattfindenden Krabbenpul-Abende geht inzwischen das Konzert des Tönninger Shanty-Chores Eiderenten unter der Leitung von Hans Wolff in die zweite Runde. Bereits im ersten Teil haben sie es geschafft, die Gäste zum Mitsingen und –schunkeln bekannten Seemannslieder zu animieren. Da fehlte weder ein Freddy-Quinn-Medley noch „Die blaue Nacht im Hafen“ oder das fast schon als Tönning-Hymne geltende Lied von den „Tönner Jungs“, die „so very good“ sind. Während der musikalischen Beiträge wird nach Herzenslust von den leckeren Meeresfrüchten genascht, von denen immer wieder Nachschub auf den Tischen landet.

Doch vor dem Genuss kommt die Arbeit. Selbst pulen heißt die Devise. Wer es noch nicht so drauf hat, dem helfen Tischnachbarn oder einer der Freiwilligen in den blau-weiß gestreiften Fischerhemden. Gemeinsame Aktionen schweißen ja bekanntlich zusammen. „Man ist das schwierig“, sagt Urlaubsgast Reiner Hartmann aus Essen. Beinahe will er die Flinte ins Korn werfen, sprich die Schalentiere links liegen lassen, da rückt Ehrenamtler Stefan Lass zur Erste-Hilfe-Maßnahme an. „Am besten die Krabbe festhalten und Kopf ab“, sagt er schmunzelnd. Er schafft es, den Ruhrpottler neu zu motivieren. „Geht ja doch“, sagt der nach kurzer Zeit zuversichtlich. „Ich habe noch nie Krabben gepult“, outet sich die Berlinerin Hannelore Baumann. Sie versucht es auf wissenschaftliche Weise. Sie habe gelesen, dass der Kopf der Krabbe zwischen zwei Finger zu nehmen sei. Danach müsse sie durch Knicken oder Drehen vom Körper gelöst werden. Bliebe dann nur noch den Panzer zu beiden Seiten abzudrehen. Doch Theorie und Praxis weichen oft voneinander ab. „Oh man is dit een Fummelkram“, entfährt es ihr. Ihr gegenüber sitzt der Tönninger Manfred Wolfgramm, der ihr das Pulen zeigt. „Ein richtig tolles Ding und so frische Krabben“, schwärmt Kurt Behrendsen aus Frankfurt / Main. „Die lassen sich besonders gut pulen“, ergänzt Ehefrau Daniela. Auch Hannelore Marquardsen aus Celle ist begeistert. „Das passt in das Packhaus und ich weiß jetzt wie man richtig Krabben pult.“

Die Spannung steigt, als die Organisatorin am Ende die Bühne betritt. „Diesmal gewinnt mal wieder ein Mann“, sagt sie. Mit 136 Krabben hat Stephan Erdt die Nase vorn. „Nach einem Jahr Aussetzen muss ich ja mal wieder die Fahne hoch halten“, frotzelt der Stadtmeister, der auch 2013 und 2014 gesiegt hat. Wie ein Schneekönig freut er sich über eine Urkunde, den Wanderpokal sowie den traditionsgemäß geschnitzten Pokal von Horst-Dieter Duus. Den kreiert er alljährlich neu – und das bereits seit 17 Jahren. Solange gibt es das Event der besonderen Art in der Eiderstadt.

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