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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 03:19 Uhr

75 Jahre DHSV Eiderstedt : Im Dienste von Mensch und Natur

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Deich- und Hauptsielverband Eiderstedt feiert mit zahlreichen Gästen sein Jubiläum und das Dichtfest für das neue Verwaltungsgebäude.

Warm und trocken saßen die Gäste des Deich- und Hauptsielverbands Eiderstedt (DHSV), während sich draußen der Sommer eher herbstlich präsentierte. Das Wetter erinnerte daran, wie wichtig der Verband ist, dessen 75-jähriges Bestehen gefeiert wurde. Denn ohne Entwässerung und ohne Deiche würde Eiderstedt schlichtweg absaufen. Aber es wurde nicht nur das Jubiläum gefeiert, sondern auch das Dichtfest des neuen Verwaltungs- und Bauhofgebäudes an der Poppenbüller Chaussee in Garding – der zünftige Zimmermannsspruch fehlte nicht. Diese war zu dem Doppel-Anlass festlich geschmückt worden. 380 Gäste waren der Einladung gefolgt. Besonders begrüßte Deichgraf Jan Rabeler den Landesvorsitzenden der Wasser- und Bodenverbände SH, Hans-Heinrich Gloy, den CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Jensen, für den Landesbetrieb Küstenschutz Dr. Johannes Oelerich, für den Kreis Nordfriesland Jörg-Friedrich von Sobbe sowie Eiderstedts Amtsvorsteher Christian Marwig.

Auf die Aufgaben des DHSV ging Staatssekretärin Dr. Silke Schneider in ihrem Vortrag ein. Sie vertrat Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck, der an der Sonderkonferenz zur Milchkrise in Brüssel teilnahm und daher nicht wie geplant nach Garding kommen konnte. Neben Entwässerung und Hochwasserschutz sprach sie den Naturschutz an. So gilt es nicht nur bei der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie mitzuwirken, sondern auch die Lebensbedingungen für die bedrohten Arten im Eiderstedter EU-Vogelschutzgebiet zu verbessern. So wurde dazu 2011 die Zielvereinbarung Wasserstandsmanagement geschlossen, die seitdem im Sielverband Tetenbüllspieker erprobt wird. „Wir sind gemeinsam auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel“, betonte Dr. Schneider. Das Projekt Zentrale Fernsteuerung der Schöpfwerke soll im Herbst umgesetzt werden. Auch ging die Staatssekretärin auf das Vorhaben „Wind für Wasser“ ein, mit dem umweltschonend die 742.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr für die elf Schöpfwerke produziert werden sollen. Sie sicherte dem DHSV für alle künftigen Aufgaben die konstruktive Begleitung durch das Ministerium zu.

Keine Jubiläumsfeier ohne den Blick zurück. Diesen übernahm der ehemalige Geschäftsführer, Thies Thiessen hatte die Geschicke des Verbandes von 1978 bis 2000 geleitet. Der DHSV wurde am 18. September 1941 gegründet. Hervorgegangen ist er aus dem III. Schleswigschen Deichverband. In der Nachkriegszeit folgten auch in Küstenschutz und Wasserwirtschaft auf Eiderstedt Jahre des Aufbaus. Die Außendeiche, für die der DHSV damals zuständig war, waren in einem desolaten Zustand, so Thiessen. Einen aufrüttelnden Effekt hatten die Hollandflut im Jahr 1953, bei der 1800 Menschen in England und den Niederlanden ertranken, und die Sturmflut 1962. Die Deiche wurden in der Folge erhöht und verstärkt. Umso bitterer war für die Eiderstedter, als die Landesregierung ihnen 1971 den Hochwasserschutz wegnahm, immerhin eine Aufgabe, die über Jahrhunderte zum Selbstverständnis der Halbinsulaner gehört hatte. Und das quasi in einer Nacht- und Nebelaktion, die Verbände erfuhren nur durch Flüsterpropaganda davon, so Thiessen. Auch die Einrichtung des Nationalparks Wattenmeer 1985 wurde als ein Eingriff in die Eigenständigkeit kritisiert. Das Vertrauen in die Landesregierung war nachhaltig erschüttert. Seinen einstündigen Vortrag schloss Thiessen mit einer Kritik an den Naturschutzverbänden. Es dürfe nicht sein, dass sie bei fast allen Bauvorhaben versuchen, vieles mit zusätzlichen Forderungen zu blockieren oder zu verhindern.

Über Gegenwart und Zukunft sprach Geschäftsführer Jan Paul Bonse. Er dankte zunächst allen Mitarbeitern von Handwerksbetrieben und DHSV, die bei der Realisierung des Neubaus mitgewirkt haben. Er soll im Oktober bezogen werden.

Anhand von Zahlen machte er dann das große Aufgabengebiet des DHSV deutlich: Zu unterhalten sind 906 Kilometer Verbandsgräben und Bootfahrten, 33 Deichsiele, elf Schöpfwerke, 110 Kilometer Eider- und Mitteldeiche sowie 245 Hektar Wald und Dünen in St. Peter-Ording. Insgesamt umfasst das betreute Gebiet 37.000 Hektar auf Eiderstedt und weitere 9000 Hektar außerhalb. Er ging auf die Naturschutzmaßnahmen ein, wie die Renaturierung des Rosenburger Deeps bei Witzwort, das Fischotterprojekt, die Dünenpflege in St. Peter-Ording und das Projekt Wasserstands-Fernsteuerung, das demnächst an fünf Sielen umgesetzt werden soll. Außerdem nannte er die Stiftung Eiderstedter Natur, bei der der DHSV Mitstifter ist. In den kommenden Jahr wird der Verband weiter in die Sanierung der Siele und Schöpfwerke investieren und an der Erneuerung des Regenwassernetzes in Mildstedt arbeiten.

Es folgten weitere Grußworte und die Abschlussrede von Oberdeichgraf Jan Rabeler. Das Doppelfest klang mit einem öffentlichen Ball in der Halle aus.

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erstellt am 17.Jul.2016 | 15:30 Uhr

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