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Husumer Nachrichten

06. Dezember 2016 | 09:21 Uhr

Uhrmacher bleiben gefragt : Im Dienst der Zeit

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Uhrmacher-Meister Peter Koch betreibt ein traditionsreiches Handwerk, das viel Fingerspitzengefühl erfordert.

Am Markt 9 ticken die meisten Uhren schon anders. Im Geschäft des Uhrmacher-Meisters Peter Koch (53) haben der Chef und seine fünf Mitarbeiter bereits damit begonnen, zahlreiche Zeitmesser um eine Stunde zurückzustellen. Offiziell endet die Sommerzeit in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober.

Wer sich das Innenleben einer Uhr anschaut, kann nachvollziehen, wie viel Geschick und Präzision dieses Handwerk erfordert. Für Reparaturen und Wartung setzt Koch in der Werkstatt seines Geschäfts, das den Namen von Stiefgroßvater Detlef Jensen trägt, Spezialwerkzeuge für die vielen kleinen und feinen Teile ein, die sich hinter den Gehäusen verbergen. „Die Hersteller raten dazu, eine Uhr alle drei bis fünf Jahre zu warten. Ich sehe das anders. Funktioniert das technische Wunderwerk einwandfrei, sage ich immer: ‚Einfach laufen lassen‘“, erklärt Koch. Er freut sich, dass die Nachfrage nach mechanischen Uhren – im Trend liegt der Retrolook – wieder steigt. Von ihrem Handy die Zeit ablesen wollen die wenigsten.

Für seine Kunden pflegt der 53-Jährige seit 2003 ein elektronisches Reparaturverzeichnis: Mittlerweile sind im Computer rund 60.000 Vorgänge dokumentiert. So kann der Meister beim nächsten Einsatz Details aus dem technischen Gedächtnis abrufen. Bis 1969 reichen die hauseigenen Reparaturbücher zurück. In beiden Archiven sind auch Uhren vermerkt, die als Erbstücke in erster Linie ideellen Wert besitzen.

Uhrmacherei ist Handarbeit. Es gibt zwar eine „Mini-Waschmaschine“ mit einer Reinigungslösung und Keramiksplittern, die für eine schonende Politur sorgen, doch: „Zerlegen müssen wir die Teile selbst.“ Die Maschine sei umweltfreundlicher als die frühere Behandlung der Stücke mit Benzin und Salmiakgeist.

Unterstützung erhält Peter Koch von Tim Minchau (18). Der Auszubildende im zweiten Lehrjahr bringt Talent und Leidenschaft für den künftigen Beruf mit. Dabei wollte er mal Archäologe werden.

Auch für Peter Koch waren es nicht gleich die Uhren gewesen. So hat er in Schwäbisch Gmünd im Bereich Schmuckwaren eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann absolviert. Ein Betriebswirtschaftsstudium und der Fachberater für Uhren und Schmuck schlossen sich an. Bei seinem Vater erlernte er dann das Uhrmacher-Handwerk – „Die Kundschaft verlangte danach“. Seit 1992 ist Koch Meister und seit 2000 Inhaber des elterlichen Betriebes, was ihm drei Jobs beschert hat: Als Uhrendoktor kommt er sogar ins Haus, ferner ist er Ausbilder und Unternehmer.

„Im Oktober und November haben wir viele Standuhren zur Reparatur“, erzählt Ehefrau Andrea (47). „Die Kunden möchten zu Weihnachten nicht auf deren Klang verzichten.“ Zu Hause hütet das Paar eine Standuhr von Detlef Jensen, die eine Husumerin vor Jahrzehnten in dessen ehemaligem Wohnhaus in der Woldsenstraße entdeckt und Peter Koch zurückgebracht hatte. „Wir haben 38-mal unser Wohnzimmer umgestellt, damit die Uhr dazu passte.“ Eine weitere private Kostbarkeit ist die Standuhr der Schweizer Uhren-Manufaktur Jaeger-LeCoultre, die ihre Energie aus den Schwankungen der Umgebungstemperatur bezieht. „Sollte es mal brennen, rette ich meine Familie und die beiden Uhren“, sagt Koch lächelnd.

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erstellt am 29.Okt.2016 | 12:00 Uhr

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