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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 12:52 Uhr

SPD-Rochaden : Ilgens Kehrtwende: Lieber Berlin als Kiel

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nordfrieslands SPD-Kreisvorsitzender Matthias Ilgen will nun doch wieder in den Bundestag – damit steigen Ralf Heßmanns Chancen auf ein Landtagsmandat.

Rin in de Kartüffeln – rut ut de Kartüffeln: Der SPD-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Matthias Ilgen (32) will nun doch nicht auf eine neuerliche Bundestags-Kandidatur verzichten. Dies erklärte der Husumer Politiker nach einer Sitzung des SPD-Kreisvorstandes am Sonnabend (1. Oktober) gegenüber unserer Zeitung. „Ich habe mich nach vielen Gesprächen mit den Ortsvereinen unserer Partei entschieden, im kommenden Jahr doch erneut für den Bundestag zu kandidieren“, so Ilgen. Seine Bewerbung um ein Landtagsmandat ist damit Makulatur.

Möglich wird Ilgens zweiter Kurswechsel zwischen Berlin und Kiel durch den Verzicht von Nico Hamkens (38). Der stellvertretende SPD-Kreisvorsitzende und Kreistagsabgeordnete hatte sich – mit Unterstützung Ilgens – bereits offiziell um die Kandidaten-Nachfolge für den Bundestag beworben, jetzt jedoch seine Bewerbung kurzfristig zurückgezogen. „Es ist eine Vernunftentscheidung“, erklärte der Husumer Hamkens auf Anfrage. Da der Bundestagswahlkreis Nordfriesland  /  Dithmarschen-Nord für die SPD schwerlich direkt zu gewinnen ist, hatte er ursprünglich gehofft, über die Liste seiner Partei ins Bundesparlament einzuziehen. Angesichts der Wahlergebnisse in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, bei denen die großen Parteien Federn lassen mussten, und der Tatsache, dass mehrere männliche Bewerber
in Schleswig-Holstein parteiintern bessere Ausgangspositionen haben, sieht er seine Chancen realistisch: „Als Neueinsteiger würde ich auf der Liste durchgereicht werden – und bevor das Bundestagsmandat für uns ganz wegfällt  .  .  .“

„Das Mandat ist für die Westküste unheimlich wichtig“, sagt auch Matthias Ilgen. Und wenn er nun doch wieder selbst antritt, wird es voraussichtlich auch erhalten bleiben. Denn als Abgeordneter und Kreis-Chef kann Ilgen mit einem vorderen und damit relativ sicheren Platz auf der Landesliste seiner Partei rechnen, falls er den Wahlkreis nicht ohnehin direkt gegen Astrid Damerow (CDU) gewinnen sollte. Ilgen formuliert es so: „Insbesondere die Bitte von Nico Hamkens, doch erneut selbst ins Rennen zu gehen, konnte ich nicht ausschlagen. In der Politik übernimmt man eine dienende Funktion  .  .  .“

Von der neuen Personal-Konstellation in Nordfrieslands Sozialdemokratie profitiert der Hattstedter Ralf Heßmann. Der kommunalpolitisch erfahrene Bürgermeister und Amtsvorsteher des Amtes Nordsee-Treene ist nach der Neuorientierung von Ilgen nun alleiniger Bewerber um die SPD-Nominierung für den Landtags-Wahlkreis NF-Süd. Denn auch Hamkens wird nicht gegen Heßmann kandidieren: „Das war für mich keine Alternative“, sagt er. Und Heßmann freut sich: „Ich bin froh, dass Matthias Ilgen sich entschlossen hat, seine erfolgreiche Arbeit in Berlin für uns fortzusetzen. Es ist wichtig, dass wir in der Hauptstadt weiter vertreten bleiben.“

Während für die SPD im Landtags-Wahlkreis NF-Nord Hendrik Schwind-Hansen als Herausforderer von Ingbert Liebing (CDU) gesetzt bleibt, rechnet sich Heßmann gute Chancen aus, den Wahlkreis NF-Süd gegen Klaus Jensen (CDU) direkt zu holen. Dabei ist er sich der „einmütigen Unterstützung“ des SPD-Kreisvorstandes sicher und kündigt unisono mit Ilgen an: „Wir werden nun einen engagierten Doppel-Wahlkampf führen.“

Noch im Frühjahr hatte Matthias Ilgen auch familiäre Gründe für den von ihm angepeilten Wechsel von der Spree an die Kieler Förde angeführt – diese Situation habe sich inzwischen aber entspannt. Vor diesem Hintergrund hofft Ilgen – „Rochadespiele sind immer blöd“ –, dass sein erneuter Kurswechsel Verständnis findet und ohne Blessuren bleibt.

Schließlich stehen auch die Christdemokraten als direkte politische Konkurrenten dem in nicht viel nach: Ingbert Liebing hat nun ein Landtags- statt des Bundestagsmandats im Visier und Astrid Damerow möchte vom Landes- ins Bundesparlament umziehen. Bäumchen-wechsle-dich eben.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 13:00 Uhr

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