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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 07:52 Uhr

Sommerpausen-Plauderei : „Ich mag Verwaltung einfach“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Letzter Teil der Sommerpausen-Plauderei: Uwe Schmitz ist seit sechs Jahren Bürgermeister – und wüsste nicht, was er lieber machen würde.

Zum Abschluss unserer Serie Sommerpausen-Plauderei kommt Verwaltungschef Uwe Schmitz zu Wort und spricht über Einkaufstouren, sein Selbstbild und den Wert einer starken Wirtschaft.

Wie viele Leute sprechen Sie an einem durchschnittlichen Sonnabend an, wenn Sie zum Einkaufen durch die Husumer Innenstadt laufen?

Das ist unterschiedlich. Ich werde gegrüßt, und ich werde auch schon mal angesprochen. Das gehört halt dazu, das ist vollkommen in Ordnung.

Ist es nicht auch manchmal nervig?

In dem Moment, in dem ich mich entscheide, in die Stadt, in die Öffentlichkeit zu gehen, bin ich bereit dafür. Ich werde auch mal weniger freundlich angesprochen, das finde ich dann nicht schön, aber das passiert auch nicht häufig. Mit offenen Karten gespielt: Ich habe vielleicht auch mal den einen oder anderen Tag, an dem ich anders drauf bin, da sage ich mir, Du gehst heute lieber woanders einkaufen.

Sie haben ja schon eine ganze Reihe Unterstützer für Ihre zweite Kandidatur als Bürgermeister hinter sich geschart.

Offiziell gibt es ja erst eine Partei, die CDU, die sich geäußert hat, dass sie mich unterstützen will. Aber ich habe auch schon bei allen anderen Parteien Termine.

Hat Sie die CDU-Zusage überrascht?

Unterm Strich habe ich mich einfach darüber gefreut.

Was motiviert Sie, für eine zweite Amtszeit als Husumer Bürgermeister anzutreten?

Ich bin seit 33 Jahren bei der Stadt. Am Anfang war das einfach ein Job für mich, da bin ich abends nach Hause nach Tönning gefahren und hatte sonst weiter keinen Bezug zur Stadt. Zur Verwaltung natürlich schon. Und ich mag Verwaltung. Und über die Verwaltung habe ich tatsächlich die Liebe zu Husum entdeckt. Deshalb habe ich mich vor sechs Jahren dazu entschieden, das Bürgermeister-Amt anzustreben. Und ich liebe das einfach. Es ist umfangreich, es zehrt, es frisst mich manchmal auf – ich wüsste nicht, was ich lieber machen würde.

Überspitzt formuliert würde ich sagen, es gibt zwei Bürgermeister-Typen: Einmal denjenigen, der sich als reiner Verwaltungschef empfindet, der seine Aufgabe darin sieht, dafür zu sorgen, dass seine Verwaltung die Aufgaben der Politik umsetzt. Und es gibt Bürgermeister, die sich vor allem als politische Akteure sehen. Ich würde Sie in erstere Kategorie einsortieren.

Dieser Kategorisierung kann ich nicht uneingeschränkt zustimmen. Ich glaube, die Kunst ist es, beide Seiten miteinander in Verbindung zu bringen. Wenn jemand zu mir sagt, du bist Politiker, sage ich schon: Nee, das stimmt nicht, ich bin Verwaltungsbeamter. Ich fühle mich auch nach wie vor so. Aber ich muss natürlich schon politisch und strategisch denken. Nur Beschlüsse der Politik umsetzen – das funktioniert nicht. Wir erstellen ja auch Vorlagen, die Vorschläge für die Politik enthalten, und die natürlich auch eine bestimmte Zielrichtung haben. Die Kunst ist immer, mit der Politik vertrauensvoll zusammen etwas auf den Weg zu bringen.

Es gibt sicherlich Städte, in denen Bürgermeister mit ihren Ideen in der Öffentlichkeit vorpreschen, ohne dass die entsprechenden Beschlüsse da sind. Damit setzt man Politik unter Druck – ich weiß nicht, ob das so in Ordnung ist.

Sie haben hier in Husum eine recht starke und recht lautstark auftretende Wirtschaft. Macht das das Leben als Bürgermeister schwieriger?

Nein, das macht es interessanter. Wirtschaft schafft Arbeitsplätze, ist ein wesentlicher Faktor für den Wohlstand einer Stadt, einer Region. Und insofern ist es auch legitim, dass sich die Wirtschaft zu Wort meldet und die Stadt daran erinnert, dass man sie nicht vergisst. Das passiert in Husum nachhaltig – aber ich denke, dass der Erfolg der Wirtschaft ein Stück weit recht gibt. Es ist doch allemal besser, mit einer starken Wirtschaft am Tisch zu sitzen und sich auch mal zu reiben als eine schwache Wirtschaft zu haben. Es gibt genug andere Städte, da schließen Betriebe, da stehen in zentraler Lage die Geschäfte leer. Und da geht es uns gut.

Was sind für Sie wichtige Themen, die nach der Sommerpause anstehen?

Das Thema Wohnraum natürlich, in jedweder Hinsicht. Und der Hafen wird wieder Thema werden, der ist ja eines der wirtschaftlichen Herzen der Stadt, da hängen eine Menge Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft dran. Außerdem müssen wir schauen, dass wir neue Flächen für das Gewerbegebiet bekommen. Die Kunst wird sein, an Flächen ranzukommen. Angesichts der niedrigen Zinslage sind momentan wenige Landbesitzer bereit, zu verkaufen.

Außerdem steht ja der Bus-Verkehr auf der Agenda, der soll verbessert werden .  .  .

Es ist vergleichsweise einfach, eine Top-ÖPNV-Lösung hinzukriegen, es ist nur auch vergleichsweise teuer.

Meinen Sie, dass sich das lohnt? Dass wirklich mehr Leute die Busse nutzen werden, nur weil sie häufiger fahren?

Es gibt Dinge, die können sie einfach nicht trocken entscheiden, die muss man ausprobieren. Sie haben eben die Wirtschaft angesprochen: Vor wirtschaftlichem Erfolg kommt in der Regel wirtschaftliches Risiko. Man kann nicht immer nach dieser Vollkasko-Mentalität entscheiden, das haut nicht hin.

Schafft diese Stadt ihre Haushalts-Sanierung?

Wir haben einen relativ hohen Schuldenstand, aber wir haben Gegenwerte geschaffen. Und unsere Eigenkapitalquote liegt bei 40 Prozent. Das ist gesund. Es gibt viele andere Städte und Gemeinden, die Schulden haben, aber keine Gegenwerte. Im Moment – das darf man auch nicht ganz laut sagen – tun die Schulden dank der niedrigen Zinsen auch nicht ganz so weh. Und Verwaltung und Politik sind sich einig, dass kaputt sparen auch die falsche Lösung wäre. Wir müssen schlicht das wenige Geld so sinnvoll wie möglich einsetzen.

Abschließend noch eine Frage zu einer Husumer Dauerbaustelle: Was ist der Stand der Dinge beim sogenannten Paulsen-Grundstück in der Poggenburgstraße? Da hat es ja neue Gespräche zwischen Ihnen und dem Eigentümer über mögliche Bebauungspläne gegeben.

Über diese Gespräche werde ich zunächst die Politik in der nächsten Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses im nicht-öffentlichen Teil informieren.

Wie hoch schätzen Sie die Chance ein, dass sich in absehbarer Zeit etwas auf dem Grundstück tut?

Ich bin Verwaltungsbeamter, kein Schätzer.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 12:00 Uhr

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