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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 07:56 Uhr

Stadtführungen : Husums ältester Gästeführer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Seit 20 Jahren führt Heinz Mühlenbeck Touristen und Einheimische durch Husum. Der 78-Jährige möchte auch mit 80 noch dabei sein.

Der Himmel ist grau, die Wolken hängen tief über Husum, ein leichter Nieselregen setzt ein. „Doch hängt mein ganzes Herz an dir, Du graue Stadt am Meer“, zitiert Heinz Mühlenbeck die berühmten Zeilen Theodor Storms. Der Stadtführer hat eine kleine Gruppe mit fünf Touristen um sich auf dem Marktplatz versammelt. Er zeigt auf die Dachfenster von Hausnummer 9. „Dort wurde Storm in einer Gewitternacht am 14. September 1817 geboren“, beginnt der 78-Jährige den eineinhalbstündigen Rundgang durch die Heimatstadt des weltbekannten Dichters und Schriftstellers. Doch nicht nur Theodor Storm (1817-1888) ist Thema seiner Führung. Mühlenbeck erzählt auch von Marsch und Geest, der Geschichte des alten Gymnasiums, von Ferdinand Tönnies und dem historischen Husum.

Um 14.30 Uhr starten montags bis sonnabends die informativen Spaziergänge vor der Tourist-Information im Alten Rathaus. Heinz Mühlenbeck und etwa 30 weitere ausgebildete Gästeführer geleiten im Wechsel Einheimische und Touristen durch Nordfrieslands Kreisstadt. Sie haben in 13 Unterrichtseinheiten an der Volkshochschule eine Lizenz zur Stadtführung erworben.

„Jede Gruppe ist anders“, sagt der Schwesinger. „Es ist schön, wenn man das Gefühl hat, das Erzählte kommt bei den Leuten an. Das animiert, über sich selbst hinauszuwachsen.“

Mühlenbeck kennt die Werke Storms in- und auswendig. „Ich habe sehr viel Zeit investiert“, sagt er. Der 78-Jährige ist Mitglied in der Theodor-Storm-Gesellschaft und hat nahezu jedes Werk des Dichters und Schriftstellers gelesen. Er weiß zu jedem historischen Ort der Stadt ein Storm-Zitat. „Bisher konnte ich jedem Zuhörer gerecht werden.“

Die Gruppe besucht die Marienkirche, wandert weiter zum Alten Gymnasium, während sie Erinnerungsstätten des Dichters passiert. Am Binnenhafen kommen alle zum Stehen. Ursprünglich habe Husum keinen direkten Zugang zum Meer gehabt, verrät Mühlenbeck. Doch nachdem die Insel Rungholt, um die sich Legenden scharren, untergegangen sei, habe sich die Nordsee langsam ins Landesinnere vorgearbeitet. „Im Jahr 1362 wurde schließlich an dieser Stelle der Hafen errichtet“, erzählt der Touristenführer.

Mühlenbeck führt die Touristen in die Wasserreihe 31 zum einstigen Husumer Wohnsitz des berühmten Dichters, in dem sich heute ein Museum befindet. Das Haus hatte Storm von 1866 bis 1880 bewohnt. Es ist ein altes Kaufmannshaus mit 14 Zimmern und stammt aus dem Jahre 1730. Mühlenbeck erzählt aus seiner eigenen Kindheit – vom Viehmarkt und dem Schulalltag – und baut immer wieder Storm-Zitate ein.

Die Gruppe erreicht das Schloss vor Husum und wandert zur Storm-Büste in den Schlosspark. „Wenn wo die Rede ist von Husum, spricht man nur von der Grauen Stadt. Ich möcht’ hier öffentlich bekennen, ich habe diesen Ausdruck satt“, beendet Heinz Mühlenbeck den Rundgang mit dem Gedicht von Georg Ebers „Du übertreibst, oh Theodor“. Und wie zur Bestätigung traut sich die Sonne hinter den Wolken hervor und lässt die Graue Stadt am Meer erstrahlen.

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erstellt am 21.Apr.2016 | 15:00 Uhr

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