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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 05:04 Uhr

Rekord-Prozess in Flensburg : Husumer Arzt wird Drogenhandel vorgeworfen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Husumer Allgemeinmediziner soll massenhaft mit Betäubungsmitteln gehandelt und die Kassenärztliche Vereinigung betrogen haben.

Flensburg | Es muss ein florierender Drogenhandel gewesen sein – und das über Jahre: Einem Arzt aus Husum werden gravierende Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Last gelegt. Zudem soll er die Kassenärztliche Vereinigung (KV) über Jahre hinweg betrogen haben. Den Schaden, den er dabei verursacht haben soll, beziffert die Staatsanwaltschaft auf mehr als 1,2 Millionen Euro. In dem Prozess, der am 29. August vor dem Flensburger Landgericht beginnt, sollen ihm sage und schreibe 962 einzelne Taten nachgewiesen werden.

Es ist einer der größeren Prozesse in der Geschichte des Gerichts, mit einer entsprechend umfangreichen Anklageschrift. Es wurde über Jahre ermittelt, die Taten liegen schon etwas zurück. In Zusammenhang mit dem Gesamtkomplex ist ein Apotheker schon vor zwei Jahren quasi als Mittäter zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Über dessen Apotheke – im gleichen Haus wie die Praxis des angeklagten Arztes – soll der Mediziner massenweise diverse Drogen und andere Arzneimittel beschafft und damit einen schwunghaften Handel betrieben haben.

Im Internet firmiert der Angeklagte noch als Allgemeinmediziner im Zentrum der Storm-Stadt, doch die Praxis wird längst von einem anderen Arzt geführt. In den Gerichtsakten wird der heute 51-Jährige als Allgemein- und Substitutionsmediziner geführt. Als solcher hatte er das Recht und die Befähigung, Drogensüchtigen Ersatzstoffe zu verschreiben und zu verabreichen, mit deren Hilfe sie ihre Sucht kontrollieren und ein einigermaßen normales Leben führen konnten.

Zur Last gelegt werden ihm zwei Komplexe an Taten: Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Betrug. Im ersten Fall seien es 962 einzelne Taten, die er zwischen Januar 2009 und Februar 2011 begangen haben soll. Er soll Betäubungsmittel (BTM) Substitutionspatienten verschrieben und verabreicht haben, ohne ausreichende Kontrollen vorzunehmen, so Stefan Wolf, Pressesprecher des Landgerichts. Zudem soll er BTM an Patienten verkauft haben, ohne das dies medizinisch angezeigt war. Entsprechende Medikamente soll er durch Ausstellung von Privatrezepten beschafft haben. Auch soll er BTM an Dritte verkauft haben, die gar nicht als Patienten an einem Substitutionsprogramm teilgenommen haben. Zu den Substanzen, mit denen der Angeklagte gehandelt haben soll, zählt Wolf Ritalin, Methaddict, Methadonlösung, Subutex und (L-)Polamidon.

Die ihm zur Last gelegten Betrugstaten sind vom Umfang her deutlich geringer: 16 Fälle sollen ab übernächstem Montag vor dem Landgericht behandelt werden, so Wolf. Sie liegen noch etwas weiter zurück – zwischen Januar 2007 und April 2010 soll er die KV um insgesamt 1,259 Millionen Euro „erleichtert“ haben, so der Vorwurf.

Im Einzelnen soll er Leistungen abgerechnet haben, die er nicht erbracht hat. Er soll Patienten gemeldet und fingierte Behandlungen abgerechnet haben. Zudem sollen sogenannte Sammelerklärungen falsch gewesen sein. Pro Quartal sollen der KV dadurch Schäden von 75.000 bis 90.000 Euro entstanden sein.

Zum möglichen Strafmaß wollte sich Wolf nicht äußern. Allerdings gehe die Staatsanwaltschaft am Landgericht bei ihren Fällen grundsätzlich von einer Straferwartung ab vier Jahren aufwärts aus, ergänzte er. Die zuständige Strafkammer hat wegen des Umfangs der Ermittlungen und der Zahl der Tatvorwürfe zehn Verhandlungstage angesetzt.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 16:56 Uhr

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