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Husumer Nachrichten

26. August 2016 | 15:37 Uhr

Husumer Messe – eine Erfolgsgeschichte : Husum Wind 2015: Wie der Wind Flügel bekam

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Mit wechselnden Namen, aber immer erfolgreich: Rückblick auf 25 Jahre Wind-Messe in Husum – die Geburtsstunde schlug in einer alten Viehauktionshalle.

Husum | Es gibt keinen zweiten Standort, der Windenergie als Wirtschaftsfaktor so authentisch verkörpert wie Husum. Hier hat alles vor mehr als 25 Jahren in einer Viehauktionshalle begonnen – und hier hat sich in den vergangenen Jahren die weltgrößte Messe auf diesem Sektor entwickelt. Vom 15. bis 18. September öffnen sich im nunmehr 26. Jahr die Tore bei der Messe Husum & Congress – zur „Husum Wind 2015“.

Nach einem Vierteljahrhundert schaut man doch gerne mal zurück auf die Anfänge, als die Windkraft zur Energie-Erzeugung noch in den Kinderschuhen steckte und eher als Versuch diente, auf den ersten Ölpreisschock 1973 zu reagieren. Zudem war der Protest gegen den Einsatz von Atomkraft in den 80er-Jahren immer lauter zu vernehmen. Landwirte in windreichen Ländern wie Dänemark, aber auch im Norden Deutschlands, begannen damit, kleine Anlagen für den Eigenbedarf zu errichten und die Energie in Warmwasserspeichern aufzufangen.

Die erste richtige Versuchsanlage wurde 1983 im Kaiser-Wilhelm-Koog in Dithmarschen aufgebaut. Der Name Growian, der aus den ersten Silben des Wortes Groß-Wind-Anlage entstand, sorgte für die erste überregionale Beachtung. Die Drei-Megawatt-Anlage wurde allerdings nach fünf Jahren wieder stillgelegt, da der Probe-Betrieb nicht den erwünschten Erfolg gezeigt hatte. Auf dem Gelände entstand etwa zeitgleich der erste größere Windpark. 1986 bescherte zudem die Entscheidung des Bundesforschungsministeriums, Anlagen bis 250 Kilowatt Leistung zu fördern, für einen Auftrieb in der Branche. Husum wurde zu einem Zentrum der frühen Wachstumsphase. So begannen Vestas und die Husumer Schiffswerft hier mit ihrer Produktion. 1989 legte die Bundesregierung noch einmal mit der Förderung nach und Anlagenbetreiber bekamen eine Einspeisevergütung.

In Sachen Messe gab es nur kleine Vorläufer in Hamburg, Neumünster und im dänischen Herning, meist als Symposion oder in Landwirtschaftsmessen integriert. Die Deutsche Gesellschaft für Windenergie (DGW) mit Sitz in Husum hatte aber die Idee, eine Messe (in der Alten Viehhalle) mit angegliedertem Kongress (in der ehemaligen Irene-Thordsen-Kongresshalle) anzubieten und bekam schnell Unterstützung.

Die Husumer Windmesse 1989 war die erste, die sich des Themas ausschließlich annahm. In der Alten Viehhalle in der Marktstraße, vis-à-vis vom Wasserturm, steht also die Wiege der Wind-Leitmesse. Die Halle konnte nicht beheizt werden, das Dach war teilweise undicht und häufig mussten erst einmal noch Hinterlassenschaften vorangegangener Tier-Auktionen beseitigt werden, erinnern sich Aussteller der ersten Stunde. Mehr als 4000 Besucher kamen 1989 zu den Husumer Windenergietagen; die Kosten konnten gerade so gedeckt werden.

Die zweite Messe sollte größer ausfallen, das war gleich klar – und die DGW als gemeinnütziger Verein würde das nicht mehr leisten können. So entstand letztlich die Husum Messe GmbH. Immer größer, immer besser wurden die Anlagen, die Erfolgsstory begann. Nach der dritten erfolgreichen Messe verbündete sich die Messe GmbH mit der Deutschen Messe AG. Beide wollten auf der Hannover-Messe die Sonderausstellung „Erneuerbare Energien“ ausrichten. Die Entscheidung wurde später unter anderem mit dem Hinweis auf die passende Infrastruktur begründet. Für die norddeutschen Akteure war dies eine beunruhigende Entwicklung. Ein Argument, das 2012 noch einmal in der Diskussion mit Hamburg wiederkehren sollte.

Doch auch damals gaben sich die Husumer nicht mit dieser Variante zufrieden. Die örtliche Kaufmannschaft und andere Gewerbetreibende gründeten die Husumer Wirtschaftsgesellschaft, um die Messe selbst veranstalten zu können. 1995 hieß sie „Husum Wind“. 1997 wurde die neue Messehalle errichtet, kurz vor der Wind-Messe fertiggestellt und damit zum Symbol für den Erfolg einer ganzen Branche. Der Windenergie-Markt hatte sich bestens entwickelt, das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) aus dem Jahr 2000 regelte die Vergütung für Windkraftanlagen neu. Die Besucherzahlen der Messe hatten längst eine fünfstellige Zahl erreicht. Den Namen wechselte die Messe hin und wieder. Genauso gab es den Wettbewerb oder auch mal die Kooperation mit Hamburg und Hannover. Aussteller und Gäste wurden immer internationaler. 2010 wurden fast 36.000 Besucher gezählt – der absolute Höhepunkt.

Doch Erfolg ruft bekanntlich Neider auf den Plan. Plötzlich sah sich der Standort mit einer Kampfansage der Hamburg Messe konfrontiert, die für 2014 auf den gleichen Termin wie die „Husum WindEnergy“ eine eigene Windenergie-Messe platzierte. Mehr als zwei Jahre lang kämpften die Nordfriesen hartnäckig um ihre Wind-Messe – so lange dauerte es, bis ein tragfähiger Kompromiss mit den Hamburgern gefunden wurde, der nun gilt: Es wird fortan zwei Wind-Messen im Norden geben, die sich im Zwei-Jahres-Turnus abwechseln. Die Hamburger sind in den geraden Jahren dran. Während Husum den Fokus auf den deutschsprachigen Markt legt, zeigen sich die Hanseaten als Schaufenster der internationalen Branche.

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erstellt am 21.Aug.2015 | 16:00 Uhr

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