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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 17:27 Uhr

Mit Video : Husum: Polizist erschießt Messerstecher

vom
Aus der Onlineredaktion

Ein Mann griff ein Ehepaar an. Als der 24-Jährige dann auf Polizisten losging, wurde er erschossen. Aus Notwehr, sagt die Staatsanwaltschaft.

Husum | Ein Streit zwischen drei Personen hat am Donnerstagabend in der Husumer Altstadt im Kreis Nordfriesland ein tragisches Ende genommen: Zwei Menschen wurden von einem Angreifer mit einem Messer verletzt, der mutmaßliche Täter wurde anschließend von der Polizei erschossen, nachdem er die Beamten mit dem Messer angegriffen hatte. Bei dem Toten handelt es sich um einen Somalier, der schlecht Deutsch sprach.

„Im Moment gehen wir zwingend von einer Notwehrsituation aus“, sagte der Sprecher der Flensburger Staatsanwaltschaft, Otto Gosch. Die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Es werde wegen eines Tötungsdelikts ermittelt. Bei der Obduktion der Leiche sei festgestellt worden, dass der Mann von mehreren Schüsse im Bauchbereich getroffen worden sei, sagte Gosch am Freitagabend. „Er ist innerlich verblutet.“ Der Getötete wurde in in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren und war 24 Jahre alt.

„Der Streit hatte seinen Ursprung zwischen dem Paar und dem späteren Angreifer“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Somalier lebte zusammen mit einem Ehepaar in einem Haus, das die Stadt für Flüchtlinge angemietet hat. „Wir haben gedacht: Drei Leute aus demselben Land, die legen wir zusammen“, erklärte ein Mitarbeiter des Ordnungsamts.

Der Zwischenfall löste in der Stadt große Betroffenheit aus. „Es ist einfach schrecklich, wenn ein Mensch sein Leben verliert“, sagte Husums Bürgermeister Uwe Schmitz. Er fügte hinzu: „Den Polizisten, die dort ihre Waffe benutzen mussten, ist es sicher nicht leicht gefallen.“

Gelbe Kreidespuren auf der Straße markieren den Ort des tödlichen Geschehens. Am Schloss der Eingangstür ist ein Polizeisiegel angebracht. An der abgegriffenen Klinke kleben noch Blutspuren. Auch vor der Tür sind noch mehrere große rote Blutflecken zu sehen. Es könnte das Blut des verletzten Ehemanns sein. Nachdem das Paar aus dem Haus gerannt sei, habe der Ehemann noch versucht, den Angreifer im Haus aufzuhalten, indem er die Tür zudrückte, sagt eine Nachbarin der dpa. Ihre Freundin und ein junger Mann, der zufällig vorbeikam, hätten dem Ehemann dabei geholfen. Die meisten Familien leben schon seit Jahren in der Straße, erzählt eine junge Mutter. Nur nicht die Bewohner des Hauses, in dem es am Donnerstagabend zum Streit kam. Die seien erst vor wenigen Monaten eingezogen. Eine ruhige, unauffällige Familie, erzählt sie.

Was ist  am Donnerstagabend passiert?

Alles begann gegen 18.15 Uhr in der Langenharmstraße in der Husumer Altstadt. Eine Nachbarin hörte in ihrer Wohnung laute Streitigkeiten und ging auf die Straße, um nach dem Rechten zu sehen. Währenddessen alarmierte sie die Polizei. „Als ich dann auf der Straße war, lief mir eine Frau mit einer Schnittverletzung an der Hand in die Arme“, berichtet die sichtlich geschockte Husumerin. Sie nahm die Frau in den Arm und legte ihr eine Jacke um, als wenig später auch der Ehemann der Verletzten, ebenfalls mit einer Schnittverletzung an der Hand, die Straße herunterlief. Laut Angaben der Staatsanwaltschaft Flensburg lebte der Angreifer im selben Haus wie das Ehepaar.

Nach Angaben der Nachbarin war die Polizei bereits wenige Augenblicke später am Ort des Geschehens, kurz darauf auch mehrere Rettungswagen und der Notarzt. Die beiden Verletzten wurden ins Krankenhaus eingeliefert.

„Mehrmals“, so die Nachbarin, habe die Polizei dann den Angreifer, der sich wieder in das Haus zurückgezogen hatte, aufgefordert, nach draußen zu kommen. Nach einer ersten Mitteilung der Polizei kam der Mann dieser Aufforderung dann auch nach – stürmte jedoch nun mit Messern in der Hand auf die Beamten zu. Wie ein weiterer Zeuge der blutigen Auseinandersetzung berichtet, hätten die Polizisten den Mann mehrmals aufgefordert stehenzubleiben – dann fiel plötzlich ein Schuss. Zwei Zeugen wollen drei Schüsse gehört haben. Einem einzelnen Schuss sollen in kurzer Folge zwei weitere gefolgt sein. Wie die Polizei mitteilt, erschoss ein Polizeibeamter den Angreifer mit seiner Dienstwaffe.

„Der Beamte  hat versucht, sich in der engen Altstadtgasse hinter den Polizeiwagen zurückzuziehen, ihm blieb nicht viel Zeit zum Überlegen und wenig Platz zum Ausweichen“, erklärt Gosch. Unklar war Freitag noch, ob der Angreifer unter Drogen stand.

Der Polizist ist nach Informationen unserer Zeitung Vater von zwei Kindern. Er ist ein erfahrener Beamter, jetzt traumatisiert und dienstunfähig.

Noch am Donnerstagabend untersuchte die Spurensicherung den Tatort.
Noch am Donnerstagabend untersuchte die Spurensicherung den Tatort. Foto: Sebastian Iwersen/dpa
 

Noch am Abend nahmen Kriminalpolizei und Spurensicherung die Ermittlungen auf. Der Ort des Geschehens wurde weiträumig abgesperrt, zudem leuchtete die Feuerwehr den Bereich aus. Zwei Staatsanwälte machten sich ein Bild von der Lage vor Ort. Die Einsatzkräfte bauten ein Zelt rund um den Ort der blutigen Auseinandersetzung auf, um witterungsunabhängig die Spuren sichern zu können.

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erstellt am 05.Dez.2014 | 06:53 Uhr

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