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Kliniken in Nordfriesland : Husum: Millionenspritze für vierten Kreißsaal

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einen regelrechten Baby-Boom erlebt die Husumer Kreis-Klinik, seitdem die Geburtsstationen auf Sylt, Föhr und in Niebüll geschlossen sind. Jetzt wird ein vierter Kreißsaal gebaut.

Husum | Gute Nachrichten für Nordfriesland, und das gleich zuhauf: Das Land beteiligt sich am 48,5 Millionen Euro schweren Zukunftsprogramm des Kreises zur Stärkung der Festlands-Kliniken in Husum und Niebüll. Dies signalisierte Gesundheits-Staatssekretärin Anette Langner am Dienstag im Husumer Kreishaus. Dort überreichte sie einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 1,1 Millionen Euro für den Bau eines vierten Kreißsaals in der Klinik Husum. Diese erlebt nach der Schließung der Geburtsstationen auf Sylt, Föhr und in Niebüll einen regelrechten Baby-Boom. Vorgestellt wurden außerdem Grundzüge des vom Land in Auftrag gegebenen Gutachtens des Hamburger Beratungsunternehmens OptiMedis. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen dazu beitragen, die geburtshilfliche Versorgung vor allem auf den Inseln und Halligen zu verbessern.

Die Botschaft Langners zum Klinik-Konzept – „von der Grundtendenz her liegen wir gar nicht so weit auseinander“ und „Kreis und Land ziehen an einem Strang“ – vernahmen Verantwortliche des Klinikums NF, seines Aufsichtsrates und des Kreises sichtlich gern. „Es ist wichtig, dass klar ist, dass das vom Kreistag vorgeschlagene Konzept auch finanziell vom Land unterfüttert ist“, betonte Landrat Dieter Harrsen mit Hinweis auf den 7. Mai. Denn am Tag der Landtagswahl will der Kreistag die Nordfriesen auch über sein Zukunfts-Konzept für die beiden Kliniken auf dem Festland entscheiden lassen. „Die Chance, in dieser Größenordnung zu investieren, stellt sich nicht so oft“, sagte der Landrat. Er verwies darauf, dass die Geburts-Stationen auf den Inseln aus haftungsrechtlichen Gründen geschlossen worden waren. Und: „Es lohnt nicht zu beklagen, was man verloren hat, sondern man muss danach trachten, aus der jetzigen Situation das Beste zu machen.“

Darüber, und auch über andere Details sprach der Klinikums-Aufsichtsrat anschließend intern mit Anette Langner. Ihre Botschaft: „Auch dem Land liegt daran, das Klinikum NF so gut wie möglich aufzustellen.“

„Wir sind dankbar für die Förderung“, sagte Klinikums-Geschäftsführer Christian von der Becke mit Blick auf den Förderbescheid für den vierten Kreißsaal in Husum. So könne sich das Klinikum besser auf die erhöhte Nachfrage einstellen. 2016 war ein Rekordjahr mit 809 Entbindungen und damit einem Plus von rund 30 Prozent, der größten Steigerungsrate aller Kliniken im Land. Christian von der Becke zeigte sich zudem guter Dinge, dass nicht nur die Qualität gesteigert werden könne, sondern es künftig auch leichter falle, notwendiges Fachpersonal wie Hebammen zu gewinnen. Denn dies hänge auch mit einem attraktiven Arbeitsplatz zusammen.

Staatssekretärin Langner sprach von einem wichtigen Schritt zur Verbesserung der geburtshilflichen Situation in Nordfriesland und zur Stärkung des Standortes. „Der Ausbau der Entbindungsstation in Husum, die Erweiterung der Boarding-Angebote in Husum und Flensburg, die Finanzierung der Hebammen-Rufbereitschaft und gezielte Weiterbildung des Rettungsdienstes sind Teil der konkreten Maßnahmen vor Ort, die wir gemeinsam mit den Akteuren fortsetzen werden“, betonte sie. Oberstes Ziel sei die Sicherheit von Mutter und Kind.

Die Studie der Firma OptiMedis liefert flankierend Vorschläge für weitere Maßnahmen, die gemäß einer Prioritätenliste des Gesundheitsministeriums abgearbeitet werden. Dazu zählen laut Langner neben einer engeren Kooperation von Hebammen, Gynäkologen, Kliniken, Krankenkassen, Kreis und Gemeinden sowie besseren Boarding-Angeboten auch die langfristige Sicherung des Hebammen-Rufs auf Sylt und Föhr. Für zusätzliche Kreißsaal-Kapazitäten wie in Husum oder auch Flensburg sollen 2017 landesweit mehr als sechs Millionen Euro investiert werden.

Außerdem wird seit Kurzem in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein eine spezielle Schulung der Rettungskräfte mittels Geburts- und Neugeborenen-Simulator in einem umgebauten Rettungswagen angeboten. Entsprechende Schulungstermine für den Rettungsdienst in Nordfriesland sind bereits fest gebucht. Auch sollen in Schleswig-Holstein künftig deutlich mehr Hebammen ausgebildet und ein Baby-Notarztwagen in das Rettungsdienstgesetz aufgenommen werden – eine Anschaffung, die Staatssekretärin Langner gestern auch dem Kreis Nordfriesland ans Herz legte.

Um die unerlässliche Vernetzung aller Beteiligten voranzutreiben und eine fundierte Info-Broschüre über das geburtshilfliche Versorgungsangebot in Nordfriesland zu entwickeln, will das Land eine zusätzliche halbe Stelle in der Husumer Kreisverwaltung mitfinanzieren. Nordfrieslands Landrat: „Wir sind dankbar für dieses Angebot.“

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erstellt am 14.Mär.2017 | 19:31 Uhr

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