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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:17 Uhr

Kiel unter : Husum ist Drehort für Grenzkomödie

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Für ihren Debütfilm „Kiel holen“ konnten sich die Jungregisseure Marcel Reimann und Moritz Matzmoor nur einen Drehort in Nordfriesland vorstellen. Am Ende entschieden sie sich für Husum.

An dieser Stelle hüllen sich Marcel Reimann und Moritz Matzmoor in Schweigen: „Wenn Du jetzt schon alles erzählst, kommt ja keiner mehr ins Kino“, fällt Matzmoor seinem Partner mit einem Grinsen ins Wort. Ein bisschen was verraten die Jung-Regisseure dann aber doch: Ihr Debütfilm werde in Husum und Helsinki spielen – mit einem Abstecher nach Kiel.

Apropos Kiel: „Kiel holen“, so der Titel des 90-minütigen Streifens, erzählt die Geschichte eines alten Husumers – dargestellt von Peter Franke, der in „Das Wunder von Bern“ Bundestrainer Sepp Herberger spielte. Broder hat sein Segelboot aus dem Wasser geholt und mit Schrecken bemerkt, dass dessen Kiel kaputt ist. „Das ist ein ganz spezieller Kiel“, berichten die Filmemacher. „Und Ersatz gibt es nur in Finnland.“ Also kapert der schrullige Nordfriese den Traktor eines Kumpels und fährt nach Helsinki.

„Kiel holen“ knüpft an die nautischen Titel von Marcel Reimanns Kurzfilmen an. Die hießen „Fallboe“ oder „Windscherung“ und klangen maritimer als sie waren. Um Missverständnisse erst gar nicht aufkommen zu lassen: Im neuen Streifen wird niemand „kielgeholt“ und wenn, dann allenfalls verbal oder besser noch: non-verbal. Tatsächlich gehe es in ihrem Film um Grenzen, sagen Marcel Reimann und Moritz Matzmoor, die im März ihren Abschluss als Filmregisseure an der Filmschule Köln gemacht haben und: um Grenzüberschreitungen. Im Ergebnis soll eine Art „nordischer Grenzkomödie“ entstehen, bei der allerdings nicht nur nationale Grenzen überschritten werden.

Obwohl sie nicht zu viel verraten wollen, kommen die Filmemacher noch einmal auf den Plot ihres Erstlings zurück. Zum Showdown kommt es in Helsinki, denn just als Broder dort eintrifft, beschließt die EU, eine (freilich fiktive) Nutzfahrzeug-Plakette einzuführen. Broder sitzt fest, mit Trecker – im Land der Hardcore-Sauna-Gänger.

„Kiel holen“ ist auch ein Film über die Grenzen der Kommunikation. Und darüber, wie man sie überwindet. Broder spricht nur Platt. Damit muss er sich sowohl den Finnen als der Bedienung eines Kieler China-Restaurant verständlich machen. Keine leichte Aufgabe, aber wie heißt es so schön: Eine Geste sagt mehr als tausend Worte. Auch das ist eine Botschaft des Films.

Der ist übrigens fast so etwas wie eine Familienangelegenheit: „Unser Budget ist ausgesprochen eng. Ein bisschen Geld aus eigener Tasche, von Oma, Opa und Freunden – das muss reichen.“ An Peter Franke sind sie über die Eltern eines Freundes gekommen: „Die sind im selben Segelclub“, sagt Marcel Reimann. Dem Schauspieler gefiel die ruhige Erzählweise des Films – mit seinen langen, ungeschnittenen Einstellungen. „Ein alter Seebär und rasante Schnitte, das passt auch nicht zusammen.“

Dass für „Kiel holen“ kein anderer Drehort als Husum in Frage kam, ist Moritz Matzmoor zu verdanken. „Ich hatte hier mal eine Freundin. Dadurch kenne ich die Gegend ganz gut.“ Und noch schneller, als die beiden im Flur der Kölner Uni das Gerüst für ihren Film zusammengedacht hatten, war die Entscheidung getroffen, „dass wir den nur hier drehen können. Die Landschaft ist einfach wunderbar“. Ein klassisches Drehbuch gibt es allerdings nicht. „Die Schauspieler sollen am Set improvisieren können.“

Dass sie die drei Drehtage in „Husums besten Privathotel“ (Reimann) verbringen, ist das Ergebnis einschlägiger Kontakte. Wiebke Kruse, die eine Hälfte des Hamburger Musik-Duos „Franz Albers und Käpt’n Kruse“ (FAKK) kennen die Jungregisseure noch aus ihrer Studienzeit. Und ihre Eltern waren es, die das Film-Team kurzerhand bei sich in Husum aufnahmen. Klar, dass FAKK in „Kiel holen“ auch eine Rolle spielt. Welche, wird allerdings nicht verraten. Ende des Jahres soll der Film fertig sein und danach – ja klar – auch hier in Husum gezeigt werden.

Weitere Informationen unter www.malstroemfilm.com.

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erstellt am 14.Jul.2016 | 17:45 Uhr

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