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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 09:04 Uhr

Tourismus : Hoteliers klagen: „Für den Tourismus passiert in Husum nichts“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husum und der Fremdenverkehr: Vermieter und Hoteliers kritisieren zu wenig Engagement der Politik und Verwaltung.

Holger Maaß ist frustriert. Er vermisse in „seinem“ Husum „Engagement, Herzblut, Idealismus“, sagt der pensionierte Leiter der Husumer Bauaufsicht und Vermieter von Ferienwohnungen. Zumindest, wenn es darum geht, dass diese Stadt touristisch nachrüstet, geschehe einfach zu wenig: „Weder die Politik noch die Verwaltung interessieren sich für das Thema. Sie haben dieses Tourismuskonzept beschlossen – jetzt lehnen sie sich zurück und es passiert nichts.“

Mit dieser Meinung steht Maaß nicht alleine da. Karl-Heinz Häuber, Hoteldirektor des Theodor-Storm-Hotels, kann ihm nur beipflichten: „Ideen und Konzepte gibt es in Husum immer viele, die füllen Regalmeter und Schubladen. Doch umgesetzt wird einfach nichts.“ Beispiel Schobüll: Das sei doch Husums Sahnestück – „aber wie sieht es dort aus? Wie saure Sahne!“ Ärgerlich ist aus seiner Sicht auch die Entwicklung am Dockkoog: Da gebe es Ideen für eine innovative Gestaltung, aber die SPD- und CDU-Fraktion würden die einfach so ablehnen. „Der Fraktionsvorsitzende der CDU lehrt Tourismus an der Fachhochschule Westküste – da wundert man sich schon, wo er seine Ideen her nimmt.“ Er betont, dass die Husumer Hoteliers selbst daran arbeiten würden, ihre Häuser attraktiver zu machen. Er erwarte aber von der Stadt, dass sie auch mitziehe.

Generell sei Husum sicherlich reizvoll, habe hübsche Gassen und schöne Museen, so der Hotelier weiter: „Aber damit lockt man doch auch keinen mehr hinter dem Ofen vor. Wir haben Angebote für die Generation 60 plus. Aber kaum etwas für die jüngeren.“ Auch er sieht Politik und Verwaltung in der Pflicht, sich für den Tourismus stärker zu engagieren. „Wenn ich Bürgermeister wäre, würde ich das Thema zur Chefsache erklären.“

Meinhard Schibrath, Inhaber des Thomas-Hotels, bewertet die Lage ähnlich: „Ich glaube manchmal, ich werde es gar nicht mehr miterleben, wenn sich beispielsweise auf dem Dockkoog wirklich mal etwas tut.“

Kulturell sei Husum gut aufgestellt, erklärt Schibrath. „Aber es fehlen uns Angebote, die ein jüngeres Publikum anziehen“, findet auch er und verweist wie viele seiner Berufsgenossen auf St. Peter-Ording als positives Beispiel für einen Ort, der sich verjüngt hat: „Dort boomt es doch ohne Ende.“ Husum brauche weitere Angebote für Familien, die gerade an Schlecht-Wetter-Tagen ziehen.

Etwas differenzierter betrachtet Hans Brodersen vom Hotel Hinrichsen die Lage: „Ich bin nicht der Meinung, dass in Husum grundsätzlich zu wenig für den Tourismus getan wird.“ Sicherlich gebe es das eine oder andere, worüber man sich beklagen könne – doch von Rundumschlägen halte er nichts. Zudem sei Husum halt Husum und müsse mit den Pfunden wuchern, die die Stadt habe: „Einen Sandstrand werden wir hier nicht bekommen.“ Das sei aber auch nicht schlimm – die Gäste, die kämen, würden gerade das kleine, familiäre an Husum schätzen. Wichtig ist allerdings auch ihm, dass einige Angebote ausgebaut, beziehungsweise gehalten werden: „Ein Schwimmbad in Schobüll brauchen wir.“

Als stellvertretender Bürgermeister will Horst Bauer (SPD) die Kritik nicht unkommentiert stehen lassen. Generell ist er schon der Ansicht, dass Politik und Verwaltung den Tourismus nicht vernachlässigen: „Es ist immer leicht, mit dem Finger auf die Stadt zu zeigen. Wir haben eine hohe Sensibilität für das Thema, nur sind viele der Prozesse recht komplex – die dauern ihre Zeit.“ Dass beispielsweise der Weg hin zu einer Lokalen Tourismus-Organisation (LTO) – die braucht es, um beispielsweise Fördermittel für ein neues Schobüller Schwimmbadgelände zu bekommen – ein langwieriger und schwieriger sei, dem stimmt Bauer zu. Das aber lege nicht am guten Willen, sondern daran, dass dabei mehr als 100 Gemeinden aus dem Umland mit eingebunden werden müssen.

In Sachen Dockkoog, kündigt Bauer an, käme Bewegung: SPD und CDU wollen im nächsten Planungsausschuss (9. November) einen Antrag einreichen, der die Verwaltung auffordert, 2017 die Grundlagen für einen B-Plan für das Gelände zu schaffen: „Dort wird es keinen jahrelangen Stillstand mehr geben.“ Generell verweist er auf die Übernachtungszahlen – die seien positiv: „Die Tourismus und Stadtmarketing Husum GmbH macht einen guten Job.“

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erstellt am 31.Okt.2016 | 13:00 Uhr

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