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Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 09:51 Uhr

Seltenes Insekt in Langenhorn : Hornissen beziehen Vogelhäuschen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Im Garten des Langenhorners Uwe Henken hat sich ein Volk der seltenen Insekten niedergelassen.

Weil er normalerweise einen anderen Weg in den Garten wählt, ist Uwe Henken das seltsame Gebilde am Giebel seines Schuppens erst spät aufgefallen: Dort, wo bisher häufig Meisen nisteten, bedeckt vermutlich schon seit Wochen eine löcherige Masse die Wand. Vom einstigen Vogelkasten ist nur noch die Spitze zu sehen, der Rest ist komplett zugekleistert.

Schnell war dem Langenhorner klar, dass es sich hierbei um ein Hornissennest handeln musste, denn genau so ein Gebilde hatte er zwei Jahre zuvor schon einmal weiter vorne im Garten. Damals überwog bei ihm und seiner Frau Hannelene noch die Angst um die dort spielenden Kinder, denn die Hornissen hatten sich ziemlich nah am Wohnhaus niedergelassen. Inzwischen aber wissen sie, dass diese Tiere sehr viel friedliebender sind als Wespen. Und dass keine Gefahr von ihnen ausgeht, solange man genug Abstand zum Amtssitz der Königin hält. Wer sich allerdings nicht daran hält, bekommt von ihren „Soldaten“ unüberhörbar Bescheid: Als Uwe Henken für das Foto näher rangeht und mit dem Stock auf das Nest zeigt, schwärmen die Hornissen in großer Zahl aus. Mit lauten, warnenden Summtönen sorgen sie für seinen umgehenden Rückzug auf sicheres Terrain.

„Ruhig bleiben und Abstand halten, das ist tatsächlich das Beste, was man tun kann“, bestätigt auch Annemarie Matthießen vom Naturzentrum in Bredstedt. Sie bezeichnet es als „große Auszeichnung“ für jeden Gartenbesitzer, wenn sich eine Königin auf seinem Gelände niederlässt. „Hornissen jagen alles, was im Garten herumfliegt und den Gärtner ärgern könnte: Wespen, Fliegen, Nachtfalter, Eichenspinner und diverse Schädlinge“, zählt sie die Vorteile auf. Und: „Anders als Wespen interessieren sie sich überhaupt nicht für uns oder den Pflaumenkuchen auf dem Gartentisch, denn Hornissen sind reine Fleischfresser“, so die Expertin. Ein Stich sei dabei nicht gefährlicher als ein Wespen- oder Bienenstich, werde aber als schmerzhafter empfunden. „Hornissen sind streng geschützt: Das Töten ist ebenso verboten, wie das Zerstören des Nestes“, betont Annemarie Matthießen.

Wie es zu dem Nest bei Uwe Henken kommen konnte, erklärt sich so: Wenn eine im Herbst geborene und begattete Jungkönigin im Mai aus dem Winterschlaf erwacht, sucht sie sich einen geeigneten Platz für die Eiablage. Nistkästen sind da relativ oft ihre erste Wahl. Nach wenigen Tagen schlüpfen die ersten Arbeiterinnen. Während ihre Majestät weiterhin mit der Eiablage beschäftigt ist, bauen ihre Damen das Nest immer weiter aus. Die Waben entstehen dabei aus mit Speichel vermengten Holzfasern, die kunstvoll aufgeschichtet an Pappmaché erinnern.

Sobald das Volk in der Regel bis Mitte September auf mehrere hundert Tiere angewachsen ist, legt die Königin nur noch Eier ab, aus denen Jungköniginnen und Männchen (Drohnen) schlüpfen. Mit ihrer Paarung kündigt sich der Untergang des Staates an, denn nun wird die alte Königin nicht mehr richtig versorgt. Sie verlässt das Nest und stirbt ebenso wie der Rest ihres Volkes. Lediglich die Jungköniginnen verkriechen sich an einem sicheren Ort, um im nächsten Jahr einen neuen Staat gründen zu können. Da sie das alte Nest nicht wieder besiedeln werden, kann Uwe Henken den Nistkasten im Winter herunternehmen und ihn nach gründlicher Säuberung wieder seinem ursprünglichen Zweck zuführen. Wann für ihn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, sagt Annemarie Matthießen: „Sobald das Nest zerfällt und sich langsam auflöst, kann man sich an die Arbeit machen.“






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