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Husumer Nachrichten

04. Dezember 2016 | 15:21 Uhr

Modellflugtag in Bordelum : Himmelsstürmer mit Fernbedienung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Doppeldecker, Jagdflieger und Oldtimer hoben beim Modellflugtag in Bordelum ab. 40 Teilnehmer aus Schleswig-Holstein und Hamburg präsentierten ihre selbst gebauten Flugzeuge.

„Fliegt sie oder fliegt sie nicht? Wenn ja, kommt sie auch wieder heil auf den Boden zurück?“ – Fragen, die dem Hamburger IT-Experten Matthias Knörich durch den Kopf gehen. Auch wenn er schon 15 Jahre Erfahrungen im Modellflugzeugbau hat, ist der Jungfernflug seiner Unikate immer besonders spannend. In wenigen Minuten will er wieder einmal auf dem Modellflugplatz in Bordelum starten. Der begeisterte Hobby-Modellflugzeugbauer und -pilot ist einer von 40, der zu den vierten Modellflugtagen der Modellfluggruppe (MFG) Leck angereist ist. Er ist Mitglied im Modellsportclub Hamburg. Mit dessen Vorsitzenden Norbert Trost und weiteren Freiwilligen unterstützt er den befreundeten Verein in Nordfriesland tatkräftig.

Startklar ist seine neue Maschine, eine knallrote „Stison SR – 1“, bereits. Sohnemann Julian (6) ist bereits mit dem Modellbau-Virus angesteckt. Voller Spannung wartet auch er auf den ersten Einsatz des neuen Fliegers. Aus Balsa-Holz hat ihn sein Vater nach einer Bauanleitung hergestellt. Das Modell verfüge über grundsätzlich gute Flugeigenschaften und lasse sich gut lenken. So stehe es zumindest, so Knörich, in der Anleitung. „Für mich ist das Bauen Ausgleich zum Beruf, und Fliegen ist eine Herausforderung. Jeder Flug ist anders“, so der Hamburger. Zielstrebig nimmt er die Fernbedienung in die Hand, macht Feinabstimmungen des Höhen- und Seitenruders. Nach einer letzten Sichtprüfung durch Vereinskollegen Trost geht es los. Vorsichtig lässt Knörich seine Konstruktion in den diesigen Bordelumer Himmel aufsteigen. Alle Funktionen testet er aus und wagt sogar rasante Manöver. Sein Lächeln verrät: Alles ist gut. Nach fünf Minuten ist das rote Fluggerät wieder auf dem Boden. Die Zuschauer applaudieren.

„Ich bin oft bei solchen Modellflugtagen“, verrät der Flensburger Norbert Hansen. Vielleicht werde er mutig sein und sich von einem der erfahrenen Hobbypiloten in diese Kunst einweisen lassen. Er habe viel Respekt davor, denn die Modelle seien ja nicht ganz billig. Peter Hansen aus Ladelund beruhigt ihn. „Das lernen sie schnell. Sie fangen ja sowieso nicht mit den teuersten und aufwendigsten Modellen an“, ergänzt er. Er selbst ist seit 2006 in dem Lecker Verein. Schon als Schuljunge habe ihn das Modellfliegen fasziniert. Er habe sich einen Traum erfüllt. Oft sei er auf der vereinseigenen Anlage in Bordelum, um zu fliegen. Er selbst bevorzuge einfache Modelle. Selbst das Auftanken mit Kerosin mache er noch mit einer handbetriebenen Pumpe. „Wir sind alle eine große Familie. Das gute Miteinander schätze ich sehr“, berichtet er. Schlag auf Schlag geht es weiter. Zum Einsatz kommen Flugzeuge mit Elektro-, Benzin- oder Turbinenantrieb.

Einige Besucher nutzen das Angebot, unter Anleitung eines Piloten im „Lehrer-Schülerbetrieb“ selbst eines der Modelle zu steuern. „Das ist gar nicht so schwer“, stellt Marvin Paulsen aus Niebüll fest. Passieren kann nichts, denn der Lehrer kann jederzeit eingreifen. Beide Bedienungseinheiten sind per Kabel aneinander gekoppelt. „Ich bringe bei den Anfängern das Flugzeug erst mal nach oben, bevor der Schüler übernimmt. Dabei kann er in Ruhe ein Gefühl für das Fliegen bekommen, bevor wir das Landen und Starten üben“, erklärt der Vorsitzende des MFG Leck, Günther Lönne. Was ihm im Verein fehle, seien junge Leute. Dabei könnten diese für wenig Geld aktiv sein. Sie lernen nicht nur Fliegen, sondern auch das Bauen. Sowas sei allemal besser, als vor Bildschirmen oder dem Smartphone zu agieren. Sein neuestes Modell ist eine von ihm gebaute „Dornier Mercur“ aus Holz mit einem 13 Kubikmeter großen Vier-Takt-Motor. Das Flugzeug habe die Lufthansa erstmals im Jahre 1926 im Einsatz gehabt.

Der Rentner Herbert Försterling aus Bredstedt schiebt seine „Beriol“ – ein Flugzeug, das im ersten Weltkrieg eingesetzt wurde – auf die Startbahn. Gebaut hat er es aus Sperrholz. Seit 1987 ist er wieder aktiv, denn schon als Jugendlicher hatte er das Modellfliegen für sich entdeckt. Als Ausgleich zum Job als Koch sieht Heiko Mast aus Garding sein Hobby an, dem er seit 40 Jahren treu ist. Selbst etwas zu schaffen, reize ihn. Sein polnisches Agrarflugzeug, eine Wilga-35 PZL, will er noch in die Luft bringen.

„Ich bin begeistert. Ich wusste gar nicht, dass es hier einen so schönen Modellflugplatz gibt“, sagte der Husumer Friedrich Magnussen.

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