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Husumer Nachrichten

02. Dezember 2016 | 21:11 Uhr

St. Peter-Ording : Hilferufe aus dem Wattenmeer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Immer wieder geraten Spaziergänger am Strand von St. Peter-Ording in Not, wenn sie Nebel und Flut unterschätzen. Allein in der vergangenen Woche mussten die Rettungskräfte vier Mal ausrücken.

Touristen, die beim Strandspaziergang vom auflaufenden Wasser überrascht und eingeschlossen werden. Kiter, die nicht mehr an Land kommen, oder Spaziergänger, die im Nebel die Orientierung verlieren. Solche Fälle häuften sich in den vergangenen Wochen am Strand von St. Peter-Ording. Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) vermerkte allein vier Einsätze in der vergangenen Woche, der letzte noch am Wochenende. Auch die Tourismus-Zentrale des Badeorts, die normalerweise nur Themen mit schönen Fotos auf ihrer Facebook-Seite postet, mahnt derzeit zur Vorsicht bei Strandspaziergängen.

Laut der Statistik ist die Zahl der Einsätze in diesem Jahr aber nicht höher als gewöhnlich. „Wenn ich auf die vergangenen zehn Jahre zurückblicke, gab es schon immer Kite- oder Windsurfer in Not oder Nebeleinsätze“, sagt Norbert Bies, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr St. Peter-Ording. Nils Stauch, Technischer Leiter Einsatz der DLRG im Badeort, stimmt zu: „Die Fälle kommen momentan gesammelt vor – sind aber nicht mehr als im vorigen Jahr.“ Deshalb versuche man zurzeit möglichst viel Prävention zu betreiben. Gemeinsam mit der Tourismus-Zentrale macht die DLRG auf den Gezeitenkalender und die Gefahren aufmerksam.

Laut Bies kommen allerdings vermehrt Notrufe von Nicht-Beteiligten vor, die der Meinung sind, andere Menschen seien in Gefahr. Anfang November habe es beispielsweise einen Fehlalarm gegeben. Passanten hatten zwei Menschen auf der Sandbank entdeckt und geglaubt, diese befänden sich in Not. Daraufhin riefen sie die 112 an. Ein Mitarbeiter der Tourismus-Zentrale befand sich gerade auf der Sandbank und fuhr mit seinem Traktor zu den betroffenen Personen, während DLRG, Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei am Südstrand bereit standen. Wie sich herausstellte, waren die Spaziergänger gar nicht in Gefahr.

„Ein solcher Fehlalarm läuft in der Kategorie Alarmierung im guten Glauben. Den Anrufern ist kein Vorwurf zu machen“, sagt Bies. Im Gegenteil, die Menschen sollten auf jeden Fall den Notruf wählen, wenn ihnen die Situation nicht geheuer ist. „Bei beiden Einsätzen am vergangenen Wochenende haben Spaziergänger Hilferufe gehört und daraufhin Alarm geschlagen.“ Nils Stauch lobt sie für ihr weiteres Verhalten: „Die Anrufer sind an der Position stehen geblieben und haben die Einsatzkräfte eingewiesen. Das erleichtert uns die Arbeit, und so verlieren wir keine Zeit.“

Gerade bei Wassertemperaturen von sechs Grad Celsius derzeit könne die Situation schnell lebensgefährlich werden. Das zeigte der Fall am Sonntag. Die junge Urlauberin wurde stark unterkühlt und entkräftet aus dem Wattenmeer gerettet, in dem sie mehr als vier Stunden lang umher geirrt war.

„Ich würde grundsätzlich jedem ans Herz legen, sich nicht gedankenlos dem Strand zu nähern“, sagt Stauch. Vor einem Spaziergang sollte man sich bei der Tourismus-Zentrale informieren oder in den Gezeitenkalender schauen. „Man sollte nicht sorglos sein. Die Natur kann zur Gefahr werden.“ Der Nebel sehe schön aus, bis der Spaziergänger die Orientierung darin verliere. Gerade das sei auf der zwölf Kilometer langen und zwei Kilometer breiten Sandbank gefährlich.

Die Anzahl der Einsatzkräfte und -fahrzeuge ist ganz verschieden. „Es hängt von der Jahres- und Tageszeit ab“, erklärt Bies. Tagsüber werden im Sommer die Alarmierungen von den Rettungskräften der Tourismus-Zentrale abgearbeitet. Außerhalb deren Dienstzeiten seien DLRG, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst dran, so Bies. Sie alle seien sich dabei der Risiken für die eigene Person bewusst. „Nach einer im Watt eingesackten Person zu suchen oder bei Starkwind auf der See herumzufahren, ist auch für uns nicht ohne Gefahr– trotzdem machen wir es“, sagt der Wehrführer. „Aber wir sorgen für den bestmöglichen Schutz. Dafür investieren wir jedes Jahr in die Schutzausrüstung und Ausbildung unserer Leute“, erklärt Stauch. Wie teuer ein Einsatz ist, sei schwierig zu sagen. „Jeder ist individuell. Es hängt von der Anzahl der Rettungskräfte und Fahrzeuge ab.“ Der Betroffene müsse nichts dafür bezahlen. Natürlich freuen sich Feuerwehr und DLRG über eine Spende. Denn für beide Gruppen fallen natürlich trotzdem Betriebskosten an. Diese werden größtenteils aus Mitgliedsbeiträgen und eben Spenden bezahlt.

Wie kommt es, dass Menschen immer wieder an der Westküste in Not geraten? „Es gibt zwei Gründe“, sagt Bies. „Einmal der schnelle Wetterumschwung: Spaziergänger werden vom Nebel überrascht.“ Zweitens: Unvernunft. Manche Menschen gingen bei Nebel und Dunkelheit am Strand spazieren. Das bedeute nicht, dass ein Strandspaziergang bei schlechter Sicht verboten sei. „Aber man sollte in Sichtweite der Pfahlbauten bleiben. Dann findet man den Rückweg“, rät der Wehrführer. „Wir bitten Vermieter von Unterkünften, insbesondere neue Gäste auf die Gefahren hinzuweisen und ihnen den Gezeitenkalender auszuhändigen.“

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