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Husumer Nachrichten

02. Dezember 2016 | 19:19 Uhr

Der Husumer Viehmarkt : Handelsware auf vier Beinen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Geschäft mit Rindern und Schafen hat in Husum Tradition: Einst gab es hier einen der bedeutendsten Viehmärkte Europas. Und auch die heutigen Schafbock-Auktionen in der Storm-Stadt haben internationales Niveau.

Was sich in Husum verändert – und was nicht. In loser Folge beschäftigen sich die Husumer Nachrichten in dieser Serie damit, wo sich in der Storm-Stadt etwas tut und mit welchen Baustellen sich die Husumer seit Jahren beschäftigen. Diesmal werfen wir einen Blick auf den ehemaligen Viehmarkt.

 

Kleine Stadt ganz groß: Die Anbindung Husums an die Marschbahn im Jahr 1887 gab den Startschuss für den Bau einer Anlage, die – am Ende der Neustadt und an der Marktstraße gelegen – in der Folge einen der größten Viehmärkte Nordeuropas beherbergen sollte. Es entstand ein Markt, der 5000 Rinder und 2000 Schafe aufnehmen konnte und eine direkte Verladung in die Eisenbahn erlaubte. Von hier aus traten die Tiere ihre Reise nach Süden über Hamburg hinaus zu den Hauptabnehmern an, die an Rhein und Ruhr sowie in Berlin und Mannheim saßen.

1910 erreichten die Verkaufszahlen ihren Höhepunkt mit 20.000 Tieren Mager- und 79.000 Weidefettvieh sowie 5000 Mager- und 14.000 fetten Schafen. Das ergab einen Gesamtertrag von stolzen 45 Millionen Goldmark.

Zusätzlich zum Viehmarkt an der Neustadt gab es donnerstags noch den Ferkelmarkt am Zingel. 1912 wurde die Modernisierung der dortigen Markthalle beschlossen. Pro Markt wurden 300 bis 400 Ferkel aufgetrieben. Diese Zahl blieb bis 1974 konstant – auch nachdem der Ferkelmarkt 1953 in die neue Nordseehalle am Wasserturm umgezogen war. Diese Mehrzweckhalle war ein ehemaliger Flugzeug-Hangar und diente auch als Ort für viele andere Veranstaltungen.

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen tiefen Einschnitt für den Viehhandel. Zunächst einmal wurde der Fettviehmarkt der Zwangsbewirtschaftung durch den Schleswig-Holsteinischen Viehhandelsverband unterstellt. Und als sich die Verhältnisse ab 1920 langsam normalisierten, waren die Auftriebszahlen um die Hälfte eingebrochen. Grund waren die Abtretung Nordschleswigs an Dänemark und der Beginn der Inflation. Ende Oktober 1923 war der Preis für ein Schlachtrind auf bis zu 9,5 Milliarden Mark gestiegen. Mit Einführung der Rentenmark im Herbst 1924 stabilisierten sich die Preise wieder, bis es 1931 durch die Weltwirtschaftskrise zu einem starken Preisverfall kam. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde der Husumer Viehmarkt der zentralen Lenkung in Berlin unterstellt und zum Großviehmarkt erklärt. Damit war er in ganz Deutschland maßgeblich.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Beschickung rückläufig und erreichte 1948 mit 12.000 Rindern den tiefsten Stand seit Bestehen des Marktes. Eine große Weidemastvieh-Ausstellung sorgte 1950 noch einmal für eine Trendwende. Die folgenden Auftriebszahlen von 20.000 Rindern hielten sich bis Mitte der 1960er Jahre, bevor sich 1966 mit einem rapiden Rückgang das Ende des Viehmarktes abzeichnete. 1968 wurden nur noch 10.000 Rinder gehandelt, und im Folgejahr vollzog sich schon fast der gesamte Weideabtrieb am Viehmarkt vorbei. Der Transport von Lebendvieh mit der Bahn war viel teurer als der Totversand des Fleisches – jetzt kamen die Schlachthöfe zum Zug. Im November 1970 läutete die Viehmarktglocke zum allerletzten Mal.

Die Nordseehalle ist längst abgerissen, hier steht seit 2008 eine Wohnanlage des Deutschen Roten Kreuzes. In der früheren Ferkelhalle am Zingel residiert das Sozialzentrum Husum und Umland. Und Schafbock-Auktionen finden nun in der neuen Messehalle statt. Sie führen die alte Tradition allerdings würdig weiter: Diese Auktionen in Husum gelten als größte ihrer Art auf dem europäischen Festland und zugleich als größte Viehmärkte bundesweit.

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erstellt am 25.Aug.2016 | 09:00 Uhr

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