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Husumer Nachrichten

30. April 2017 | 11:09 Uhr

Getümmel aus Protest und zum Spaß

vom

An der Theodor-Storm-Schule gab es einen Schüler-Flashmob gegen das Medienverbot / Die Hafentagen erzielten neue Besucher-Rekorde

Husum | Sturm im Wasserglas oder ausgewachsene Revolte? Zumindest schlug das sogenannte Medienverbot an der Theodor-Storm-Schule (TSS) in diesem Jahr hohe Wellen, deren Ausläufer sogar das Kultusministerium in Kiel streiften.

Doch der Reihe nach. Ein Flashmob - das ist ein spontan organisierter Menschenauflauf - zerrte im Februar scheinbar Unerhörtes ans Licht der Öffentlichkeit: Die Schüler fühlten sich durch höhere Order in ihrer Lehranstalt vom realen Leben abgekoppelt. Kein schnelles Handy-Telefonat in der Pause, keine SMS, nicht mal Musik hören per iPod beim Büffeln in der Freistunde - an der TSS war (und ist) die Nutzung jeglicher elektronischer Medien verboten, und zwar nicht nur im Gebäude selbst, sondern auf fast dem ganzen Gelände. Nur ein kleiner, eng begrenzter Raum steht dafür zur Verfügung - und das auch nur zu sehr eingeschränkten Zeiten. Die Mehrheit von Lehrern und Eltern wollte es so.

Geht gar nicht, befanden die Schüler der TSS, und sorgten mit diversen Protestaktionen dafür, dass die "mediale Rückständigkeit" zum Thema außerhalb der Schulmauern wurde. Schließlich gab es nebenan mit der Hermann-Tast-Schule ein zweites Gymnasium, das Handy-Nutzungsregeln weitaus offener und praktischer handhabte - und dessen Schüler sich sicher waren, dass sie bei Nutzungseinschränkungen wie in der TSS auch sofort auf die Barrikaden klettern würden.

Wind bekam dann auch der Chaos-Computer-Club (CCC) von der medialen Austrocknung. Der CCC, der es sich unter anderem auf die Fahnen geschrieben hat, im Rahmen seines Projektes "Chaos macht Schule" für mehr Medienkompetenz an bundesdeutschen Bildungseinrichtungen zu sorgen, reagierte mit einem offenen Brief an Eltern, Lehrer, Schulleitung - und gleich auch noch an die Kieler Kultusministerin Waltraud Wende. Das gab zwar einen schönen Nachhall, allerdings war der Knalleffekt etwas künstlich verstärkt worden: "Dass hier nie drüber geredet wurde, wie in dem Brief angeführt, stimmt ja nun nicht, und eigentlich passt ja auch der Begriff ,Medienverbot nicht perfekt", musste die Schülervertretung einräumen. Gleichwohl sei das Wort "Medienverbot" aber so griffig, dass man es als "Kampfbegriff" weiterverwendet habe - obwohl die ursprünglichen Beschränkungen schon gelockert worden seien.

Und so gesprächsabweisend, wie sie der CCC darstellte, war auch die Schulleitung nicht: "Ganz im Gegenteil würde ich eine Podiumsdiskussion zu dem Thema sehr begrüßen", ließ Schulleiterin Sibylle Karschin wissen. Nur vor den Sommerferien sei einfach zu wenig Zeit zur Vorbereitung gewesen.

Die fand sich dafür nach den Herbstferien. Unter der Leitung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit debattierten Lehrer, Schüler, Eltern und Experten über das Thema - mit dem wenig erstaunlichen Ergebnis, dass a) das Internet voller Chancen, aber auch voller Gefahren ist, b) der Nachwuchs von der Materie viel mehr versteht als die Älteren und c) die Medien-Beschränkung von den Schülern weiterhin als doof empfunden wird. Also wie gehabt: Fortsetzung folgt . . .

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erstellt am 31.Dez.2012 | 03:59 Uhr

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