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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 14:44 Uhr

Husum und die Spezialpioniere : Geschenke für Soldaten im fernen Afrika

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Besondere Weihnachtsgrüße der Stadt Husum werden nach Mali geflogen. Für Angehörige der Spezialpioniere ist die Familienbetreuungsstelle eine wichtige Einrichtung.

Das Banner der Familienbetreuungsstelle Husum taugt für Auslandseinsätze: Es ist staub- und wasserfest und wird mit der nächsten Feldpost nach Mali geschickt. „Wir denken an euch“ – diese Botschaft haben der Kommandeur des Spezialpionierregiments 164 „Nordfriesland“, Oberst Thomas Groeters, weitere Regimentsangehörige sowie Bürgermeister Uwe Schmitz und Bürgervorsteher Peter Empen mit ihren Unterschriften auf dem Transparent besiegelt. „Die Patenschaft mit dem Regiment besteht nicht nur auf dem Papier. Auch die Soldaten sind unsere Bürger“, betont Schmitz.

Der Termin mit dem Kommandeur sowie Hauptmann Steffen Bott, Oberstabsfeldwebel Andreas Ehrlich und Stabsfeldwebel Ralf Thomsen findet im Rathaus statt. Dort überreichen Schmitz und Empen einen Brief mit Weihnachtsgrüßen und einen Geschenkkorb, gefüllt mit nordfriesischen Spezialitäten und Fotobüchern mit Husum-Motiven: Beides gehört nun ebenfalls zur Feldpost aus der Heimat, die vor dem Fest in dem westafrikanischen Land eintreffen soll.

Im Norden Malis sind rund 30 Soldaten – darunter auch eine Soldatin – aus drei Kompanien des Regiments im Einsatz. Sie unterstützen die 2013 von der Uno ins Leben gerufene Multidimensionale Integrierte Stabilisierungsmission (Minusma) – seit Jahresanfang beteiligen sich die Deutschen gemeinsam mit den Holländern an diesem Auftrag. Durch ein Mandat des Bundestages darf das deutsche Kontingent in Mali bis zu 650 Köpfe umfassen – aktuell sind es rund 540 – stationiert unter anderem im Camp Castor in der Region Gao.

„Unser Auftrag in Mali – als die einzigen Spezialpioniere der Bundeswehr – ist es, die Unterkünfte aufzubauen. Es sind Container, die Schutz gegen Raketenangriffe bieten“, erklärt Oberstabsfeldwebel Ehrlich. „Wir bauen aus dem Nichts eine Stadt auf.“ Dazu kommen Tagestemperaturen von fast 50 Grad Celsius – nachts bleiben es immer noch um die 30 Grad – , eine Regenzeit von Juni bis Oktober und die Notwendigkeit, trotz harter Arbeit auf Skorpione und Schlangen zu achten. „Wir haben für jeden Fachbereich einen Experten – vom Maurer bis zum Tischler.“

Dauernd wachsam zu bleiben, ist eine zusätzliche Anstrengung für alle. Der 52-Jährige betont: „Niemals darf bei Auslandseinsätzen Routine einkehren. Dreimal passiert nichts, aber vielleicht beim vierten Mal .  .  .“ Und dann wäre da noch die Nähe zu den anderen – 24 Stunden am Tag miteinander auskommen zu müssen, ist eine Herausforderung. „In einem Camp kann man sich aber nicht aus dem Weg gehen. Wer seine Ruhe haben möchte, treibt Sport oder schaut sich einen Film an.“

Im Januar wird das Personal nach einem Rotationsverfahren abgelöst: Dann haben alle ein halbes Jahr im Ausland hinter sich. „Eine lange Zeit.“ Üblich seien vier Monate, erklärt Thomas Groeters. „Im Moment ist es eher ruhig, was unsere Sicherheitslage betrifft.“

Der Kommandeur hebt in seinem Dank an die Stadt hervor, dass gerade an einem „sensiblen Termin“ wie Weihnachten jede Karte und jedes Präsent zähle und „wohl aufgenommen“ werde. 14 Tage sind alle Pakete, Karten und Briefe aus dem Norden unterwegs – dafür hebt extra ein Bundeswehr-Flugzeug ab.

Oberst Groeters weiß, dass sich am 24. Dezember alle in ihr Tagesgeschäft flüchten, um nicht zu intensiv an die Heimat und die Lieben Zuhause zu denken. Am Nachmittag werde es wohl Kaffee geben – und vielleicht werde ein Weihnachtslied angestimmt. Und zum Glück ist es möglich, aus dem Camp zu skypen.

In weiteren Päckchen aus Husum werden sich auch von Kindern und Müttern selbst gebackene Plätzchen, Weihnachtsbasteleien und selbst gezogene Kerzen befinden. Alles ist am vergangenen Sonnabend auf Einladung der Familienbetreuungsstelle Husum – einer von insgesamt 50 in Deutschland – entstanden. Diese Einrichtung bei den Spezialpionieren leitet seit 2013 Ralf Thomsen (52) für alle Bundeswehreinheiten an der Westküste – in Husum ist neben den Spezialpionieren noch das Flugabwehrraketengeschwader 1 stationiert. Zurzeit begleitet der Stabsfeldwebel rund 80 Familien. Sie haben sich bei ihm angemeldet – vor allem, um auf dem Laufenden zu sein, was im Einsatz passiert. „Wird ein Soldat verletzt, organisieren wir sofort den Informationsfluss oder sogar einen Kontakt nach Hause“, berichtet Thomsen. Bei einem Todesfall ist er natürlich besonders gefordert und kümmert sich unter anderem darum, dass ein Seelsorger die Familie besucht.

Einmal im Monat werden über die Familienbetreuungsstelle Veranstaltungen organisiert. „Dann können sich alle kennenlernen und austauschen. So sind schon viele Freundschaften entstanden.“ Was es bedeutet, einen geliebten Menschen in Lebensgefahr zu wissen, können die, die es selbst aushalten müssen, sicherlich am besten nachvollziehen. Angehörige leben während der Einsätze mit Angst und der alleinigen Verantwortung für den Alltag zu Hause.

„Wir beraten, betreuen und informieren“, bringt es Thomsen auf den Punkt. Dass er sogar angerufen wird, wenn die Waschmaschine kaputt ist, bringt ihn nicht aus der Fassung: Er hilft weiter – ebenso, wenn eine Kinderbetreuung fehlt. „Unsere Soldaten kommen aus ganz Deutschland. Wird jemand aus Bayern nach Nordfriesland versetzt, hat die Familie hier noch kein Netzwerk – da springen wir dann gern ein.“

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erstellt am 25.Nov.2016 | 15:00 Uhr

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