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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 11:40 Uhr

Schöffengericht Husum : Geringe Intelligenz schützt nicht vor Strafe

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Angestiftet zum Feuerlegen oder nicht? Ein Prozess brachte Klarheit.

Sein Freispruch vor dem Schöffengericht Husum hat einen 26 Jahre alten Mann seinem Berufsziel möglicherweise ein gutes Stück näher gebracht. Der zeitweilige Warenhausdetektiv, Diskotheken-Mitarbeiter und Taxifahrer aus Nordfriesland will Polizeibeamter werden, doch ein Brand auf dem Gelände der Husumer Werkstätten hatte seine Pläne über eineinhalb Jahre lang zunichte gemacht: Als in der Nacht zum 24. Januar 2015 Flammen von einem brennenden Altpapiercontainer auf vier Garagen und eine Lagerhalle übersprangen und dabei 25.000 Euro Schaden entstanden, war der Angeklagte in den Verdacht geraten, er habe den eigentlichen Täter angestiftet. Nachdem der Vorwurf jetzt rechtskräftig vom Tisch ist, hofft der zuvor Angeklagte auf eine berufliche Chance im Polizeidienst.

Der zweite Angeklagte, der jetzt in einem Heim für betreutes Wohnen lebt, hatte sich in Husum mit dem heute 26-Jährigen angefreundet. Der hatte ihn mit seinem Auto öfters auf nächtliche Spritztouren durch Husum mitgenommen oder zur Diskothek gefahren. Wie die Beweisaufnahme ergab, litt der in Sibirien geborene junge Deutsche unter einer – wie es hieß – „Intelligenz-Minderung“, sagte nach Angaben seiner Eltern und Betreuer mitunter Dinge, die nicht stimmten, und neigte zu Aggressionsausbrüchen, wenn er Alkohol getrunken hatte.

In der Nacht der Brandstiftung hatte er sich nach einer Party von seinem damaligen Freund abholen und zu einer Diskothek fahren lassen und stieg später auf der Rückfahrt in der Nähe des Tatortes alleine aus. Als kurz darauf erst ein Altpapiercontainer und dann Garagen und Lagerhalle brannten, gab der Täter bei der Polizei zwar zu, dass er den „Papierkorb“ angesteckt habe; allerdings habe er selbst das nicht gewollt, sondern sei dazu von seinem Freund angestiftet worden. Außerdem habe er nicht damit gerechnet, dass das Feuer von dem „Papierkorb“ auf die Gebäude direkt dahinter überspringen würde.

Nach Überzeugung des Gerichts war der Mann nicht von seinem damaligen Freund und jetzigen Mitangeklagten zu der Brandlegung angestiftet worden, sondern hatte sich aufgrund seiner Intelligenz-Minderung und unter Alkoholeinfluss an dem „Papierkorb“ abreagieren und dabei nicht auch die Garagen und die Lagerhalle in Brand stecken wollen. Da das Anstecken eines Papiercontainers strafrechtlich keine vorsätzliche Brandstiftung darstellt, wurde er nicht wegen vorsätzlicher, sondern nur wegen fahrlässiger Brandstiftung und Sachbeschädigung schuldig gesprochen. Dafür verurteilte ihn das Schöffengericht zu einer Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen á zehn Euro; dies allerdings unter Vorbehalt: Wenn sich der Verurteilte zwei Jahre lang nichts mehr zuschulden kommen lässt, muss er die 600 Euro Geldstrafe nicht bezahlen.

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