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Husumer Nachrichten

29. Juni 2016 | 09:24 Uhr

Kontrollen in Zivil : Geduld ist für Polizisten Pflicht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Zur Einbruchsserie in Husum und Umgebung wird in alle Richtungen ermittelt. Diese Thema bildet einen Schwerpunkt der örtlichen Polizeiarbeit. Damit verbunden sind vermehrte nächtliche Kontrollfahrten – auch in zivil.

Im Schein der Straßenlaterne bewegt sich ein dunkler Lieferwagen über das holprige Kopfsteinpflaster. Die Seitenscheiben sind von innen mit undurchsichtiger Folie beklebt. Die Polizeibeamten merken auf. Einer gibt das Kennzeichen des Vans per Mobiltelefon an die Einsatzleitstelle durch: „Könnt ihr das mal überprüfen?“ Sein Kollege wartet einen Moment, dann startet er den Motor des Zivilfahrzeugs und nimmt in gemessenem Abstand die Verfolgung auf.

Die Aktion ist Teil eines groß angelegten Polizeieinsatzes in Husum und Umgebung. Es geht um „WED“-Delikte. Damit ist jene Serie von „Wohnungseinbruchsdiebstählen“ (WED) gemeint, die Kriminal- und Schutzpolizei seit Monaten in Atem hält (wir berichteten). Vom Einsatz, an dem auch auswärtige Kräfte mitwirken und der sowohl mit Dienstwagen als auch mit zivilen Pkw gefahren wird, erhofft sich das Team vor allem eines: Erfolg. Endlich einmal einen Täter auf frischer Tat ertappen und dingfest machen – das wär’s.

Nachmittags: 14 Uhr. In den Räumen der früheren Leitstelle – im Obergeschoss der Polizeistation Husum – treffen sich etwa 15 Beamte zur Einsatzbesprechung. Wenn alles nach Plan läuft, sollen am Abend und in der Nacht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Zum einen will die Kripo versuchen, jenen Tätern auf die Schliche zu kommen, die Haus- und Wohnungseigentümer seit Monaten in Angst und Schrecken versetzen. Zum anderen einer Gruppe von Rasern auf den Zahl fühlen, die Gelegentlich sogar Rennen veranstalten (wir berichteten).

Die WED-Ermittlungen gehen in alle Richtungen. „Das liegt daran, dass wir es mit ganz unterschiedlichen Täter-Profilen und Herangehensweisen zu tun haben“, erläutert ein Beamter. „Was auf unterschiedliche Tätergruppen schließen lässt“, ergänzt der Einsatzleiter, während er Papiere verteilt und die Kollegen ihren jeweiligen Partnern beziehungsweise Fahrzeugen zuordnet.

Die Beamten machen sich mit Daten und Aufenthaltsorten von Personen vertraut, die mit den Einbrüchen in Zusammenhang stehen könnten. „Örtliche Größen“ werden dabei ebenso ins Visier genommen wie potenzielle Bandenkriminelle aus Osteuropa. Grundlage sämtlicher Ermittlungen bildet ein einheitliches Fahndungs- und Ermittlungskonzept.

Zurück auf der Straße: Der Funkverkehr zwischen den Einsatzfahrzeugen ist rege. Einer Zivilstreife sind zwei junge Männer aufgefallen, die von einem Gewerbegrundstück kommen – allerdings nicht über die Zufahrt, sondern über den Rasen. Die Beamten stoppen das Duo, das wohl tatsächlich nur eine Abkürzung genommen hat. Auch der verwegen aussehende Lieferwagen stellt sich als harmlos heraus. Seine Fahrt endet auf dem Parkplatz eines Baumarktes. „Im Fernsehen sieht das anders aus“, sagt einer der Kripo-Beamten. „Tatsächlich jedoch besteht unsere Arbeit zum größten Teil aus Warten und Beobachten.“ Seit Monaten sind Einbruchsdiebstähle ein Schwerpunkt der Polizeiarbeit in Husum und Umgebung, wo sich die Zahl solcher Delikte gegenüber 2014 mehr als verzweieinhalbfacht hat. Die Täter sind gut organisiert. Wenn sie kontrolliert würden, sei das Diebesgut meist schon verteilt, sodass ihnen nichts nachgewiesen werden könne, berichten die Kripo-Beamten. Ihre Unzufriedenheit ist spürbar.

Auch Zeugen meldeten sich oft zu spät, sagen sie. Kürzlich hatte der Bewohner eines Hauses um 3 Uhr nachts dunkle Gestalten auf seinem Grundstück entdeckt und sich einfach wieder hingelegt. Die Polizei benachrichtigte er am anderen Morgen. „Dann haben wir natürlich keine Chance mehr.“

Solche nächtlichen Streifen seien ein zeit- und personalintensives Geschäft, erklärt der Leiter der Kriminalpolizeistelle Husum, Sven Knies. Außerdem sei es illusorisch davon auszugehen, dass sie sofort von Erfolg gekrönt seien. Beobachtungen – ganz gleich ob von Zeugen oder den Ermittlern selbst – seien aber eminent wichtig, „weil sie Tatzusammenhänge erkennen lassen. Und das wird uns mittelfristig auch zum Erfolg führen“, ist sich Knies sicher.

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erstellt am 22.Jan.2016 | 14:30 Uhr

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