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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 12:57 Uhr

Symposium in Husum : Geballtes Wissen übers Wattenmeer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ministerin Anke Spoorendonk eröffnet Kongress im Husumer Schloss: 150 Teilnehmer aus drei Ländern hören sich drei Tage lang 40 wissenschaftliche Vorträge an.

Nordfrieslands Kreisstadt hat zurzeit Mekka-Funktion: 150 Wissenschaftler und sonstige Interessierte sind nach Husum gepilgert, um der Einzigartigkeit des Wattenmeeres eine konzertierte Bedeutung zu verleihen. „Waddenland – Outstanding“ ist denn auch der Titel der dreitägigen Konferenz im Rittersaal des Schlosses, die am Sonnabend, 3. Dezember, endet. Man sei froh und stolz, diese hochkarätige Veranstaltung mit Gästen aus Dänemark, Deutschland und den Niederlanden nach Nordfriesland habe holen zu können, sagte Prof. Dr. Thomas Steensen in einer Pressekonferenz, vor der er gerade seine Zuhörer mit dem Vortrag „Nordfriesland und das Wattenmeer“ beeindruckt hatte. Steensens in Bredstedt sitzendes Nordfriisk Instituut nutzt dieses 17. Symposium der Waddenacademie im niederländischen Leeuwarden – auf dänischer Seite gehört noch das Fischerei- und Seefahrtsmuseum in Esbjerg zum Veranstalter-Trio – gleichzeitig als achtes Historiker-Treffen. Alles, was in den drei Anrainer-Staaten im Zusammenhang mit dem Nationalpark Wattenmeer Rang und Namen habe, sei nach Husum gekommen, stellte Steensen erfreut fest: „Dank unserer hervorragenden Zusammenarbeit.“

Sehr geehrt fühlte sich auch Jan Enemark, niederländischer Mit-Organisator, „dass Ministerin Spoorendonk den Kongress eröffnet hat, obwohl dies keine politische Veranstaltung ist“. Im Vordergrund stehe der wissenschaftliche Austausch – über Grenzen hinweg und interdisziplinär. Ob Archäologen, Historiker, Geografen, Naturschützer oder Interessierte aus anderen Bereichen: Internationaler Wissenstransfer in geballter Form, der am Ende auf allen Ebenen Aufmerksamkeit erzeugen soll, wie viele Facetten die historische und kulturelle Bedeutung des Wattenmeeres hat. Der Informationsgehalt dieser drei Tage ist enorm: Annähernd 40 Vorträge führender Wissenschaftler stehen auf dem durchweg englischsprachigen Programm – von der Frage, ob eine bestehende Naturlandschaft ein Problem für Kulturlandschaften darstellt (Hans-Ulrich Rösner, World Wide Fund For Nature  /  WWF), über die Ausbeutung der Torf-Zone an der friesischen Küste in der Eisenzeit (Marco Bakker, Universität Groningen) bis hin zum Leben mit dem Element Wasser in den Küstengebieten Tøndermarsch und Gotteskoog (Anne Marie Overgaard, Museum Süd-Jütland). Dazu können die Kongressteilnehmer eine Exkursion auf Eiderstedt mitmachen und ausgiebig „netzwerken“.

Für Anke Spoorendonk, Schleswig-Holsteins unter anderem für Kultur und Europa zuständige Ministerin, ist es an der Zeit, dem Wattenmeer als kulturelles Welterbe in der öffentlichen Wahrnehmung einen neuen Platz zuzuweisen, das Zusammenwirken von Natur und Kultur stärker in den Blickpunkt zu rücken. Das erste Symposium dieser Art außerhalb der Niederlande sei „für Schleswig-Holstein ein wichtiger Aufschlag“, sagte Spoorendonk. Die Forschungsarbeit sei in eine neue Phase eingetreten und werde das Land in den kommenden Jahren weiter beschäftigen. Auch die Rungholt-Ausstellung im Husumer Nordsee-Museum zeige, wie sehr bereits mit wissenschaftlichen Ergebnissen gearbeitet werde – und weniger mit Mythen. „Wir brauchen Fakten“, so die Ministerin. „Und wenn wir – wie es die Aufgabe der Politik ist – die Gesellschaft nachhaltig und ökologisch weiterentwickeln wollen, erst recht.“

Inken Völpel-Krohn, Vorsitzende des Trägervereins Nordfriisk Instituut, unterstrich ebenfalls die Bedeutung der Husumer Konferenz als Musterbeispiel für trilaterale Zusammenarbeit: „Schon früher war es wichtig, die See zu zähmen – und zwar ohne nationale Teilung.“

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erstellt am 02.Dez.2016 | 07:00 Uhr

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