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Husumer Nachrichten

28. März 2017 | 10:16 Uhr

Ringen um Standort Husum : Geballter Protest gegen Senvion-Aus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Schließung des Senvion-Werks stößt auf breiten Widerstand. Der Wirtschaftsminister kommt erneut nach Husum.

Husum | Die Mitarbeiter des Windenergieanlagen-Herstellers Senvion in Husum bekommen im Kampf um ihre Arbeitsplätze Unterstützung von allen Seiten. Seitdem der Konzern angekündigt hatte, die Produktionsstätte am Husumer Außenhafen schließen zu wollen, reißen die Bemühungen und Gespräche um den Erhalt des Standortes nicht ab. Nach einer Betriebsversammlung versammelten sich mehr als 50 Mitarbeiter bei einer Kundgebung vor dem Werk.

In der Windkraftbranche wachsen die Sorgen über die wirtschaftlichen Perspektiven in Schleswig-Holstein.

„Wir haben die Wurzel gelegt für das Unternehmen Senvion und wir sind das Herz von Senvion“, machte Nordfrieslands DGB-Kreisvorsitzender Mathias Wötzel die Position der Personalvertretung klar. Viele der Mitarbeiter hätten seit etlichen Jahren für die unterschiedlichsten Unternehmens-Eigentümer gearbeitet. Am Standort Husum seien einige der ersten Windenergieanlagen gebaut worden. „Wir können das bis heute und wir wollen das auch weiterhin tun“, rief Wötzel den Kollegen und anderen Kundgebungsteilnehmern zu. Seit Jahren habe man der Geschäftsleitung Konzeptideen für Zukunftsprojekte vorgelegt. „Wir halten diese für wirtschaftlich zukunftsfähig, finanziell tragfähig und vor allem ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.“ Die klare Botschaft an das Unternehmen laute, Husum zu einem zentralen Senvion-Reparatur-, Wartungs- und Service-Zentrum weiterzuentwickeln.

Hierfür habe die Wirtschaftsförderung Nordfriesland der Unternehmensleitung öffentliche Fördergelder für die notwendigen Investitionen in Aussicht gestellt. Doch alle Versuche, das Unternehmen nachhaltig und zukunftsfähig zu gestalten, seien von der Unternehmensführung nicht berücksichtigt oder beachtet worden.

„Wir lassen uns das nicht ohne Weiteres gefallen“, stellte auch Bürgermeister Uwe Schmitz unmissverständlich klar. Das Unternehmen müsse die Stadt Husum als ernstzunehmenden Partner akzeptieren. „Ohne Produktion und Service in Husum geht gar nichts.“ Husum stehe an der Seite der Mitarbeiter. Schon am 21. März werde es ein weiteres Gespräch mit Wirtschaftsminister Reinhard Meyer im Rathaus geben. Auch Nordfrieslands Landrat Dieter Harrsen äußerte sich bestürzt über die Entwicklung. „Ich war geschockt, als mir diese Meldung vorgeknallt wurde.“ Die Politik müsse bei der Energiewende Kurs halten. „Was wir derzeit erleben, ist genau das Gegenteil.“ Husum sei die Wiege der Windenergie und dürfe nicht aufgegeben werden.

Dem schloss sich der grüne Landtagsabgeordnete Andreas Tietze an. Er kündigte an, dass sich auch der Landtag mit diesem Thema befassen werde. Rückendeckung bekamen die Senvion-Mitarbeiter auch von Ralf Nissen, Betriebsrat und Vorsitzender der IG-Metall-Vertrauensleute bei der Vestas Deutschland GmbH: „Es geht hier nicht um einen Bypass oder eine Beerdigung.“ Vielmehr kämpfe man an der Seite der Senvion-Mitarbeiter um deren Arbeitsplätze. „Es geht um den Service- und den Reparatur-Standort – nicht weniger.“ Auch der IG-Metall-Bevollmächtigte Martin Bitter schaltete sich ein: „Wir wollen nicht, dass die Windenergie-Sparte in Husum verramscht wird.“

Unterdessen erklärte der SPD-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Matthias Ilgen: „Standorte zu schließen, wenn sie noch profitabel sind bzw. nach vertretbaren Investitionen am Standort andere Produkte herstellen können, ist Heuschrecken-Kapitalismus und hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun.“ Er und SPD-Landtagskandidat Ralf Heßmann forderten den Bürgermeister und die Stadtvertretung auf, „in den von Reinhard Meyer einberufenen Standort-Gesprächen mit Gewerkschaft und Unternehmen klare Position zu beziehen und deutlich zu machen, dass das Planungsrecht die Möglichkeit eröffnet, dem Unternehmen einen lukrativen Verkauf unmöglich zu machen“.

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erstellt am 20.Mär.2017 | 19:00 Uhr

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