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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 20:49 Uhr

Fehler in der Verordnung : Friedrichstadt verliert 350 Häfen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Laut Landesverordnung für die Häfen in Schleswig-Holstein ist jeder Bootssteg in Friedrichstadt ein Hafen. Das soll sich jetzt ändern. Außerdem will das Land die Grachten an die Stadt überschreiben.

„Es ist schon eine schweißtreibende Tätigkeit, alle 350 Häfen in Friedrichstadt zu kontrollieren und zu beaufsichtigen“, sagt ein lachender Bürgermeister Eggert Vogt. Und das ist kein verspäteter Aprilscherz, denn tatsächlich heißt es in der Landesverordnung für die Häfen in Schleswig-Holstein vom 9. Februar 2005: „Häfen im Sinne der Verordnung sind alle Anlegestellen und sonstige Anlagen, an öffentlichen Gewässern in öffentlicher oder privater Trägerschaft, die zum Festmachen von Wasserfahrzeugen geeignet sind (§ 1 Abs. 2 HafVO).“ Vogt ist nun aber froh, dass eine Lösung gefunden zu sein scheint. In Verhandlungen mit dem Kreis, dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein und zwei Kieler Ministerien, „sind wir dabei, die Kuh vom Eis zu holen“, sagt er. Denn bislang habe sich Friedrichstadt ja eigentlich nicht rechtskonform verhalten, schließlich gehöre eigentlich zu jedem Hafen auch eine sanitäre Anlage – „und die haben wir wirklich nicht. Bootsstege ja, aber mehr nicht.“

Der ehrenamtliche Gemeinde-Chef wird das Verschwinden der Häfen auch nicht finanziell spüren, denn anders als in vielen Städten, wo der Bürgermeister auch Hafenkapitän ist, wurde dies in dem Holländerstädtchen nie vergütet. „Wir sind auch nur durch einen Zufall bei der Recherche nach den Stegeignern darauf gestoßen“, berichtet Vogt.

Und die kleinen Bootsstege an den Grachten gehören zu Friedrichstadt wie die Grachten selbst, die vielen Kirchen, die historische Altstadt und der zweigeteilte Marktplatz. Doch bislang ist es immer ein rechtliches Problem, wer für die Stege und die Pflege der Grachten zuständig ist. Daher begann das Ordnungsamt Nordsee-Treene mit der Erfassung aller Stegeigner. Doch von den 350 verschickten Schreiben gab es nur auf 200 eine Rückmeldung. Das Ziel ist es nämlich, ein Kataster anzulegen und so die Eigner auffordern zu können, die Anlagen in Schuss zu halten.

Viele der kleinen Stege sind mittlerweile mehr als baufällig, geradezu gefährlich. Und genau dort beginnt das Problem: Rechtlich gehört der Teil, der sich auf der Uferböschung befindet, in den Geltungsbereich der Stadt, der Teil über der Gracht in den des Landes – da die eigentlichen Wasserläufe im Besitz des Landes sind.

Nun soll noch in der Juni-Sitzung der Stadtvertretung das Ja für Vertragsverhandlungen gegeben werden. Das Land habe nämlich signalisiert, die Grachten an die Stadt zu überschreiben. „Allerdings“, und darauf legt Vogt besonderen Wert, „ohne dass wir mit Kosten belastet werden. Der Unterhalt der Gewässer soll weiter vom Land finanziert werden. Anders könnten wir das auch nicht stemmen, denn allein 200 Meter Spundwand kosten rund 1,2 Millionen Euro.“

Angepeilt ist das Frühjahr 2017. Dann sollen die Grachten und damit auch die Stege komplett in den Besitz der Stadt wechseln. Erst dann ist auch die Aufstellung eines Katasters möglich, und die Anlagen können in Ordnung gebracht werden. Bevor es aber so weit ist, müsse vermutlich erst noch der Landtag darüber entscheiden, zudem die Landesverordnung für die Häfen geändert werden, sagt Vogt.

Befürchtungen vieler Friedrichstädter, dass langfristig von Seiten der Stadt eine kräftige Gebührenerhöhung für die Nutzung der Stege verlangt wird, teilt Vogt nicht. „Ich persönlich habe dies nicht vor. Allerdings kann ich nicht sagen, wie der Stadtrat entscheidet.“

Die vielen Bootsstege sind teilweise vererbt worden, einige befinden sich schon im Besitz der dritten und vierten Generation. Kein Wunder, dass sie gern innerhalb der Familie oder des Freundeskreises weitergegeben werden, denn wo sonst ist ein Bootsliegeplatz mitten in der Stadt für einmalig knapp 100 Euro mitten in der Stadt zu bekommen?

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erstellt am 07.Mai.2016 | 16:00 Uhr

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