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Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 09:03 Uhr

Jugendherberge „Theodor Storm“ : „Feierabend hat man eigentlich nie“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Job von Jugendherbergs-Eltern ist herausfordernd: In Husum haben Erika und Thomas Eisenack diese Aufgabe vor sechs Jahren übernommen.

Nein, selbst hätten er und seine Frau früher keinen Urlaub in einer Jugendherberge verbracht, gibt Thomas Eisenack (51) zu und lacht. Und nun ist er beinahe täglich in einer zu finden – von Berufs wegen. Seit sechs Jahren leitet er mit Ehefrau Erika (52) die Husumer Herberge mit dem Namen „Theodor Storm“ in der Schobüller Straße.

Die Einrichtung steht im Mittelpunkt ihres Lebens: „Denn Feierabend hat man eigentlich nie“, sagen beide. Tauschen wollen sie dennoch mit niemandem. „Ich möchte es nicht missen. Man bekommt sehr viel zurück“, betont Erika Eisenack. Früher hatte das Paar seine Wohnung direkt in der Herberge – nun gegenüber, so dass es etwas mehr Privatsphäre gibt. Doch nächtliche Anrufe bei Problemen jeglicher Art – und sei es, dass jemand eine Kopfschmerztablette wünscht – bleiben dennoch nicht aus: zumindest bis zum Saisonende am 31. November. „Belastbar und flexibel muss man schon sein“, wissen die Eisenacks, die ursprünglich in der Logistik-Abteilung eines Unternehmens tätig waren. Mindestens ebenso wichtig sei es jedoch, Lust auf den Umgang mit Menschen zu haben – selbst, wenn es gelte, Konflikte aus der Welt zu schaffen. „Wir versuchen immer, uns Zeit für persönliche Gespräche mit den Gästen zu nehmen – auch, um ein Feedback zu erhalten.“

Dass sie 24 Stunden am Tag zusammen sind, ist eine Herausforderung, die Erika und Thomas Eisenack gut meistern. Ihr Tipp für Paare in ähnlichen Situationen: „Sich auch getrennte Auszeiten gönnen.“ Gibt es im Job unterschiedliche Auffassungen, werden die nicht vor dem Personal diskutiert, sondern unter vier Augen – dies ist ihre Maxime.

13 Mitarbeiter haben die Eisenacks. „Wir sind ein altersmäßig sehr gemischtes Team – unsere älteste Kollegin ist 63“, sagt Erika Eisenack. „Und für unsere Rezeption suchen wir in der Saison immer nach weiteren Kräften.“

Jugendherbergen bieten nicht nur preisgünstige Unterkünfte, sondern auch lehrreiche und aktive Programme für alle Generationen. Für Husum sind die Eisenacks gerade dabei, ein Paket mit Anregungen zu schnüren, die schlechtes Wetter vergessen lassen. „Kreative Köpfe sollen sich bei uns entspannen, ob beim Zeichnen, Wattwandern oder mit Yoga“, so Erika Eisenack. Und damit auch Mütter und Väter ganz bei sich sein können, wird der Nachwuchs bestens betreut: über die Schutzstation Wattenmeer mit einem naturkundlichen Kinderprogramm.

Mit der Schutzstation arbeiten die Eisenacks zum Thema ökologisches Lernen eng zusammen, wovon die Hauptgruppe, die ihre Jugendherberge besucht, besonders profitiert: nämlich Schülerinnen und Schüler der fünften bis zehnten Klassen aus allen möglichen Gegenden in Deutschland. Die Naturschützer haben einen eigenen Raum in der Einrichtung, in dem es sogar Mikroskope für die jungen Forscher gibt. Ein Aquarium im Foyer ermöglicht „Raubtierfütterungen“. Und für die Allerjüngsten gibt es einen kleinen Spielplatz.

Ein spezielles Angebot für Klassenfahrten heißt „Expedition Nordfriesland“, zu der auch eine Paddeltour durch Friedrichstadts Grachten gehört. Das Kanu-Center „Kunterbunt“ ist ein weiterer Kooperationspartner der Jugendherberge – ebenso die Radstation des Diakonischen Werks Husum, über die rund 40 Fahrräder direkt in der Einrichtung für Ausflüge bereitstehen.

„Gerade für Großstadtkinder sind Erlebnisse in der Natur etwas Besonderes“, weiß Thomas Eisenack. Wer sich für eine Jugendherberge entscheidet, dem geht es auch darum, Gemeinschaft zu erleben. „Kinder und Jugendliche knüpfen Kontakte – manchmal entstehen sogar Freundschaften zwischen Familien“, wissen die Eisenacks.

Die Jugendherberge an der Schobüller Straße ist eine moderne, auch für Rollstuhlfahrer geeignete Einrichtung mit 44 Zimmern und 173 Betten in einem historischen, denkmalgeschützten Haus, in dem ein Frühstücksraum aus dem Jahr 1938 mit Wandmalereien noch jeden Gast beeindruckt hat. 1989 wurde angebaut. Für Einzelreisende gibt es einen Extra-Frühstücks- und Aufenthaltsraum. Das sind häufig Radfahrer aus der Schweiz: „Unser Wind von vorne ist für die eine echte Herausforderung“, sagt Thomas Eisenack. Stolz ist die Herbergsleitung auf den neu gestalteten Empfangs- und Büfettbereich. „Wir haben einmal in der Woche einen Veggie-Tag, der mit dem Frühstück beginnt“, so Erika Eisenack.

Das Husumer Haus gehört zudem – neben Westerland, Büsum, Stade, Glückstadt, Kappeln und Ratzeburg – zu sieben Pilot-Herbergen im Land, die ihren CO2-Fußabdruck haben ermitteln lassen, als Vorreiter für alle Jugendherbergen im Landesverband Nordmark. Daten zum Verbrauch von Energie und Wasser, zur Verpflegung und zum Restmüllaufkommen fließen in die Bewertung ein. Alle sieben Herbergen haben das Ziel erreicht und für weniger als 20 Kilogramm Kohlendioxid-Emissionen pro Übernachtung gesorgt.

Und was machen Herbergs-Eltern im Winter – Urlaub? Beide schmunzeln: „Nein, den können wir nur zwischendurch einplanen.“ Zum Jahresende wartet „viel Papierkram“ auf sie. Nicht zu vergessen: Buchungen und Anfragen. Und es sei die Zeit für Verschönerungsarbeiten und Reparaturen.

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erstellt am 13.Sep.2016 | 16:00 Uhr

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