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Husumer Nachrichten

27. September 2016 | 00:27 Uhr

Spiel der Integrationsmannschaften : FC Lampedusa vs. Nordhafen: Der Ball bringt sie zusammen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Husumer gegen die Hamburger: Am Wochenende trafen die beiden Flüchtlings-Fussballmannschaften in Husum aufeinander.

Der Ball ist nicht nur rund, der Ball verbindet offenbar auch: Erstmals spielten am Sonnabend im Husumer Friesenstadion zwei Integrations-Mannschaften miteinander. Dabei empfang die Flüchtlings-Mannschaft der Husumer Sportvereinigung den FC Lampedusa St. Pauli als offizielles Team des FC St. Pauli (2. Fußball Bundesliga).

Die Husumer Sportvereinigung organisierte das Spiel, bei dem jeweils elf Flüchtlinge gegeneinander spielten. Wobei „gegeneinander“ hier vielleicht nicht die ideale Wortwahl ist, wie der Vorsitzende der Husumer Sportvereinigung Klaus Kasparek deutlich machte. Was Gegeneinander heißt, hätten die Menschen in bedrückender Weise und hautnah erleben müssen. Und das ist es auch, was alle Spieler gemeinsam hätten - Flucht, Vertreibung, Terror und Krieg.

Und in Anlehnung an das „Wunder von Bern“ spricht Kasparek gerne vom „Wunder von Husum.“ Da spielt das Ergebnis der Partie mit 6:1 für das Husumer Team keine große Rolle. Das Miteinander von Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern war beeindruckend. Und zur gelebten Integration gehört auch, dass bei dem Freundschaftsspiel ein Deutscher aus einer anderen Mannschaft für den kranken Torwart der Husumer einsprang.

Wer hier ein babylonisches Sprachenwirrwarr erwartete, wurde überrascht. „Überall wird von Integration gesprochen und gestritten“, so Kasparek. Was Integration heißt, müsse man den zum Teil traumatisierten Menschen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Jemen und Eritrea mit den unterschiedlichsten seelischen Verletzungen nicht erst erklären. „Der Wunsch, beim Spiel miteinander in Deutsch zu reden, kam von den Spielern selbst“, berichtete der Vereinsvorsitzende. Selbst in der Pause gaben die Trainerinnen und Trainer ihren Spielern wichtige Spielanweisungen in Deutsch.

Fragt man nach dem eher ungewöhnlichen Namen „Nordhafen“ der Husumer Mannschaft, so kommt hier ebenfalls eine Überraschung zu Tage. Im Grunde sei diese Bezeichnung ein Zeichen der Dankbarkeit. „Wir als Verein hatten den Namen United Color vorgeschlagen“, erinnerte sich Kasparek. Doch die Flüchtlingsspieler bei der Husumer Spielvereinigung zeigten sich davon nicht begeistert und lieferten für ihren Vorschlag eine beeindruckende Begründung nach. „Hier im Norden haben sie nach zum unvorstellbaren Fluchtwegen und -erlebnissen eine neue Heimat gefunden.“ Auf ihrer Flucht-Route hätten sie viele Häfen passiert und seien in Husum mit seinem Hafen endgültig angekommen.

Daraus sei der Teamname „Nordhafen“ entstanden. Bei der großen Unterstützung aus allen Himmelsrichtungen kommt Kasparek ins Schwärmen. Zahlreiche Firmen, Vereine und Verbände und der Kreis Nordfriesland hätten die Kosten für dieses Spiel übernommen. Auch die Ämter Nordsee-Treene und Viöl klinkten sich in die Unterstützung ein. Sie stellten die Busse zur Verfügung, mit denen die Gäste aus St. Pauli von und zum Bahnhof gefahren wurden.

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erstellt am 19.Sep.2016 | 18:15 Uhr

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