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Husumer Nachrichten

02. Dezember 2016 | 23:21 Uhr

Geflüchtete in Bredstedt : Familie Mustafa darf nicht bleiben

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Trotz Integration, ehrenamtlicher Tätigkeit, Arbeit und guter Schulleistung muss die Familie das Land verlassen.

Sie fingen gerade an, wieder etwas Hoffnung zu schöpfen. Nachdem die Husumer Nachrichten in ihrer Ausgabe vom 6. Mai über die drohende Abschiebung der Bredstedter Familie Mustafa berichtete, meldeten sich alte Bekannte: Ursel Bauschke war eine der ersten Nachbarinnen der Mustafas, nachdem sie vor etwa eineinhalb Jahren aus dem Kosovo zunächst nach Drelsdorf kamen. Gemeinsam mit ihrem Mann bot sie dem Familienvater Musa Mustafa ein Praktikum in der eigenen Tischlerei ein. „Er war so überaus fleißig, fröhlich, hilfsbereit und pünktlich“, sagt Ursel Bauschke über Mustafas vierwöchige Tätigkeit – „mehr geht nicht“.

Der 41-Jährige unterzeichnete einen Arbeitsvertrag über eine Festanstellung und auch seine Frau Rifadije hatte inzwischen Jobangebote bekommen, unter anderem im Pflegebereich. Ein gesichertes Einkommen, so ihre Hoffnung, würde der Familie mit ihren elf und acht Jahre alten Kindern Albert und Ajlinda ein Bleiberecht in Deutschland verschaffen. Doch nichts davon half. Nach der Anhörung beim Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster und Gesprächen mit der Ausländerbehörde in Husum hatte es auch zahlreiche Bemühungen in ihrem Umfeld gegeben. Inzwischen aber hat die Familie die endgültige Bestätigung: In den kommenden Tagen müssen sie zurück in den Kosovo.

Seit dem vergangenen Herbst gilt das Land als „sicherer Herkunftsstaat“, sagt David Kater. Der Flensburger Rechtsanwalt hat seinen Schwerpunkt im Asyl- und Aufenthaltsrecht und ist mit dem Fall der Familie Mustafa vertraut. Geflüchtete Menschen aus dem Kosovo werden als nicht schutzbedürftig angesehen. Das Problem sei der Asylantrag gewesen, erklärt Kater: Im Heimatland werde oftmals durch mangelnde Informationen dazu geraten, wenn man anderswo ein besseres Leben aufbauen wolle. „Doch in Wirklichkeit schadet das den Menschen“, sagt er. Der Rechtsanwalt hat den Mustafas deswegen letztlich auch dazu geraten, freiwillig auszureisen. So konnten sie zumindest eine Einreisesperre zurück in die Schengenstaaten von 30 Monaten umgehen, die im Falle einer Abschiebung gedroht hätten. Dadurch, dass sie jetzt (mehr oder weniger) aus freien Stücken gehen, bekommen sie eine Einreisesperre von lediglich zehn Monaten. Danach können sie erstmals wieder als Touristen einreisen – für bis zu 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen. Hinzu kommt aber auch noch ein zweijähriges Beschäftigungsverbot ab dem letzten Erhalt von Sozialleistungen, sagt Kater. „Dabei spricht die Politik von einem Fachkräftemangel“, kritisiert er.

Ursel Bauschke hat den Mustafas dennoch zugesichert, dass der Arbeitsvertrag auch nach ihrer Rückkehr noch gültig ist – und Musa Mustafa in der Tischlerei anfangen kann, sobald er sein Arbeitsvisum in der Tasche hat. Außerdem liegt bereits ein Mietvertrag für die Familie vor, der ebenfalls ab dem Zeitpunkt ihrer Rückkehr gültig ist.

Wie berichtet, hatte sich die Familie innerhalb kürzester Zeit in Bredstedt integriert und auch selbst vielfach eingebracht. Rifadije und Musa Mustafa haben in der Kleiderkammer gearbeitet, der Familienvater außerdem in der Tafel und als Praktikant auf dem städtischen Bauhof. Ihre Kinder Ajlinda und Albert waren schnell zu den besten ihrer Schulklassen geworden, der Elfjährige ist fester Bestandteil seiner E-Jugend-Mannschaft in der Fußballsparte des Bredstedter TSV, seine achtjährige Schwester spielt im Spielmannszug die Querflöte. Entsprechend groß war auch die ganze Zeit schon die Hilfsbereitschaft aus dem Umfeld der Familie. „Es haben sich richtige Freundschaften entwickelt“, sagt Eckart Jaß aus der Freiwilligen Feuerwehr in Bredstedt, in der Musa und Albert Mustafa ebenfalls aktiv sind. „Wir hoffen alle, dass sie bald wieder hier sind.“

Sobald die Familie den genauen Zeitpunkt ihrer Abreise kennt, wird Jaß sie zum Flughafen bringen. Von dort aus geht es nach Obiliq im zentralen Kosovo. Ihr einstiges Haus dort ist zerstört, erzählen sie. Deswegen wollen sie die ersten paar Tage bei Verwandten verbringen. Und sobald es ihnen möglich ist, wollen sie ihre Rückkehr vorbereiten. Den Großteil ihrer Möbel konnten sie hier bei Freunden einlagern, die Deutschbücher aber sind schon in die Koffer gepackt. Eines ist für sie nämlich sicher: Die Familie will unbedingt zurück nach Bredstedt kommen.

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erstellt am 18.Aug.2016 | 14:00 Uhr

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