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Husumer Nachrichten

07. Dezember 2016 | 13:36 Uhr

Seit sechs Generationen : Familie Laß: Eine Krabbenfischer-Dynastie

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Husumer Familie Laß ist eine Krabbenfischer-Dynastie. Und das soll auch so bleiben. Die vorerst letzte, nunmehr sechste Generation – vertreten durch Fabian Laß – beginnt im August beim Vater mit der Ausbildung.

Darin sind sich Vater und Sohn einig: Mitten im Meer die Sonne auf- und untergehen zu sehen, ist das Schönste. Thorsten Laß erlebt das öfter: schon von Berufs wegen. Der 44-Jährige ist Krabbenfischer – und Junior Fabian (16) fest entschlossen, in seine Fußstapfen zu treten. Er fährt schon jetzt so oft es geht mit hinaus und ist neben Mitarbeiter Stefan Andresen der dritte Mann an Bord des Kutters „Marion“.

Den hatte sein Großvater Karl-Heinz Laß 1980 in Friedrichskoog bauen lassen und nach der Tochter benannt. 1988 stieg Sohn Thorsten Laß dann ins Geschäft ein und ging erst einmal beim Vater in die Lehre – wie dieser zuvor bei seinem Vater. Diese Tradition wird mit Fabian Laß in dritter Generation fortgesetzt. Als sich der Senior 1999 aus dem Berufsleben zurückzog, übernahm Thorsten die „Marion“.

Der Name Laß ist eng mit Husum und der Krabbenfischerei verbunden – Fabian Laß sorgt dafür, dass sich die nunmehr sechste Generation auf den Weg macht. Ursprünglich stammt die Familie aus Büsum. In den 1920er-Jahre kam sie dann nach Husum.

Thorsten Laß ist bereits als Jugendlicher mit einem Motorboot zum Fischen herausgefahren – Fabian Laß hat den Vater immer in den Ferien begleitet. Berufspraktika in verschiedenen Firmen haben den 16-Jährigen in seiner Entscheidung, Krabbenfischer zu werden, nur bestätigt. Seekrank wird er zum Glück nicht. Drei Jahre dauert die Ausbildung zum Fischwirt, dann kann der junge Mann noch den Fischwirtschaftsmeister aufsatteln. „Im Winter ist Schule – im Sommer geht es raus zum Fischen“, erklärt der Vater.

Auch das Knüpfen von dick - und dünnmaschigen Netzen wird Fabian Laß in der Fischereischule der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Rendsburg üben. In diesem August beginnt mit der Lehre ein neuer Lebensabschnitt. Der 16-Jährige hat sich für den Schwerpunkt „Kleine Hochsee- und Küstenfischerei“ entschieden und lernt deshalb zusätzlich zu den Pflichtfächern die besonderen Lebensräume der Nord- und Ostsee kennen. Seemännische Arbeiten und nicht zuletzt das Führen eines Schiffes – unter Anleitung – stehen ebenfalls auf dem Stundenplan. Für die Selbstständigkeit wäre später – nach zwei Jahren als Geselle an Bord – das Patent „B  Küste“ ausreichend: Es ist gedacht für Schiffe, die nicht mehr als 300 PS haben. Das Schiff des Vaters hat 250. „Wir fahren ja nicht nach Dänemark oder Holland. Wir bleiben hier und nehmen die guten und die schlechten Zeiten mit“, meint Thorsten Laß. Die Nordsee-Garnelen sind seine Haupteinnahmequelle – „gibt es keine Krabben mehr, können wir den Laden dicht machen“.

Thorsten Laß liefert seinen Fang bei einer der beiden niederländischen Firmen ab, die in Husum vertreten sind. Bis in die 1990er-Jahre gab es noch einheimische Großhändler und die Fischereigenossenschaft. Eine bestimmte Menge darf der Fischer auch von Bord aus selbst verkaufen – das hat Thorsten Laß für sich ausgehandelt. Er kann zwischen 1,5 bis fünf Tonnen Krabben per Netz an Bord hieven, wo sie nach Größe sortiert und gekocht werden – der 44-Jährige legt Wert darauf, dass seine Garnelen per Hand gerührt werden, obwohl es auch vollautomatische Krabbenkessel gibt. In zwei Kühlanlagen lagert die Delikatesse, bis der Heimathafen wieder erreicht ist. Und das muss innerhalb von 72 Stunden passiert sein, sonst nimmt der Händler die Krabben nicht mehr ab. Thorsten Laß: „Am Freitag bekommen wir Bescheid, wie viel Geld es gibt.“

Gerade erst hat die „Marion“ einen neuen weißen Anstrich bekommen. Der Husumer Krabbenfischer will die Zeit bis August noch für weitere Auffrischungsarbeiten an Bord nutzen, denn noch sei es – das fünfte Jahr in Folge – „eher mau“ mit den Krabben. „Die Wittlinge (Kabeljauart) fressen uns die Krabben weg.“ „Jedes Jahr ist anders – auch der Klimawandel spielt eine Rolle.“ Thorsten Laß darf mit Preisen zwischen zehn und zwölf Euro oder zwischen sieben bis acht Euro pro Kilogramm kalkulieren.

Der Husumer kritisiert, dass die Fischerei in Deutschland nicht genügend unterstützt werde. „Als wir 2011 in der Krise waren, weil es zu viele Krabben gab und die Preise für uns schlecht waren, bekamen wir nur günstige Kredite angeboten.“ Laß: „Der Beruf macht mir Spaß. Aber man darf nicht negativ denken, sonst fährt man nicht mehr raus.“

„Wir sind alle verteilt“, sagt Thorsten Laß und zählt neben Husum Nordstrand (Süder- und Norderhafen), Pellworm und Dagebüll als Häfen für Krabbenfischer auf. „Im Sommer liegen aber etwa zehn Fischerboote in Husum.“

Winterpause ist von Dezember bis März: Dann werden keine Krabben gefangen – der Verdienst vom Sommer muss auch die kalte Jahreszeit abdecken. Die Zeit von Februar bis Mitte März nutzt Thorsten Laß für Reparaturen. Der Neubau eines Kutters wäre heute ein Millionen-Euro-Projekt.

Auf der Brücke der „Marion“ ist viel Technik zu entdecken – angefangen bei der elektronischen Seekarte und einem automatisierten Identifikationssystem – nicht zu vergessen die Hebel für die Winde, um die Netze, die an Rollen gleitend über den Meeresboden gezogen werden, an Bord zu hieven und das elektronische Logbuch, in das Thorsten Laß zum Beispiel einträgt, wann er herausgefahren ist, wie oft er das Schleppnetz ausgeworfen und wie oft er es eingeholt hat, aber auch wo er Krabben gefangen hat. Fischer sind bestens überwacht. Zugriff auf diese Daten haben das Fischereiamt, das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sowie die Erzeugergemeinschaft der Krabbenfischer. „Die wissen alle vorher, was ich verdient habe.“

Und wie werden Krabben in der Familie Laß gegessen? Natürlich klassisch: „Auf Brot mit Spiegelei.“ Auch darin sind sich Vater und Sohn einig.

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erstellt am 25.Jul.2016 | 15:00 Uhr

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