zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 06:11 Uhr

Expeditionspaddlerin Freya Hoffmeister : „Erst Inseln, dann Kontinente“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Gewässer wurden immer größer und schwerer: Freya Hoffmeister hat im Kajak schon Australien und Südamerika umrundet.

Die Husumer Expeditionspaddlerin Freya Hoffmeister gehört zu den erfolgreichsten Extremsportlern der Welt. Fast vier Jahre lang umrundete sie allein in ihrem Kajak Südamerika und hat auf dieser Reise packende Abenteuer, skurrile Tier-Begegnungen und atemberaubende Naturlandschaften erlebt. Am Freitag, 9. September, wird Hoffmeister im Nordsee-Congress-Centrum von dieser einmaligen Energie- und Lebensleistung berichten und zugleich ihr neues Buch darüber vorstellen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, Einlass ist bereits um 18 Uhr.

Sie waren Beamtin im gehobenen Dienst, haben die Sicherheit aufgegeben und sind Geschäftsfrau geworden. Sportlich gesehen waren Sie Wettkampfturnerin, Wettkampf-Bodybuilderin, Fallschirmspringerin und haben mit dem Kajak Kontinente umrundet. Woher kommt der Drang zum Extremen?
Beruflich war es einfach nicht das Richtige. Ich wollte nach der Ausbildung selbständig werden. Ein kleines geerbtes Startkapital hat mir geholfen, etwas zu machen, was mich mehr reizt. Paddeln habe ich nicht bewusst als Extremsport angefangen, sondern mit meinem kleinen Sohn in der Packluke. Irgendwann ist er da herausgewachsen. Und alleine wurden die Gewässer dann immer größer und schwerer.

Sie haben mit einem Partner Island umrundet. Dann als erste Frau Neuseeland-Süd und Australien umfahren und zuletzt Südamerika. Wie kommt man auf so etwas?
Indem man einem Vortrag lauscht, wie ich ihn jetzt wieder halte, und denkt: Das kann ich auch! Bei meiner letzten Tour reizte das immer Größere. Australien war mein erster Kontinent. Ich war aber „nur“ die zweite Person, die das geschafft hat. Der nächst kleinere Kontinent war Südamerika. Und dort war ich vorher noch nicht gewesen. Es ist wie bei den Bergen: Der Erstbesteiger bekommt die Ehrungen. Südamerika war nicht nur ein Berg, sondern fast vier Jahre harte Arbeit.

Wie viel Zeit braucht man, um sich auf eine solche Expedition logistisch vorzubereiten?
Das hängt ganz davon ab, welche Vorkenntnisse man hat. Tagelang Karte und Satellitenbilder studieren gehört dazu. Dann packe ich meine Sachen zusammen, die ich für einen längeren Trip benötige, sorge dafür, dass mein Schiffchen dort ist, wo ich es brauche und dann geht es los. Man muss sich vor allem entscheiden, in welche Richtung man paddelt wegen des Windes und der Strömungen. In Südamerika gab es zudem Genehmigungsverfahren, die man beachten musste. Das ist anders als bei uns, wo man einfach das Boot ins Wasser setzt und losfährt. Ich habe auch nicht die ganze Reise auf einmal vorbereitet, sondern in Etappen. Stück für Stück hangelt man sich da durch. Und ob es generell machbar ist, wusste bis dahin auch noch keiner.
Wie oft haben Sie für die Südamerika-Tour trainiert?
Meine allgemeine sportliche Kondition ist recht gut. Ob ich hier vor der Haustür jeden Morgen ein paar Kilometer paddle oder bei den ersten Tages-Etappen den Muskelkater und Blasen an den Händen auf mich nehme und langsam wieder stärker und kräftiger werde, ist egal. Zwei Drittel der Strecke waren allerdings extrem heiß. Jeden Tag Schweiß, Salz, Wind und Sonne – meine Haut sah aus wie ein Streuselkuchen.

Überwiegend sind Sie allein gepaddelt. Wie sind Sie mit der Einsamkeit klargekommen?
Ich war nicht immer ganz allein. Vier Monate bin ich mit meinem Partner Peter Unold zusammen gepaddelt. In Kolumbien habe ich eng mit der Marine zusammengearbeitet. Nicht das Wasser war dort das Problem, sondern das, was auf dem Wasser an kriminellen Objekten herumschwimmt. Wenn man einsam wird, greift man zum Telefon und ruft seine Familie an. Ich bin aber gerne alleine. Sonst hätte ich mir ja einen Mitstreiter gesucht.

Gab es Situationen, in denen Sie Angst hatten?
Ich nenne es eher großen Respekt, Angst habe ich nicht. Aber gerade vor Kap Hoorn geraten nicht nur ich, sondern auch riesige Schiffe in Gefahr, weil man die Witterungsbedingungen nicht bestimmen kann. Es herrschten plötzlich 60 Knoten Wind auf dem Wasser. Da musste ich eine gefährliche Crash-Landung an einer unwirtlichen Felsenküste machen, um nicht in die Antarktis geblasen zu werden. Das war die gefährlichste Situation, die ich bisher erlebt habe.

Fragen Sie sich manchmal, was Sie da gemacht haben, wenn Sie an die Erlebnisse Ihrer jüngsten Tour zurückdenken?
Nein, man gewöhnt sich an die Dimensionen, die man setzt. Man guckt auf die Karte und grinst sich einen. Die Messlatte wird eben immer größer. Früher waren es Inseln – heute sind es Kontinente.

Sie haben schon so viel erlebt. Gibt es überhaupt noch Extreme, die Sie reizen?
Es gibt ja noch mehr Kontinente auf der Welt (lacht). Allerdings kommt Afrika für mich nicht in Frage. Also bleibt nur Nordamerika übrig, weil die anderen Kontinente nicht so ganz rund sind.

Wie ist es, nach einer solchen Reise wieder nach Hause zu kommen?
Andere Leute finanzieren eine Weltreise, indem sie alles verkaufen. Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich mein Haus behalten kann und auch meine Geschäfte weiterlaufen, wenn ich nicht da bin. Ich habe also immer reichlich Arbeit und einen Platz zum Zurückkehren.


Karten für die Veranstaltung im Nordsee-Congress-Centrum gibt es unter anderem im Kunden-Center der Husumer Nachrichten, Markt 23, Telefon 04841/ 89650.

zur Startseite

von
erstellt am 05.Sep.2016 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen