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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 03:26 Uhr

Fahrradkursus für Flüchtlinge : Erst einmal oben bleiben und rollen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Ein Kursus im Fahrradfahren soll in Husum regelmäßig für Flüchtlinge angeboten werden. Neben dem ungewohnten Fortbewegungsmittel sind die Verkehrsregeln eine Herausforderung.

Man sieht sie inzwischen häufig im Straßenverkehr: Flüchtlinge, die auf Fahrrädern unterwegs sind. Da nicht alle so zentral untergebracht sind, dass sie alle Wege zu Fuß bewältigen können, bedeutet die Möglichkeit des Radfahrens für sie eine deutlich erhöhte Mobilität für Einkäufe, Behördengänge und gegenseitige Besuche und natürlich auch die Chance, gemeinsam mit den Kindern die neue Umgebung zu erkunden.

Während diese Art der Fortbewegung für die meisten von uns selbstverständlich sein mag, ist sie insbesondere für Flüchtlingsfrauen häufig noch ungewohnt. Viele von ihnen hatten in ihrer Heimat bisher kaum Gelegenheit zum Radeln und natürlich sind sie auch mit den in Deutschland geltenden Straßenverkehrsregeln nicht vertraut. Das hat aus Sicht der Polizei in Husum schon zu abenteuerlichen Situationen geführt und leider auch zu einigen Unfällen. Grund genug für Urte Andresen von der Fachstelle Migration im Diakonischen Werk Husum, einen Fahrradkursus für Flüchtlinge zu initiieren.

Nachdem mit knapp 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Verkehrsregeln besprochen und Hinweise auf die für Radfahrer neuralgischen Punkte in der Storm-Stadt gegeben worden waren, sollte es am nächsten Tag auf dem Schulhof der Bürgerschule in die Praxis gehen. Leider machte das Wetter dem Vorhaben erst einmal gründlich einen Strich durch die Rechnung. Nur wenige Flüchtlinge waren mit ihren Rädern zur Schule gekommen, um die zumeist schon sehr in die Jahre gekommenen Drahtesel in der mobilen Fahrrad-Werkstatt durchchecken zu lassen und gegebenenfalls auch gleich mit fachmännischer Hilfe zu reparieren. Polizeihauptkommissar a.  D. Erich Bretthauer entdeckte an den Rädern ganz typische Mängel: flackernde Lichter, fehlende Reflektoren, nicht einwandfrei funktionierende Bremsen.  .  . – insgesamt alles Kleinigkeiten, die zum Glück schnell behoben werden konnten.

Drei Frauen waren gekommen, um das Fahrradfahren zu erlernen. Und davon ließen sie sich auch vom strömenden Regen nicht abhalten. Tapfer rollerten sie eine Weile auf der Pedale stehend über den Schulhof, bis sie den Mut fanden, sich von den Helfern gestützt in den Sattel zu setzen. Dort oben zu bleiben, ohne die Balance zu verlieren oder vom Kurs abzukommen, war oft gar nicht so einfach. Der eine oder andere harmlose Sturz war schnell wieder vergessen, und so saßen am Ende alle drei stolz auf dem Rad und wagten sich zum Teil auch schon auf den von Bernd Zabel eingerichteten Geschicklichkeits-Parcours. Dort ging es unter anderem darum, das richtige Bremsen zu üben – mit Hand- und Rücktrittbremse – bitte gleichzeitig! Eine Übung, an die sich auch Naya (11) und Fadi (10) wagten, obwohl sie schon recht fest im Sattel sitzen und ebenso wie einige gestandene Männer glaubten, alle Techniken zu kennen und zu beherrschen. Doch auch sie lernten mit Zabels Hilfe noch einiges dazu.

Das Projekt, das in Zusammenarbeit der Fachstelle Migration im Diakonischen Werk Husum mit dem Fahrradclub ADFC, den Seniortrainern, der Kreisverkehrswacht Nordfriesland, der Polizei und ehrenamtlichen Helfern entstanden war und vom Lionsclub Husum unterstützt wird, kam bei den Flüchtlingen gut an.

„Wir machen auf jeden Fall weiter“, resümierte Urte Andresen. Allerdings möchte sie das Angebot künftig an die Kurse für Flüchtlinge angeknüpft sehen, um noch mehr Interessierte zu erreichen.

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