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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 15:35 Uhr

Wassersportler begeistert : Erleichterung: Gieselauschleuse wieder geöffnet

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Wassersportsaison war schon totgesagt, da die Gieselauschleuse das ganze Jahr gesperrt bleiben sollte. Jetzt wurde sie wieder geöffnet, Boote können nun problemlos die Ostsee erreichen.

Die Erleichterung ist Dieter Blohm aus Norderstapel anzumerken. „Dass die Gieselau-Schleuse jetzt wieder öffnet, ist eine tolle Sache. Nur leider kommt diese Meldung für viele meiner Kunden zu spät“, beklagt der Betreiber von zwei großen Winterlagerhallen für Boote. 80 Prozent seiner Kunden haben in der Vergangenheit ihre Wasserfahrzeuge, darunter auch große Yachten, üblicherweise in Süderstapel zu Wasser gelassen. In diesem Jahr allerdings, so berichtet Blohm, hätten viele Eigner zum Saisonauftakt einen Schwertransporter bestellt, der ihre Yachten auf dem Landweg nach Rendsburg gefahren hat. Dort wurden sie dann mit einem Kran in ihr Element gehoben. Allein der Straßentransport, verrät Blohm, habe pro Schiff etwa 650 Euro gekostet, hinzu kämen noch die Krangebühren, so dass allein der Saisonstart mit rund 1000 Euro außer der Reihe zu Buche geschlagen sei.

Neun seiner Kunden hätten zudem die Verträge gekündigt, da sie sich wegen der Schließung der einzigen direkten schiffbaren Verbindung zur Ostsee einen neuen Winterlagerplatz gesucht hätten. „Vielleicht kommt der ein oder andere ja wieder zurück. Darüber würde ich mich natürlich freuen.“

Hintergrund des Ärgers der Wassersportler ist die Gieselauschleuse, die in den Jahren 1936 bis 1937 in Rendsburg gebaut wurde. Sie verbindet die Eider mit dem Nord-Ostsee-Kanal. Seit November 2015 war die Schleuse gesperrt.


Erste Schäden im Jahr 2008 entdeckt



Unter anderem wurden Schäden an den Schleusentoren, am Beton und an den Spundwänden festgestellt. Nachdem bereits bei einer Bauwerksinspektion 2008 einige Schäden entdeckt worden waren, Korrosionsschäden im Wasserwechselbereich an den Toren und den Wänden, konnte eine Fortsetzung des Schleusenbetriebes nicht mehr verantwortet werden, teilte dazu das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel mit. Nunmehr sei eine umfangreiche Bauwerksinspektion ausgeschrieben, an ein kompetentes Ingenieurbüro vergeben und in enger Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Amtes vorgenommen worden. Die ersten Untersuchungen hätten die bekannten Schäden bestätigt und gezeigt, dass diese sich teilweise sogar vergrößert hätten. Das ließ zunächst eine langfristige, möglicherweise sogar dauerhafte Schließung befürchten. Weitere Untersuchungen sowie die statischen Berechnungen hätten jedoch ergeben, dass der Bauwerkszustand doch nicht so kritisch sei, wie zunächst befürchtet. Zudem seien einige Reparaturarbeiten bereits während der Inspektion ausgeführt worden. „Daher ist die Gieselauschleuse ab sofort wieder geöffnet“, heißt es nun auf der Internetseite des Brunsbütteler Amtes. Zuvor hatten allerdings mehrere Ämter, Kommunen und auch der Kreis Nordfriesland gegen die Schließung der für den Wasser-Tourismus so wichtigen Verbindung protestiert.

Auch Gerd Reich aus Süderstapel freut sich über die Mitteilung. Der emeritierte Professor der Universität Oldenburg ist nämlich vor einigen Jahren extra an die Eiderschleife gezogen, weil er dort für seine Yacht einen idyllischen Liegeplatz gefunden hat. Zudem, so berichtet er, könne er von dort auch schnell die Ostsee erreichen.


Bereits im April war die Saison 2016 gelaufen



Doch in diesem Jahr war für Reich bereits im April die Saison abgehakt, denn die Schließung der Schleuse ließ ihn den geplanten Sommertörn durch die dänische Südsee absagen. Nun allerdings macht er seinen elf Meter langen Segler flott, damit er doch noch einen längeren Törn unternehmen kann.

„Offensichtlich hat der massive Protest von Politik, Tourismus und Bootseignern das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Brunsbüttel überrascht“, sagt Dr. Reich. Seiner Einschätzung nach sollten durch die Schließung der für den gewerblichen Schiffsverkehr uninteressanten Schleuse erhebliche Kosten eingespart werden. Doch man habe die touristische Bedeutung vermutlich unterschätzt. Tatsächlich liegen die jährlichen Schleuseneinnahmen bei lediglich 11.000 Euro, die Ausgaben hingegen bei rund 500.0000 Euro. Jetzt jedenfalls freut sich Reich auf die Segelsaison. Er hofft nur, dass die für November bis März angekündigte Schließung der Schleuse nicht verlängert wird, damit die Wassersportsaison 2017 wieder „normal“ verlaufen kann.

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erstellt am 07.Jun.2016 | 07:00 Uhr

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