zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

10. Dezember 2016 | 23:27 Uhr

Gästebefragung in Friedrichstadt : Entspannen im historischen Ambiente

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

50.000 Besucher – Urlauber wie Tagesgäste – zieht es im Jahr nach Friedrichstadt. Vor allem Stadtbild, Geschichte und Grachten locken.

Halb zehn in Friedrichstadt. Die Morgensonne wärmt und taucht das Holländerstädtchen in ein warmes, weiches Licht. „Gut zum Fotografieren“, sagt Annegret Rombach aus Hamburg. Sie will die gut 2500 Einwohner zählende Stadt an der Eider zu Fuß erkunden. Die mitten im Berufsleben stehende Kauffrau hat sich eine dreitägige Auszeit genommen und ein Zimmer in einem der Hotels im historischen Stadtkern gemietet. „Ich finde, Friedrichstadt hat so viel an Geschichte zu bieten. Die will ich hautnah erleben, heute auf eigene Faust mit geliehenem Audioguide vom Tourismusverein Friedrichstadt und Fotoapparat, morgen bei einer Stadtführung“, sagt sie. Wenn sie vor den Bauten der niederländischen Backsteinrenaissance und den Grachten stehe, durchziehe sie Ehrfurcht und Hochachtung vor den Leistungen der Menschen, die das alles geschaffen hätten. 1621 ist die Stadt von Herzog Friedrich III. gegründet worden, daher der Name. Wohltuend empfinde sie, dass es zumindest zu dieser Stunde nicht hektisch zugehe und irgendwie habe sie den Eindruck, dass das Leben in der Stadt gerade nach und nach erst erwache, vielleicht ein wenig wie in der Vergangenheit. Tatsächlich sind nur wenige Menschen unterwegs. Die ersten Gaststätten haben inzwischen geöffnet. Einige Gäste und Einheimische nutzen die Frühstücksangebote, um sie draußen auf dem historischen Marktplatz oder den Terrassen der gastlichen Häuser, oft direkt an den Grachten, zu genießen.

Sowohl junge als auch ältere Menschen zieht es nach Friedrichstadt, sagt Anke Stecher, die Chefin des Tourismusvereins. Die Kinder wollen am liebsten stundenlang auf den Grachten Boot fahren oder sich auf den zahlreichen Spielplätzen tummeln, während die Erwachsenen meist die Historie interessiert. 850 Betten sind vorhanden, die während der Hauptsaison ständig ausgebucht sind – durchschnittlich sechs Tage pro Gast. 50.000 werden durchschnittlich jährlich gezählt, wobei die Tagesgäste überwiegen. Meist werden Zimmer angemietet, weniger Ferienwohnungen. „Friedrichstadt ist das typische Städtereisen-Terrain. Auch viele Hochzeitspärchen kommen hierher“, sagt Stecher.

Der 67-jährige Kieler Hans-Dietrich Friedrichsen ist mit Ehefrau Marlene für einen Ausflugstag angereist. „Wir möchten uns heute die Kirchen ansehen. Ich finde es faszinierend, dass Religionsfreiheit die Stadt geprägt hat. Juden, Lutheraner, Katholiken, Mennoniten und Remonstranten haben friedlich miteinander gelebt“, weiß der Pensionär. Zudem stehe eine Grachtenrundfahrt auf dem Programm und ein Abendessen in einem netten Lokal. Davon gebe es ja genug. „Ich finde die kleinen Läden so schön. Leider gibt es aber auch hier Leerstände“, sagt Hannelore Fritz aus Flensburg. Die 44-Jährige ist mit ihrer Schwester Frieda hergekommen, um sich für einen Tag eine Auszeit zu nehmen. Von freundlichen Menschen überall und davon, dass man die Seele baumeln lassen könne, schwärmt Franz Armbruster aus München. Er habe auch das Lampionfest am vergangenen Wochenende genossen und sei erstaunt gewesen, wie reibungslos und friedlich alles über die Bühne gegangen sei. Leider gingen fünf Tage Aufenthalt im Hotel viel zu schnell vorüber.

Im „Modellbahn-Zauber“ von Sönke Röckendorf herrscht um die Mittagszeit Hochbetrieb. Viele Eltern mit ihren Kindern sowie manch erwachsener Eisenbahnfreund stehen staunend vor der mehr als 100 Quadratmeter großen Fläche mit den computergesteuerten Modelleisenbahnen. Ob Güter- oder Personenzüge – sie fahren wie im echten Leben durch detailgetreu nachgebaute Landschaften. Und auch rundherum tobt das Leben: Busse fahren durch enge Straßen der Stadt, Bagger heben Baugruben aus, Polizei- und Rettungswagen sind im Einsatz. „Ich bin begeistert“, sagt Heinrich Strunk aus Köln. Wie gebannt verfolgt er mit seinen Söhnen Marco (4) und Johannes (8) das Treiben in der Schienen-Landschaft. Ehefrau Astrid trinkt derweil draußen einen Kaffee. Sie will lieber die Sonne genießen. „Wir machen eine Woche Kurzurlaub und haben uns eine Ferienwohnung in der Altstadt angemietet. Das war eine gute Entscheidung“, findet sie. Es gebe so viel zu entdecken. Mit den Kindern werde täglich ein Ruderboot gemietet, um die Wasserstraßen zu erkunden. „Friedrichstadt hat eine interessante Geschichte und wirklich, der Name Klein-Amsterdam ist treffend“, finden die Urlauber. Was auffällig sei, überall werde guter Service geboten und man werde freundlich bedient. Das Team im Tourismus-Büro wisse immer Rat und gebe gute Tipps. Die hätten sie zum Niedrigseilgarten geführt und einige Spielplätze erkunden lassen. „Langeweile gibt es nicht. Man braucht nicht unbedingt raus aus der Stadt zu fahren. Alles ist auch gut fußläufig zu erreichen. Die Preise sind in den meisten Gaststätten familienfreundlich“, schwärmt Strunk.

Gut gefällt Finja (9) und Bruder Lars (10) der Stadtführer für Kids. Die Hannoveraner Jungs sind mit ihren Eltern für einen Tagesausflug von ihrem Urlaubsdomizil auf Nordstrand herübergekommen. „Wir haben mit den Kindern die Stadtrallye mitgemacht. Da kann man was gewinnen und gleich werden wir uns ein Tretboot leihen“, sagt Vater Horst Fechner. Die Stadt sei einzigartig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen