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Husumer Nachrichten

03. Dezember 2016 | 01:16 Uhr

Was sich in Husum verändert – und was nicht : Eisenbahnknoten der Westküste

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Schienenverkehr hat in Husum immer eine wichtige Rolle gespielt – auch wenn es heute wesentlich weniger Gleisanlagen gibt als früher.

Was sich in Husum verändert – und was nicht. In loser Folge beschäftigen sich die Husumer Nachrichten in dieser Serie damit, wo sich in der Storm-Stadt etwas tut und mit welchen Baustellen sich die Husumer seit Jahren beschäftigen. Diesmal werfen wir einen Blick auf den Bahnhof – früher und heute.

 

Husum war immer schon Eisenbahn-Stadt und ein wichtiger Knotenpunkt der 237 Kilometer langen Marschbahn-Strecke zwischen Hamburg-Altona und Westerland auf Sylt. Der Bahnhof selber wurde wurde 1910 als drittes Empfangsgebäude in der Storm-Stadt gebaut und steht heute – mehr als ein Jahrhundert später – fast unverändert da, wenn man von der Eingangstür absieht. Nur das Innenleben wurde mehrfach umgestaltet.

Auf der Gleisseite allerdings hat sich eine Menge getan. Eine richtige Bahnhofshalle überspannte einst großzügig Bahnsteige und Gleise, bis sie im Jahr 2001 wegen Baufälligkeit den heutigen Standard-Dächern weichen musste. Von den einst sieben Gleisen sind heute nur noch vier in Betrieb. Und der große Wasserturm südwestlich der Anlage ist natürlich auch längst abgerissen – mit dem Ende der Dampfloks hatte er seine Existenzberechtigung verloren.

Die fuhren immerhin noch bis 1972 auf der Marschbahn. Während die großen, in Hamburg beheimateten Dampfer der Baureihe 012 in Altona gewartet wurden, war das östlich vom Bahnhof gelegene Husumer Bahnbetriebswerk für die Züge des Nahverkehrs zuständig. Hier wurden nicht nur die Schienenbusse und Akku-Triebwagen gepflegt, die für den Nahverkehr in der Region bis in die 1980er Jahre so typisch waren, sondern auch die über den Hindenburgdamm nach Sylt verkehrenden Autotransportwagen der Bundesbahn repariert und neu aufgebaut. Seit 2006 befindet sich auf dem Gelände das neue Betriebswerk der Nord-Ostsee-Bahn (NOB), die derzeit – noch – das Zug-Angebot auf der Marschbahn stellt. Erhalten geblieben ist aber der alte Rundlokschuppen, der von der NOB als Lagerraum genutzt wird.

Das war aber nicht das einzige Betriebswerk, das es zu den Hochzeiten des Eisenbahnverkehrs in Husum gab. Nördlich des zweiten Empfangsgebäudes, des im Westen der Stadt gelegenen Marsch- beziehungsweise Nordbahnhofs, war das Betriebswerk für den Güterverkehr mit umfangreichen Gleisanlagen beheimatet – in direkter Nähe zum Viehmarkt, so dass Rinder und Schweine hier direkt in die Güterwagen der Viehzüge verladen werden konnten, die über Jahrzehnte auf der Marschbahn südwärts fuhren. Mit dem Ende des Viehmarktes verlor dieses Gelände seine Bedeutung und wurde rückgebaut. Inzwischen erinnern nur noch die Abstellgleise am Nordteil der Westtangente an die einstige, weitläufige Anlage. Autotransportwagen sind heute jedoch wieder in Husum zu finden: Waggons des deutschen Ablegers der US-Firma Railroad Development Corporation (RDC), die mit dem Wagenmaterial als RDC Autozug Sylt in das lukrative Transportgeschäft über den Hindenburgdamm einsteigen will, stehen häufig sowohl im NOB-Betriebswerk als auch auf den Abstellgleisen Husum-Nord.

Der Nordbahnhof selbst wurde nach dem Bau des neuen Empfangsgebäudes zur Haltestelle herabgestuft und sollte schon 1924 ganz geschlossen werden. Bürgerproteste verhinderten das. Bombenschäden sorgten schließlich 1943 für dessen endgültige Stilllegung. Heute beherbergt das Gebäude Dienststellen der Deutschen Bahn AG.

Und das erste Bahn-Empfangsgebäude der Storm-Stadt? Auch diesen sogenannten Englischen Bahnhof, der bereits 1854 mit der Strecke Flensburg-Husum-Tönning in Betrieb ging, gibt es noch – an der Südseite der Poggenburgstraße, westlich des neuen Bahnhofs.

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erstellt am 15.Aug.2016 | 12:00 Uhr

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