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Husumer Nachrichten

01. Juli 2016 | 04:45 Uhr

Mahnaktion vor dem Schlachthof : Einsame Wacht in der stillen Nacht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Statt mit der Familie Weihnachten zu feiern, will Olaf Zeuch mit einer 55-Stunden-Aktion in Husum für einen besseren Umgang mit Tieren demonstrieren. Der Krankenpfleger aus Barkelsby bei Eckernförde hofft darauf, vielleicht den einen oder anderen Sympathisanten begrüßen zu können.

„Wie passt das Töten von Tieren zur weihnachtlichen Friedensbotschaft?“, fragt Olaf Zeuch – und gibt sich gleich selbst die Antwort: „Gar nicht.“ Jedes Jahr, so der 49-jährige Krankenpfleger aus Barkelsby bei Eckernförde, sehe er das gleiche Muster: „Gerade zum Fest meinen die Leute, es mit viel Fleisch auf dem Teller besonders gut zu haben – und verdrängen dabei, wie Millionen Tiere darunter leiden, wie es denen in der Massenhaltung, beim Transport und am Ende beim Schlachten selbst ergeht.“ Daher will er ein Zeichen setzen – und hält vom morgigen Heiligen Abend um 15 Uhr an bis zum zweiten Weihnachtsfeiertag um 22 Uhr eine 55-stündige Mahn- und Trauerwache vor dem Schlachthof an der Maas 10-12. Natürlich auf öffentlichem Grund und Boden und ganz offiziell genehmigt von der Stadtverwaltung.

Gut vorbereitet hat sich Zeuch für seine lange Wacht: „Warme Sachen sind schon eingepackt, eine Feuertonne habe ich auch und schlafen werde ich im Auto“, sagt er. Seinen Posten wolle er nur verlassen, um auf Toilette zu gehen oder mal das Handy aufzuladen – schließlich will er in der Zeit erreichbar sein. Denn immerhin hat er Familie: Seine Frau und seine beiden Töchter von 13 und 15 Jahren feiern das Fest bei seinen Schwiegereltern in Flensburg. „Die wissen, dass ich bei so einer Aktion besser aufgehoben bin als zu Hause und haben mich schon des öfteren ziehen lassen“, sagt er.

Zeuch bezeichnet sich als Vegetarier mit überwiegend veganer Lebensweise und hofft auf das gute Beispiel, dass er seiner Familie gibt: „Ich lebe das vor und hoffe, dass sie es nachmachen. Aber zwingen will ich niemanden.“ Immerhin: Seine Frau esse nur noch wenig Fleisch und sei „fast Vegetarierin“. Die Töchter allerdings mögen schon gerne mal „einen Burger oder Biosalami“. Aber das sei in Ordnung, auch er selber sei erst mit 29 Jahren Vegetarier geworden. „Daher weiß ich, dass es eine gewisse Anlaufzeit braucht, bis sich Tierliebe in der Nahrungsauswahl niederschlägt.“

Vorleben will er auch durch seine Mahnwache: „Ich werbe dafür, Tiere als hochentwickelte Lebewesen anzusehen. Wir haben das große Glück, als Menschen geboren zu sein und sollten uns daher so verhalten, dass ein Rollentausch zwischen Mensch und Tier jederzeit möglich ist – ohne Schmerzen für eine Seite.“ Gerechtigkeit für die Mitgeschöpfe will er und „aufrechten Umgang mit allen Tieren“.

Eine solche Mahnwache hält er zum ersten Mal, aber „mein Aktionismus begann schon vor zwei Jahren“, erzählt er. „Zum Beispiel bin ich in der Partei ,Mensch Umwelt Tierschutz‘ aktiv und sammele Unterschriften für die Teilnahme an der Europawahl.“ An Protesten gegen Wildtierhaltung im Zirkus habe er ebenfalls bereits teilgenommen. „Und ich wollte auch einen Gnadenhof für Schlachttiere gründen.“ Das scheiterte am Ende an geeigneten Räumlichkeiten und den finanziellen Mitteln. „Da habe ich mich dazu entschlossen, auf einem bereits existierenden Gnadenhof in Eckernförde mitzuarbeiten.“

Aufrütteln will er mit seiner Aktion in Husum und Denkanstöße geben: „Die Menschen kennen doch das Leid der Schlachttiere, wie können sie da ohne ein schlechtes Gewissen deren Fleisch essen oder aber auch grausame Tiertransporte quer durch Europa tolerieren?“ Das will ihm einfach nicht in den Kopf.

Und so hofft er, dass auch andere in der Storm-Stadt oder deren Umgebung ähnlich denken wie er selbst – und es zeigen: „Ich wäre sehr glücklich, wenn es keine ganz einsame Wacht für mich wird über die Weihnachtsfeiertage“, sagt er. „Vielleicht kommt ja der eine oder andere für kurze oder längere Zeit dazu – um sich zu unterhalten, mir ein bisschen Gesellschaft zu leisten oder aber einfach nur seine Solidarität zu bekunden.“ Freuen würde er sich über jeden: „Normale Bürger oder vielleicht auch Politiker, die ein Zeichen setzen wollen – mir ist jeder einzelne hier willkommen.“

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erstellt am 23.Dez.2013 | 17:00 Uhr

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