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Husumer Nachrichten

25. September 2016 | 04:00 Uhr

Die grüne Insel mitten im Watt : Einmal Pellworm, immer Pellworm – oder nie wieder

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Urlaubsziel will andere Gäste als seine Nachbarinseln ansprechen: Ruhesuchende, Naturfreunde oder Fans der regenerativen Energiegewinnung.

Sylt, Föhr und Amrum punkten bei ihren Gästen vor allem mit weiten Sandstränden oder einem regen Nachtleben. Und Pellworm? Sandstrände gibt es nicht, von einem „Nachtleben“ kann ebenfalls kaum die Rede sein. Kurdirektor Björn Hoppe erklärt, für wen die sogenannte „grüne Insel mitten im Watt“ trotzdem das richtige Urlaubsziel sein könnte: Für Touristen, die die Ruhe und die Ursprünglichkeit zu schätzen wissen – und diejenigen, die auch gut ohne Animateur und Disco auskommen.

Hoppe ist seit Januar 2015 auf Pellworm. „Bei uns sind vor allem Entspannungssuchende, Entschleuniger und Naturfreunde richtig“, sagt er. Trauungen finden auf dem Leuchtturm, auf benachbarten Halligen oder Sandbänken statt, einmal jährlich werden die Rosentage gefeiert und die 18 Inselkünstler lassen sich sowieso von der Natur inspirieren, die sie umgibt. Und so wird auf Pellworm auch gefeiert: Bootskorso oder Hafenfest punkten vor allem mit Gemütlichkeit. Als Höhepunkt gelten in beiden Fällen die Buffets mit selbstgebackenen Torten der Landfrauen.

„Unsere Gäste sind vor allem junge Familien mit Kindern bis 14 Jahren oder Paare, gern auch mit ihrem Vierbeiner“, sagt Hoppe. „Für Kinder ist die Insel ideal und gleichzusetzen mit echter Freiheit. Sie können hier allein mit dem Rad unterwegs sein und überall klopfen, um nach dem Weg zu fragen. Man muss mit den Insulanern nicht erst lange warm werden. Auch das trägt dazu bei, dass sich unsere Gäste schnell wohlfühlen.“ Ältere Jugendliche lassen sich von der Insel dagegen eher selten begeistern, gibt er zu.

Während der Tourismus auf den Nachbarinseln teilweise seit mehr als einhundert Jahren von großer Bedeutung ist (Westerland auf Sylt wurde 1855 zum Seebad), stand der Fokus auf Pellworm noch lange Zeit auf Landwirtschaft, später kamen auch die Regenerativen Energien hinzu. 1983 wurden die ersten 17.568 Solarmodule des Hybridkraftwerks mit der dazugehörigen Windenergieanlage in Betrieb genommen.

Als in den 1950er und 60er Jahren anderswo die Touristen in Scharen kamen, blieb es auf Pellworm noch verhältnismäßig ruhig. Zwar existieren Fotos von Pellwormer Touristen bereits aus dem Jahr 1914 – allerdings habe es sich bei den Abgelichteten um Gäste und deren Familien gehandelt, die ein Zimmer gegen Mithilfe auf Bauernhöfen bekommen hätten, sagt Hoppe.

Inzwischen hat sich das aber etwas geändert. Es gibt Möglichkeiten zum Camping in der Natur, Ferienhäuser, -wohnungen und Hotels. Trotzdem hat die Insel nichts von ihrem ursprünglichen Charme verloren, sagt Hoppe. Er ist seit einiger Zeit auch verstärkt auf Tourismus-Messen vertreten, „um direkt am Gast aktiv zu sein“ und die Insel so bekannter zu machen. Etwa 1900 Gästebetten in 584 verschiedenen Objekten gibt es auf der Insel momentan – Hotelburgen sind keine dabei. Vor allem in der Vor- und Nachsaison sowie im Winter sind diese aber kaum ausgebucht. Doch auch das entwickele sich immer besser, sagt Hoppe. Die Übernachtungszahlen (2015 waren es etwa 153.000) steigen, immer mehr Urlauber seien auch über Silvester und Weihnachten da. Mittelfristig wünscht sich Björn Hoppe einen Zuwachs auf 3000 Betten und irgendwann auch 300.000 Übernachtungen. Nur so könnten dauerhaft Arbeitsplätze geschaffen und die Existenz der Betriebe und die Infrastruktur gesichert werden, sagt er.

Gerade ist der Spatenstich für 38 wohngesunde Vier-Sterne-Häuser erfolgt. 300 Betten sollen bis zum Frühjahr 2018 in dem Feriendorf im Süden der Insel entstehen. Autoverkehr soll zwischen den Einheiten nicht zugelassen sein. Denn auch dabei will man auf Pellworm den Themen Umweltbewusstsein und Erneuerbare Energien treu bleiben. Kürzlich ist unweit des Hafens die erste Strom-Tankstelle für Elektrofahrzeuge in Betrieb gegangen.

Mit den Nachbarinseln will und kann Pellworm sich trotzdem nicht messen. Das Alleinstellungsmerkmal steht im Fokus und auch der schmale Grat zwischen der Suche nach neuen Urlaubern und Traditionsbewusstsein soll weiterhin gegangen werden. Wer die Insel aber einmal zu schätzen gelernt hat, der komme auch wieder – „wir haben einen extrem großen Stammgast-Anteil“, sagt Hoppe. Schließlich scheint es nicht von ungefähr zu kommen, dass es heißt: „Einmal Pellworm, immer Pellworm – oder nie wieder.“

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erstellt am 20.Sep.2016 | 14:45 Uhr

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