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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 11:33 Uhr

Pole-Poppenspäler-Tage : Einmal Elvis – immer Elvis

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der „King“ äußert sich im Interview über sein abenteuerliches Leben als Puppe an der Seite von Neville Tranter. „The King“ ist eine der Inszenierungen des laufenden Internationalen Figurentheater-Festivals.

Neville Tranter gilt als einer der ganz Großen seines Fachs. Seit Jahrzehnten ist der gebürtige Australier regelmäßiger Gast des Internationalen Figurentheater-Festivals in Husum. Seine Stücke haben es in sich – reichen von bedrückenden Einblicken in Innenwelten der Psychiatrie („Room 5“) bis hin zu den letzten Tagen im Führerbunker („Schicklgruber“), an denen er schon lange vor der Aufsehen erregenden Verfilmung mit Bruno Ganz in der Hauptrolle gearbeitet hat. Wenn er eine Inszenierung nicht mehr spielt, werden Teile der Requisiten und Figuren für die nächste weiterverwendet– eine spezielle Form von Nachhaltigkeit. Die Husumer Nachrichten sprachen mit einem seiner Stars, dem „King“ alias Elvis Presley, der am Sonntag, 25. September 2016, um 15.30 und 18 Uhr, in die Aula der Hermann-Tast-Schule kommt.

Sie sind tot, aber noch immer der King, den Sie jetzt auf der Bühne wieder auferstehen lassen. Das erfordert eine robuste Psyche, oder?

King: Meine Geschichte ist nur eine von vielen, aber ich glaube, es ist wichtig, dass sie erzählt wird. Das ist auch keine Frage der Psyche. Ich bin der King und unsterblich – zumindest in der Erinnerung meiner Fans.

Sind Sie eigentlich schon recycelt worden oder ist an Ihnen alles noch original?

Ich bin eigens für diese Inszenierung kreiert worden und so speziell, dass ich in keine andere hineinpassen würde. Ich kann natürlich nicht ausschließen, dass mir eines Tages ein Auge ausfällt. Aber das wäre nicht wirklich ein Problem. Der Puppenspieler hat ganze Koffer voller Augen und weiß bestimmt, wie man es ersetzt.

Und wissen Sie schon, was der Boss danach mit Ihnen vorhat?

Wenn alles nach Plan läuft, werde ich für immer auf Tour sein. Manche Puppen landen ja irgendwann in der dunkelsten Ecke eines Dachbodens. So ein Schicksal erwartet mich natürlich nicht.
Ich bin schließlich der King.

Was ist das für ein Leben – so als Puppe?

Kurz, aber erfüllend.

Und wie ist das Verhältnis zu Ihrem Chef, zu Neville Tranter?

Nun, ohne ihn wäre ich niemals der King geworden. Deshalb sollte ich ihm dankbar sein. Aber manchmal geht mir sein Kontrollwahn ganz schön auf die Nerven. Dann könnte ich ihn würgen.

Hitler, Moliere, Frankenstein, jetzt der King – würden Sie gern auch mal was Leichtes spielen, eine Komödie zum Beispiel?

Mein Leben ist eine Tragödie, aber eine, die mit Humor erzählt wird. Wissen Sie, Tragödien haben immer auch ihre amüsanten Seiten – wie Komödien ihre tragischen. Denken Sie nur an den Komödianten, der auf der Bananenschale ausrutscht.

Und was macht die Pole-Poppenspäler-Tage für Sie als vielgereiste Puppe so besonders?

Die Frauen, die während des Festivals hier arbeiten – unentgeltlich und aus einer tiefen Begeisterung für das Puppenspiel. Das sagt jedenfalls Neville. Ich war ja noch nie hier, aber ihm gibt das immer das Gefühl, nach Hause zu kommen.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 14:00 Uhr

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