zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

27. Juni 2016 | 00:45 Uhr

Goldenes Jubiläum und weniger Stellen : Einige werden von Bord gehen müssen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Schleswig-Holsteins Innenminister Andreas Breitner kam zum 50. Geburtstag des Reviers Husum der Wasserschutzpolizei - und musste von Stellenabbau reden.

Ein 50. Geburtstag ist ein Grund zum Feiern und zum Erinnern – möglichst an gute Zeiten. Das runde Jubiläum des Reviers Husum der Wasserschutzpolizei (WSP), das am Donnerstag (7. August) gewürdigt wurde, war jedoch von den Zukunftsplänen des schleswig-holsteinischen Innenministers überschattet. Dies wusste Andreas Breitner. Er war der prominenteste Redner beim Festakt im Zelt vor dem WSP-Gebäude am Husumer Außenhafen. Der oberste Dienstherr plant, bis 2020 insgesamt 122 von rund 8000 Stellen bei der Polizei zu streichen. Die Wasserschutzpolizei ist mit 60 bis 80 Stellen betroffen.

Frei nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ stellte Breitner die Kürzungspläne in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Er unterstrich gleich zu Beginn: „Ich habe noch keine Entscheidung getroffen. Ich habe auch keine Vorfestlegungen in meinem Hinterkopf. Ich warte auf das Votum der Polizeiführung und werde dann sagen, wo Aufgaben verringert oder wegfallen werden, und welche personellen Folgen dies haben wird.“ Dennoch steht bereits eine Zahl für Husum im Raum. Sieben Stellen könnten vermutlich wegfallen, erklärte der Pressesprecher des Reviers, Wolfgang Boe, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Zum Husumer Revier, das zurzeit eine Personalstärke von rund 40 Beamtinnen und Beamten hat, gehören die nachgeordneten Stationen Helgoland, Büsum, Wyk auf Föhr und List auf Sylt. 1964 war das damalige Wasserschutzpolizeirevier Tönning nach Husum verlegt worden. Der Pressesprecher nannte als Grund, dass eine vom Standort Büsum weiter entfernte Station geschaffen werden sollte. Der Verantwortungsbereich umfasst die Küstengewässer und Häfen von der Elbmündung über Helgoland bis zur dänischen Grenze sowie die Flüsse Eider und Treene. Boe sorgt sich nun, wie es mit den Ein-Mann-Stationen in Wyk und List weiterlaufen wird.

Zu den Gratulanten zählten auch die nordfriesischen CDU-Landtagsabgeordneten Astrid Damerow und Klaus Jensen. Sie erklärten, dass zusammen mit dem Revier Flensburg eine Streichung von 15 Stellen vorgesehen sei. „Ein Arbeiten mit so knapper Personaldecke ist schon unzumutbar“, kritisierte Damerow. Eine Stellenstreichung sei nur vorstellbar, wenn Aufgaben der Wasserschutzpolizei gestrichen würden, ist sie sich mit Jensen einig.

Allein mit seiner Beschreibung des „5-Sterne-Reviers“ Husum führte dessen Leiter Ingo Berger deutlich vor Augen, dass es genügend Arbeit für ihn und sein Team gibt: „Unser Revier ist geprägt von dem größten Fischereihafen an der Westküste in Büsum, dem Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer, von Helgoland, der einzigen deutschen Hochseeinsel mit einem bedeutsamen Offshore-Windkraft-Servicehafen und der allgemein polizeilichen Verantwortung der dortigen WSP-Station – die sind auch für häusliche Gewalt zuständig –, der einzigen deutschen Offshore-Ölförderplattform, der Mittelplate, und der Insel- und Halligwelt.“ Berger stellte im Zusammenhang mit dem Watt ein Aufgabenfeld heraus: „Wir sind Auge und Ohr des Nationalparks.“ Dieser besonders geschützte Naturraum, der im Jahr 1985 eingerichtet worden ist, umfasst immerhin eine Fläche von 445.000 Hektar.

Der Innenminister erinnerte die geladenen Gäste an den Grund für diesen Stellenabbau, der auf einen Beschluss der Landesregierung zurückgeht, rund 4600 Stellen in der Landesverwaltung, zu der auch die Polizei zählt, zu streichen. Breitner: „Sonst erhalten wir vom Bund nicht die jährliche Konsolidierungshilfe in Höhe von 80 Millionen Euro.“ Darauf könne das Land nicht verzichten. Schleswig-Holstein brauche das Geld, um auf Sicht aus den Schulden herauszukommen.

Zu seinen Zuhörern gehörten unter anderem Dirk Petersen, Leiter der Wasserschutzpolizei Schleswig-Holstein, Nordfrieslands stellvertretender Landrat Jörg-Friedrich von Sobbe, der Direktor des Landesbetriebes für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz mit Sitz in Husum, Dr. Johannes Oelerich, sowie der Leiter der Nationalparkverwaltung in Tönning, Dr. Detlef Hansen. Außerdem hatten sich zahlreiche Pensionäre des Reviers eingefunden. Vor allen versicherte Breitner nachdrücklich: „Schleswig-Holstein als Land zwischen den Meeren und mit dem Nord-Ostsee-Kanal quer durchs Land wird auch in Zukunft eine eigenständige Wasserschutzpolizei haben, die ihre Kernaufgaben in den Bereichen Einsatz und Ermittlung weiterhin effektiv wahrnehmen wird.“ Der Minister wollte deshalb „50 Jahre Wasserschutzpolizeirevier Husum“ als Anlass verstanden wissen, „den Blick nach vorne zu richten, den Kompass neu zu justieren und auf neue Horizonte zuzusteuern“. Andreas Breitner ist nach seinen Besuchen in allen Dienststellen der Wasserschutzpolizei überzeugt, dass letztlich alle Beamtinnen und Beamten der Wasserschutzpolizei wissen, dass „die Maßstäbe der Organisationsuntersuchung und die sich daraus ergebenden Folgen sachlich-fachlich nachvollziehbar sind“.

Als Beweis für die „erheblichen Anstrengungen“ der Landesregierung für mehr Sicherheit auf See wertete Minister Breitner, dass der Dienststelle in Husum das Küstenboot „Sylt“ sowie drei neue mobile Streifenboote zur Verfügung gestellt werden konnten. Und damit nicht genug: Im November steht die Indienststellung des neuen Küstenbootes „Helgoland“ für das nordfriesische Revier auf dem Plan. Breitner stellte heraus: „Der Auftrag zum Bau erfolgte nach Abschluss des Bootskonzeptes – nachdem die Ausrüstung der Wasserschutzpolizei Schleswig-Holstein mit vier neuen Küsten-, zwei Strecken- und elf Streifenbooten bereits umgesetzt war.“ Das Boot „Helgoland“ soll der „letzte Mosaikstein“ sein – mit der Taufe wird die 41 Jahre alte „Helgoland“ außer Dienst gestellt: „Dann sind wir modernst aufgestellt.“

Der Innenminister verabschiedete sich von den Husumer Einsatzkräften mit lobenden Worten und Dank für „ein halbes Jahrhundert Engagement, Kompetenz und Stärke im Team“.

 

 

Breites Aufgabenfeld

 

Die Terrorabwehr, die nach den Anschlägen des 11. Septembers 2001 in Deutschland zu strengeren Hafensicherungsgesetzen führten, sind eine höchst personalintensive Angelegenheit für das Husumer Revier geworden. „In diesem Jahr legten 35 Kreuzfahrtschiffe vor Helgoland und den nordfriesischen Inseln an – und es werden immer mehr. Die Kontrollen dieser Riesenschiffe erfordern sechs Mann“, erläutert Pressesprecher Wolfgang Boe. Zu den Hauptaufgaben der Wasserschutzpolizei gehören zudem die Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Aber auch die Fischereiaufsicht auf See und die Überwachung des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer obliegen der Hoheit der Beamten. Mit zwei Küstenstreifenbooten – der „Sylt“ mit Standort Husum und der „Helgoland“ mit Heimathafen Büsum – werden regelmäßig dreitägige Streifenfahrten in der Deutschen Bucht unternommen – Mission: Sicherung des Schiffsverkehrs. Für polizeiliche Tätigkeiten auf Eider und Treene stehen kleinere Boote zur Verfügung.

 

zur Startseite

von
erstellt am 08.Aug.2014 | 07:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen