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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 16:30 Uhr

Fiddleschool in Breklum : Eine Woche mit viel Musik und Freude

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

135 Folkmusiker aus aller Welt haben sich zur „Haugaard Fiddleschool“ im Christian-Jensen-Kolleg in Breklum zusammengefunden und loben Unterricht und Gemeinschaft.

Aus den geöffneten Fenstern des Christian-Jensen-Kolleg dringt Streichmusik. Draußen scheinen sich die Blätter an den Bäumen sanft im Takt der Geigen- und Celloklänge zu wiegen. Auch in diesem Jahr haben sich wieder 135 Folkmusiker aus aller Welt zu Harald Haugaards 8. Fiddleschool in Breklum zusammengefunden. Eine Woche lang haben die Teilnehmer zusammen getanzt, gesungen und musiziert.

Das Teilnehmerfeld ist gemischt. „Hier gibt es viele Kulturen und Sprachen, auch Altersunterschiede. Aber die Musik verbindet uns“, sagt Inga Ziska aus Berlin. „Manche sprechen kaum Englisch, aber wir haben die Musik – und das ist eine starke Sprache“, ergänzt Harald Haugaard. „Wir spielen, tanzen und singen hier nicht nur, Musik schafft auch Freundschaften.“ Der dänische Geigenvirtuose ist Professor an der Musikhochschule in Odense. Vor einigen Jahren gründete er die Fiddleschool, die erstmals 2008 in Solingen mit 35 Schülern stattfand. Seit 2011 ist sie im Sommer in Breklum angesiedelt. „Ich habe einen Ort gesucht, der im deutsch-dänischen Bereich liegt. Und hier oben sind wir richtig.“

Auch die Teilnehmer sind vom Christian-Jensen-Kolleg begeistert. Sie können zwischen Einzelzimmern, Familienunterkünften und Campingplätzen wählen. „Die Einrichtung ist super. Das Niveau von Verpflegung und Sauberkeit ist sehr hoch“, lobt der 58-jährige Nils Meyn, der auf dem Gelände zeltet. Die Weiten der nordfriesischen Landschaft seien idyllischer Bonus. In der Fiddleschool gibt es keine Notenblätter. Die Schüler lernen, nach Gehör zu spielen. „Musik ist viel mehr, als man auf einem Stück Papier lesen kann. Und wenn man es nach Gehör lernt, vergisst man es nicht mehr“, sagt Haugaard. Atmosphäre, Stimmung und Interpretation seien etwas ganz anderes.

„Man gewöhnt sich daran“, sagt Andrea Dubbeldam. Die 47-Jährige ist zum ersten Mal bei der Fiddleschool dabei. Die Breklumerin spielt seit vier Jahren in einer irischen Band. „Immer, wenn ich hier im Sommer vorbeilief, habe ich die Musiker spielen gehört“, erzählt sie.

Vormittags sind die Teilnehmer in fünf Kategorien – von Anfängern bis Profis – eingeteilt. Es gibt auch eine Cello-, eine Gesangs- und eine Ensemble-Klasse. Es finden drei Lerneinheiten von jeweils einer Dreiviertelstunde statt. „Man kriegt die Musik nicht mehr aus dem Kopf“, sagt Ziska. „Es geht immer weiter – nach dem Unterricht unternehmen wir andere musikalische Dinge.“ Nachmittags werden Workshops wie Tanz oder Gesang angeboten. An einem Tag ist auch ein Geigenbauer zu Gast und erklärt sein Handwerk. Nach dem Abendessen fährt die Gruppe mit den Instrumenten an den Dockkoog oder setzt sich ums Lagerfeuer. „Ich bin früher schon als Besucher hier gewesen“, erzählt Karolin Holtgrewe, ihr Mann nahm bereits vor ihr an der Fiddleschool teil. „Ich hatte trotzdem das Gefühl, dazuzugehören. Es ist eine sehr offene Atmosphäre. Und die Lehrenden sehen sich als ein Teil davon.“ Das neunköpfige Lehrerteam besteht aus Weltklasse-Geigern. „Das sind alles Freunde und Kollegen von mir“, erklärt Haugaard. „Ich überrede sie jedes Jahr aufs Neue.“ Kevin Henderson ist einer davon. Bereits zum siebten Mal bringt der 39-Jährige von den schottischen Shetlandinseln den traditionellen Musikstil seiner Heimat mit nach Nordfriesland. „Es ist immer eine tolle Woche. Das ganze ist auch ein sozialer Treffpunkt“, sagt der professionelle Geiger. Einige Studenten kommen jedes Jahr.

So wie Meghan Perdue, die im Alter von drei Jahren angefangen hat, Geige zu spielen. Die heute 21-jährige US-Amerikanerin nimmt zum fünften Mal mit Eltern und Geschwistern teil. „Die Musik und die Leute hier inspirieren mich“, sagt die Musikstudentin aus Nashville. Die Musikstile, die hier aufeinander treffen, faszinieren sie. „Es ist ein Verschmelzen von Religionen, Nationen und Musikstilen. Am Ende gehen wir als Freunde auseinander und spielen die Musik der anderen.“

Für dieses Jahr war die Fiddleschool schon vor Weihnachten ausgebucht. Die Vorbereitung für 2017 läuft bereits. Nelly Eder, eine ehemalige Teilnehmerin aus Kiel, unterstützt Haugaard bei der Organisation. „Es ist ein großer Koloss an Arbeit“, sagt er. „Aber gerade in der heutigen Welt, wo so viel polarisiert wird, ist es schön, zusammen zu kommen. Dann teilt man alles, Leute vergessen ihre Konflikte. Wir verbringen eine Zeit voll guter Laune, Frieden und Freundschaft.“

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