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Husumer Nachrichten

28. September 2016 | 07:07 Uhr

NS-Vergangenheit : Eine Tafel soll an das Grauen erinnern

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Husums Mitglieder im Ausschuss für Schule, Kultur und Sport befassen sich mit der Stadt im Nationalsozialismus

Morgens und abends wurden sie auf dem Weg zum Friesenwall durch Husum getrieben. Dort leisteten sie in notdürftiger Kleidung Schwerstarbeit, während sie ständigen Misshandlungen und den eisigen Temperaturen ausgeliefert waren. Von September bis Dezember 1944 wurden etwa 2500 Inhaftierte im KZ-Außenlager Husum-Schwesing gefangen gehalten. In dieser kurzen Zeit kamen über 300 Häftlinge ums Leben.

Die Geschehnisse aus der Zeit des Nationalsozialismus wurden in Husum lange tot geschwiegen. Erst Anfang der 1980er Jahre beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe mit dem Thema. 1983 veröffentlichte sie die Geschichte des Lagers und richtete eine Gedenkveranstaltung aus.

Auf der Gemarkung Engelsburg, dort wo die Kriegsgefangenen einst in Baracken lebten, errichtete man eine KZ-Gedenkstätte, die seitdem stetig ausgebaut wurde. Doch bis heute findet sich in der Husumer Innenstadt kein Erinnerungszeichen an dieses Kapitel der Husumer Vergangenheit. Der Freundeskreis der KZ–Gedenkstätte trug im vergangenen Jahr bereits die Idee eines zentralen Denkmals in der Innenstadt an den Hauptausschuss heran. Damals wurde allerdings kein Antrag gestellt – und es passierte nichts. Dies will der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) nun ändern und hat auf der jüngsten Ausschusssitzung für Schule, Kultur und Sport einen Antrag auf eine Gedenktafel gestellt.

Der SSW befürworte „ein deutlich sichtbares Hinweisschild im öffentlichen Raum auf dem Gebiet der Stadt Husum“, das auf die Gedenkstätte in Schwesing hinweist. Zudem beantragte er den Beitritt der Stadt zum Freundeskreis.

„Gerade in Zeiten von wiederaufkeimender Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ist es notwendiger denn je, eine Erinnerungskultur vor Ort zu entwickeln, um das demokratische Bewusstsein zu fördern“, sagte SSW-Fraktionsvorsitzende Peter Knöfler.

Dieses Anliegen löste bei Anwesenden der SPD- sowie WGH-Fraktion Unruhe aus. Allerdings nicht, weil sie gegen die Idee sind, sondern weil der Antrag erst einen Tag vor der Sitzung herumgeschickt worden sei. Die Mitglieder hätten somit keine Möglichkeit gehabt, das Anliegen in ihren Fraktionen zu besprechen, um für diese eine Stimme abzugeben. Deswegen zog der SSW seinen Antrag vorerst zurück.

An der Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit wurde allerdings nicht gezweifelt. Lothar Pletowski (CDU) wies auf den Besuch einer französischen Delegation hin, die alle paar Jahre nach Husum kommt, um die KZ-Gedenkstätte zu besuchen. Man esse gemeinsam und tausche sich aus. Anschließend werde ein Kranz niedergelegt. „Ein Zeichen muss nicht unbedingt materiell sein – es kann auch immateriell sein – und dieser Austausch ist so eins“, sagte der stellvertretende Bürgervorsteher. Abgesehen davon befürworte er die Aufstellung einer Tafel in der Innenstadt.

Die Ausschuss-Mitglieder zeigten sich insgesamt gegenüber dem Ausbau der KZ-Gedenkstätte offen. Dennoch wurde das Thema vorerst auf die nächste Sitzung am 8. November vertagt.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 12:30 Uhr

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