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Motorradgottesdienst in Husum : Eine Silberhochzeit mit ganz viel PS

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Motorrad-Saison ist eröffnet: Mehr als tausend Biker beteiligten sich am Korso – und feierten danach einen ungewöhnlichen Gottesdienst.

Allen meteorologischen Unkenrufen im Vorfeld zum Trotz: Zur Eröffnung der Motorrad-Saison am Ostersonntag zeigte sich das Wetter von seiner für diese Jahreszeit bestmöglichen Seite. Die Robert-Koch-Straße in Husum, aus der die Veranstalter ein Biker-Event-Areal mit Motorrad-Fahrsimulator und abwechslungsreichem Programm gemacht hatten, bildete den Ausgangspunkt für den traditionellen Motorrad-Korso. Die „Wallfahrt“ führte die nach Angaben der Polizei 1200 bis 1400 Teilnehmer durch das Husumer Gewerbegebiet über die Gemeinden Horstedt, Arlewatt, Olderup, Immenstedt, Schwesing und den Husumer Ortsteil Rödemis zum Marktplatz der Kreisstadt.

Dort erwartete die Biker dann Livemusik der Thorge Schöne Band, bevor Pastor Lars Lemke den 33. Motorrad-Gottesdienst (kurz: Mogo) zelebrierte. „Liebe Bikerfreunde, liebe Mogo-Gemeinde: ,Christ ist erstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!‘ – so lautet der Oster-Jubel-Ruf in der ganzen christlichen Welt“, begann er seine Predigt. „Fast trotzig klingt diese frohe Botschaft angesichts weltweiter Christenverfolgungen und fanatischer Bombenanschläge in unseren Kirchen – sie ist heute genauso eine Provokation wie damals in Jerusalem. Denn dieser Satz ist ein Einspruch des Lebens gegen den Tod, er ist Einspruch der Liebe gegen den Hass und er fordert uns zur Vernunft statt der Wut Raum zu lassen“, so der Seelsorger.Und weiter: „Dabei ist uns die Faust oft viel näher, haben wir doch Verständnis für militärische Aktionen, weil jahrelanges Reden und Verhandeln im Endeffekt einem Wegschauen gleichkamen – wir wünschen uns klare Kante statt Gerede. Davon haben auch die Anhänger Jesu, seine Jünger, wohl geträumt: Jesus, das ist ihr Anführer, ihr Präsident, ihr König, ihr Held.

Schließlich sei er – Jesus – es, der dem Establishment die Stirn biete, sagte Lemke. So hätten nicht nur die Jünger von dem Reich Gottes geträumt, „das nun endlich anbrechen sollte“. Schluss mit Streit und Gewalt – endlich Gerechtigkeit, die niemanden übersehe und jedem Menschen seine Würde zubillige, die einen nicht schräg’ ansehe und als erstes „Was willst du denn hier?“ frage. Endlich frei sein in allem Denken und Tun, weil in jedem Menschen die Liebe Gottes zu allem Lebendigen an erster Stelle stehe und damit die Gräuel unserer Zeit überwinde. Endlich frei sein von den Ängsten unserer Zeit, zu kurz zu kommen, nicht geliebt zu sein, sich als Nummer zu fühlen, und als Mensch übersehen und überhört zu werden. Endlich fröhlich und herzlich einander begegnen – „wie hier beim Mogo“, auch wenn man sich fremd sei. „Alles ein Traum, gewiss, damals wie heute“, stellte Lemke fest. „Aber ganz nah dran, die Jünger. Sie dachten, ihr Traum sei Wirklichkeit geworden und voller Begeisterung zogen sie mit Jesus durch das Land.“

Zwei Trau-Zeremonien vollzog der Pastor dann: Anne und Ricky Matthiesen aus Hamburg sind zwar schon mehr als sieben Jahre standesamtlich verheiratet, wollten sich aber gern vor der großen Biker-Gemeinde auch kirchlich das Jawort geben. Anne Matthiesen stammt aus Leck, wo im Anschluss an den Gottesdienst eine große Feier anstand. „Wir werden mit 60 Gästen unsere erste kirchliche Trauung feiern“, sagte die glückliche Braut.

Etwas länger schon, nämlich im Juli 25 Jahre, sind Bettina und Jürgen Westphal aus Mildstedt verheiratet. „Wir besuchen bereits seit vielen Jahren den Mogo, und vor fünf oder sechs Jahren hatte meine Frau die Idee, in diesem Rahmen die silberne Hochzeit zu feiern“, erklärte Jürgen Westphal.

Rundum zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung war auch Thomas Jacobsen, stellvertretender Leiter des Polizeireviers Husum. Mit neun seiner Mitarbeiter, davon drei auf einem Dienst-Motorrad, begleitete er den Korso und den Gottesdienst. Er habe zwar gehört, dass es während des Korsos zu einigen Disziplinlosigkeiten gekommen sein soll. „Alles verlief aber unfallfrei und ohne besondere Vorkommnisse – es war wieder eine ebenso routinierte wie sehr harmonische Zusammenarbeit aller Beteiligten“, sagte er.

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