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Husumer Nachrichten

05. Dezember 2016 | 13:37 Uhr

Aus für Geburtshilfe Niebüll : „Eine Katastrophe für den Norden“

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach dem vorläufigen Aus der Geburtshilfe in Niebüll schalten sich die Kommunen ein. Sie wollen mit den Krankenkassen und der Landesregierung verhandeln.

„Wie eine Bombe“ ist im Norden des Kreises und auf den Inseln die Nachricht eingeschlagen, dass die geburtshilfliche Abteilung der Klinik Niebüll aufgrund des Hebammen-Mangels von heute an ihren Betrieb zumindest vorläufig einstellt. So formulieren die Stadt Niebüll, die Gemeinde Leck und das Amt Südtondern in einer gemeinsamen Erklärung ihre Betroffenheit.

Noch Mittwochabend waren die Spitzen der Kommunen zur Krisenrunde zusammengekommen, um ihr Vorgehen in der „für den Norden Nordfrieslands katastrophalen Entwicklung“ abzustimmen. Die Sorge geht um, dass aus der vorübergehenden eine dauerhafte Schließung des Kreißsaales und der Entbindungsstation werden könnte.

„Um zu retten, was zu retten ist“, wollen Bürgermeister, Bürgervorsteher, Amtsvorsteher und Amtsdirektor umgehend Kontakt zu den Krankenkassen und zur Landesregierung aufnehmen, um ihre Position nachdrücklich deutlich zu machen – auch wenn die Sicherstellung der klinischen Versorgung nicht zu den gemeindlichen Aufgaben zählt. „Aber die Not erfordert erneut ein Eingreifen der gemeindlichen Ebene und die Einforderung der Übernahme von Verantwortung für einen ländlichen Raum, der bei einem Wegbrechen der klinischen Versorgung am Standort Niebüll im Schnitt eine knappe Stunde Fahrzeit zur nächsten Klinik in Flensburg oder Husum in Kauf nehmen muss“, heißt es dazu in der Stellungnahme.

Gewarnt wird vor einem Einstieg in eine weitere Reduzierung des klinischen Angebotes für die Menschen im Norden Nordfrieslands. Im Schulterschluss mit der Bürgerinitiative „S.O.S. - Klinik in Not“ verlangen die drei Kommunen von den Kassen und vom Land auch eine Antwort auf die Frage, an welchen Maßstäben die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse gemessen wird. Denn ein Wegbrechen der klinischen Versorgung im Nordwesten Schleswig-Holsteins würde einen weißen Fleck auf der Landkarte hinterlassen, der mit keiner anderen Region im Land zu vergleichen sei.

„Wenn Schleswig-Holstein nach der Schließung der Entbindungsstationen auf Sylt und Föhr und nun in Niebüll nicht mehr in der Lage ist, dafür zu sorgen, dass gerade der Start ins Leben an allen Punkten des Landes unter weitgehend vergleichbaren Rahmenbedingungen gut gelingen kann, hat verantwortliche Strukturpolitik versagt.“ Diese konzentriere sich zunehmend nur noch auf die Zentren und immer weniger auf den ländlichen Raum, so der Vorwurf.

Schon bald nach dem März-Beschluss des Kreistages zur Schließung der Klinik Tönning und zur Sicherung des defizitären Klinikstandortes Niebüll habe es erste Signale gegeben, dass die erwarteten Sicherstellungszuschläge zur Absicherung des Klinikstandortes keineswegs gesichert sind, so die Südtonderaner zur Vorgeschichte. Ein derartiger Sicherstellungszuschlag wird in Höhe von 2,2 Millionen Euro von den Kassen jährlich für die Klinik in Wyk gezahlt. Über eine ähnliche Lösung für Niebüll hat es zwar Gespräche mit den Land und den Kassen gegeben. Diese halten sich zurzeit allerdings bedeckt, erläuterte der Verwaltungschef des Klinikums Nordfriesland, Christian Volquardsen, auf Anfrage. Denn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das höchste Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen, ist erst noch dabei, Vorgaben für die Vergabe von Sicherstellungszuschlägen zu definieren. Der G-BA hat vom Gesetzgeber den Auftrag, über Leistungsansprüche rechtsverbindlich zu entscheiden. Da die Beratungsergebnisse nicht vor Ende 2016 zu erwarten sind, gibt es eine Hängepartie für das Klinikum NF – auch wenn dessen Verantwortliche vermuten, dass die Klinik Niebüll Vorgaben für den Sicherstellungszuschlag wohl erfüllen würde.

Bei akutem Personalmangel hilft das freilich auch nicht weiter. Die nordfriesische Landtagsabgeordnete und CDU-Kreisvorsitzende Astrid Damerow mahnt deshalb mit Nachdruck Initiativen des Landes an. Mit jeder weiteren Schließung werde deutlicher, wie dringend Schleswig-Holstein ein Konzept für die Geburtshilfe brauche. „Für die Frauen an der Westküste wird die Situation zunehmend unerträglich. Dabei geht es nicht nur um weite Wege, sondern vor allem um Planungssicherheit“, betont Astrid Damerow.

Die pflegepolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Birte Pauls, geht angesichts eines eklatanten Mangels an Fachkräften unterdessen davon aus, dass der Hebammen-Beruf dringend gestärkt werden müsse, damit mehr Frauen ihn ergreifen oder in ihren Beruf zurückkehren. „So weit dürfen wir es nicht kommen lassen“, warnt sie mit Blick auf Probleme wie in Niebüll und fordert bessere Arbeitsbedingungen für die Gesundheits- und Pflegeberufe.

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erstellt am 01.Jul.2016 | 14:00 Uhr

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