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Husumer Nachrichten

11. Dezember 2016 | 12:57 Uhr

Coffee to go als No-Go : Eine Initiative, die nicht von Pappe ist

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Immer mehr Husumer Geschäftsleute wollen Einweg-Becher aus ihren Läden verbannen – und gehen dafür mit gutem Beispiel voran. Die Idee ist, den ökologischen Fußabdruck des Menschen so klein wie möglich zu halten.

Umweltschützer fordern es schon lange: Einweg-Becher, wie sie dem beliebten Coffee to go zu Tausenden im Müll oder – schlechter noch – in der Umwelt landen und das empfindliche Öko-System schwer belasten, müssen weg. Und tatsächlich scheint langsam ein Umdenken einzusetzen, denn es gibt immer mehr Initiativen und pfiffige Unternehmer, die alternative Lösungen für den schnellen Kaffee zum Mitnehmen suchen – und finden.

Das gilt auch für Kirsten Vriesema, deren Mann Wirjan in der Großstraße den Backshop „Waffelgut“ betreibt und dort auch Kaffee ausschenkt. Bei der Suche nach einer umweltfreundlichen Alternative zum Pappbecher stieß die Husumerin auf die Initiative „coffee to go again“. Nach einer Idee der Münchener Studentin Julia Post bekommt man in allen Läden, die einen entsprechenden Aufkleber an der Tür haben, beim Befüllen eigener Becher einen Rabatt auf das georderte Getränk. Läden, die sich an der Aktion beteiligen, sind im Internet gelistet und via Google Maps unter der Kurz-URL https://goo.gl/NbMT4e zu finden. Kirsten Vriesema gefällt diese Initiative so gut, dass sie nun auch bei „Waffelgut“ in die Tat umgesetzt wird: „Wer sich bei uns den Kaffee in einen mitgebrachten Pott gießen lässt, zahlt 20 Cent weniger“, sagt sie und hält für den löblichen Zweck auch einige Porzellanbecher mit dem Logo der Initiative bereit. In absehbarer Zeit will sie aber auch welche mit dem „Waffelgut“-Logo anschaffen, die der Kunde bei jedem Besuch neu befüllen lassen kann. Neben dem nicht zu unterschätzenden Werbeeffekt geht es den Vriesemas vor allem darum, „dass wir unseren ökologischen Fußabdruck auf dieser Welt so klein wie möglich halten“.

Beeindruckt von der Idee zeigt sich auch Silja Knudten, die neben „Vivo Naturkost“ in der Süderstraße das Bistro im Husum-Bad betreibt. Bei ihr ist die Nachfrage nach Kaffee zum Mitnehmen noch nicht so groß. Deshalb gab es dort bisher Einweg-Becher. Doch die Entwicklung hat Knudten mit Argusaugen im Blick. „Ich achte darauf, dass die Becher maisstärkebeschichtet sind. Die verrotten nach einer Weile, sollten sie doch mal im Gebüsch landen“, sagt sie und betont: „Abgesehen davon bin ich schon lange auf der Suche nach Alternativen.“ Bisher konzentrierte sie sich dabei auf Materialien, die bis zu 30 Mal wiederverwendet werden können. „Da habe ich aber noch nicht das Passende gefunden. Deshalb wäre ich froh, wenn sich der Mitbring-Becher in Husum durchsetzen würde“, sagt Knudten.

Manche Kunden kommen schon jetzt mit eigenen Tassen ins Vivo-Bistro oder auch ins Bio-Café an der Roten Pforte. Hier wie dort gilt die eiserne Grundregel: Mitgebrachte Gefäße müssen sauber sein. „Beim to go sind schmuddelige Becher ein No-Go“, spricht „Ebbe und Flut“-Chefin Elvira Quindt aus, was Silja Knudten und Kerstin Vriesema nicht weniger am Herzen liegt: „Wir nehmen nichts entgegen, was bereits Spuren früherer Nutzungen aufweist!“ Und weil die Hygiene immer absoluten Vorrang hat, wird jede Tasse – mag sie auch noch so sauber wirken – vor dem Befüllen gespült und erst dann mit dem gewünschten Getränk an den Kunden zurückgegeben. Eine Maßnahme, die für Ernst Jütting von der Lebensübermittelüberwachung in Husum oberste Priorität hat: „Wer Getränke in mitgebrachte Gefäße füllt, muss sicherstellen, dass diese zuvor das betriebseigene Hygienesystem durchlaufen haben“, erklärt der Veterinär.

Natürlich weiß auch Jüting, dass die to-go-Frage derzeit überall im Land diskutiert wird: „Deshalb hat das Ministerium bereits eine Umfrage in den Veterinärämtern der Kreise gestartet“, sagt er. Dabei betrifft die to-go-Bewegung nicht nur Kaffee, Tee und Kakao, sondern zunehmend auch den Mittagstisch.

So würde Barbara Burmeister im Viöler Bistro der Landschlachterei Burmeister gerne dem Wunsch vieler Kunden nachkommen, Suppe oder Eintopf direkt in mitgebrachte Töpfe oder Plastikbehälter zu füllen. Doch das muss sie aus hygienischen Gründen bisher ablehnen, denn auch in diesem Fall müssten die Gefäße abgewaschen werden, bevor sie gefüllt zurückgegeben werden – ein Aufwand, der in der mittäglichen Rushhour nicht zu leisten ist. „Wir versuchen daher, den Verpackungsmüll auf andere Weise zu reduzieren – indem Fleisch- und Wurstwaren nicht mehr in Plastik verpackt, sondern in Papiertüten über die Theke gereicht werden“, berichtet Burmeister.

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