zur Navigation springen

Husumer Nachrichten

08. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Raritäten der Klaviermusik in Husum : Ein Wagnis, das weltberühmt wurde

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei der Festival-Woche „Raritäten der Klaviermusik“ sind vom 19. bis zum 27. August wieder internationale Pianisten in Husum zu Gast.

Wie viele Erfolgsgeschichten begann auch die der „Raritäten der Klaviermusik“ mit einer waghalsigen Idee. Verborgene Schönheiten hatten es dem Berliner Pianisten und Klavierpädagogen Peter Froundjian schon immer angetan. Deshalb begann er, Musikstücke, die bisher noch nicht in einem Konzertsaal gespielt wurden, ans Tageslicht zu holen. Dafür griff er in „die große Schatztruhe aus 300 Jahren Klaviergeschichte“, wie er zu sagen pflegt, und stellte aus unbekannten Kompositionen jenseits von Beethoven, Schubert und Chopin ein Programm zusammen. Er lud Pianisten nach Husum ein, die in der intimen Atmosphäre des Rittersaales des Schlosses diese Werke zu Gehör bringen sollten. Über diese „neuartige Musikwoche“ berichtete damals der Tagesspiegel-Musikkritiker Walther Kaempfer und beendete seinen Artikel mit dem Satz „Es ist zu hoffen, dass die so glänzend verlaufene Husumer Klavierwoche im nächsten Jahr in ähnlicher Gestalt wiederholt werden kann und das Schloss vor Husum zur Stätte musikalischer Kunstübung werden wird.“ Das war im Jahr 1987.

Und tatsächlich: Es gab ein zweites , ein drittes und ein viertes Mal. Und in wenigen Tagen finden die „Raritäten der Klaviermusik“ im dreißigsten Jahr statt. Was anfangs noch als Geheimtipp gehandelt wurde, hat mittlerweile internationales Renommee erreicht. „Eigentlich war das Ganze ein Versuchsballon, der jedoch schnell Fahrt aufnahm. Ein erstaunliches Projekt“, sagt Nathalie Gerstle von der Stiftung Nordfriesland. Gerstle steht zusammen mit Johanna Jürgensen dem Initiator Froundjian bei der Organisation zur Seite.

Bislang ist die Husumer Raritäten-Woche weltweit ein Unikat. Die Besucher kommen nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch aus England, den Niederlanden, Polen, Japan und den USA. Die „Raritäten der Klaviermusik“ sind längst ein Schwergewicht in der Festival-Landschaft und werden von der internationalen Musikexperten-Gemeinde genau verfolgt. Allein 133 Komponisten und rund 2500 Werke wurden den Besuchern in den vergangenen drei Jahrzehnten präsentiert. Vom 19. bis zum 27. August locken wieder Pianisten aus aller Welt Musikbegeisterte in den Rittersaal des 400 Jahre alten Schlosses und nehmen sie mit auf ihren Ausflug in unbekanntes Terrain.

30 Jahre Raritäten-Festival – das ist ein Grund zum Feiern, finden die Organisatoren. Aus diesem Grund gibt es in diesem Jahr auch ganz besondere Leckerbissen. Einer davon: die Reihe „Young Explorers“. Sie besteht aus einer Folge von vier einstündigen Rezitals, die von vier sehr jungen Pianisten bestritten wird. Sie treten am 20. und 21. August jeweils um 16.30 Uhr und 20 Uhr auf. Damit kommen auch Musiker zum Zug, die noch nicht so häufig die Chance hatten, auf der großen Bühne zu spielen.

Zur Auflockerung des Programms sollen zwei Matineen beitragen, von denen die erste am 21. und die zweite am 27. August – jeweils ab 11 Uhr – geplant sind. Begonnen wird mit dem „teuflisch schweren“ Husum-Piano-Quiz, in dem Klaviermusikkenner ihr Wissen mit anderen messen können – dabei wird Englisch gesprochen. Als Preise winken CDs. Die zweite ist eine Podiumsdiskussion mit dem Thema „Who made a better case for Piano Music – Artur Schnabel or Vladimir Horowitz?“. Dabei diskutieren Kritiker Bryce Morrison und Produzent Jesper Buhl über Richtungskämpfe in der Musikgeschichte. Die Veranstaltung ist ebenfalls auf Englisch.

Zu den Konzert-Höhepunkten zählt unter anderem der in Husum bestens bekannte britische Pianist Jonathan Plowright, der gemeinsam mit dem polnischen Szymanowksi-Quartett Werke von Ludomir Rózycki und Ignaz Friedman aufführt (19.). Ein weiteres Bonbon: Erstmals werden in der Storm-Stadt der weltberühmte Pianist Cyprien Katsaris und die in Paris lebende kanadische Pianistin Hélène Mercier gastieren. Die beiden spielen an zwei Klavieren unbekannte Werke von Schumann und Brahms (27.). Weitere Pianisten: Duo Grau/Schumacher (19.), Florian Noack (20.), Simon Callaghan (20.), Johann Blanchard (21.), Artem Yasinskyy (21.), Joseph Moog (22.), Hubert Rutkowski (23.), Severin von Eckardstein (24.), Martin Jones (25.) und Zlata Chochieva (26. August).

Im dreißigsten Jahr der „Raritäten der Klaviermusik“ ist auch das Rahmenprogramm umfangreicher als sonst. So gibt es neben der Ausstellung über den vor 150 Jahren geborenen Pianisten und Komponisten Ferruccio Busoni einen CD-Stand mit einem umfangreichen Klassik-Angebot, eine Benefizaktion für den Förderverein, in der unter anderem Krawatten mit Klaviermotiven verkauft werden, den täglichen Publikumstreff in Hartmann’s Landküche sowie zwei Empfänge im Schloss. Darüber hinaus wird von morgen an bis zum 6. September im Schloss die interaktive Ausstellung „Faszination Klavierwelten“ gezeigt. Hier können die Besucher einen Blick in die Schatztruhe des vergessenen Klavier-Repertoires werfen – und sich über die verborgenen Schönheiten informieren, denen sonst in der Musikwelt viel zu wenig Raum gegeben wird.

 

 

Kartenbestellungen:
Museumsshop im Schloss vor Husum (Di. bis So. 11 bis 17 Uhr) oder online unter karten@raritaeten-der-klaviermusik.de Für die Konzerte am 22. (Joseph Moog), 26. (Zlata Chochieva) und 27. August (Hélène Mercier/Cyprien Katsaris) gibt es im Rittersaal derzeit keine Karten mehr, nur sogenannte „Hörerplätze“ (ermäßigter Preis) im Nebenraum. Vereinzelte Restkarten auf telefonische Anfrage unter 04841/8973130.

Weitere Informationen zum Festival gibt es unter www.raritaeten-der-klaviermusik.de.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Aug.2016 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen