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Husumer Nachrichten

09. Dezember 2016 | 03:11 Uhr

Mittleres Nordfriesland : Ein Streetworker für die Jugend

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Hauptausschuss-Mitglieder des Amtes Mittleres Nordfriesland sind sich einig, dass ein Sozialarbeiter für die Region benötigt wird – vor allem, um präventiv zu arbeiten.

Braucht das Amt Mittleres Nordfriesland einen Streetworker – einen Sozialarbeiter, der junge Menschen in der Region betreut? Mit dieser Frage setzte sich der Hauptausschuss des Amtes in seiner jüngsten Sitzung außeinander. Und egal, ob man ihm mit dem englischen Begriff Streetworker bezeichne, oder ihn friesisch Amluuper nennen soll – die Mitglieder konnten sich grundsätzlich mit der Idee anfreunden. Sie beauftragten den Leitenden Verwaltungsbeamten, Dr. Bernd Meyer, alles Nötige in die Wege zu leiten, damit in der nächsten Sitzung des Amtsausschusses bereits über ein fertiges Konzept inklusive Kostenermittlung für die Antragstellung bei der Aktiv-Region diskutiert und entschieden werden kann.

Die Idee sieht bislang vor, eine Stelle unter dem Dach des Amtes für die Jugendlichen aller 20 Gemeinden der Region zu installieren. Ohne Fördermittel aber, so die einhellige Meinung des Gremiums, gehe das sicher nicht. Mit ins Boot genommen werden soll zudem der Handels- und Gewerbeverein (HGV) Bredstedt. Dessen Vorsitzender Michael Thomsen hatte bereits signalisiert, dass er sich das vorstellen könne.

Die Idee hatte Johanna Christiansen eingebracht. Die stellvertretende Bürgermeisterin Bredstedts arbeitet als Diplom-Psychologin und ist außerdem Vorsitzende des Friesenrates, Sektion Nord. Sie stellte das Projekt in der Hauptausschuss-Sitzung vor. Im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Supervisions-Arbeit im Jugendzentrum Breklum habe sie festgestellt, dass es gut wäre, ein solches präventives, niedrigschwelliges, vor allem nachhaltiges, Angebot vorzuhalten. Für viele Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren sei es wichtig, außerhalb von Elternhaus, Schule oder Arbeitsplatz, einen kompetenten Ansprechpartner an ihrer Seite zu wissen. Dabei seien auch kurze Wege wichtig.

„Die Jugend in Nordfriesland ist das A und O für unser aller Zukunft. Deshalb ist es unsere Pflicht, uns ausreichend um sie zu kümmern. Wenn sie gefestigt sind, bleiben sie auch in der Region“, so Christiansen. Angedacht habe sie, dass eine enge Vernetzung der vier Jugendzentren Langenhorn, Bordelum, Bredstedt und Breklum, erfolgen sollte. Sie werde sich mit den Leitungen kurzschließen. Hier gebe es sicher Synergieeffekte.

Der Begriff Streetworker habe sich zwar eingebürgert, doch charmant fände Johanna Christiansen auch den friesischen Begriff Amluuper, den man mit „Vertreter“ oder „Mitläufer“ übersetzen könne, sagte sie. „Ein Streetworker begibt sich direkt zu den Jugendlichen. Er sucht sie beispielsweise an sozialen Brennpunkten, wie auf Koppelfeten, oder in der einen oder anderen dunklen Ecke auf und versucht Vertrauen zu schaffen. Er fördert die sozialen Kompetenzen und setzt da an, wo andere die Jugendlichen nicht erreichen würden“, erläuterte Christiansen weiter.

Außerdem sorge ein solcher Mitarbeiter auch für eine enge Vernetzung mit Vereinen, die Jugendarbeit leisten und könne gemeinsam mit anderen Organisationen und Verbänden ein dichtes Netz an Betreuungsangeboten stricken. Auch die sozialen Dienste, Schulen, Kliniken, die Polizei, Kirche, das Sozialzentrum und die Jugendhilfe würde er einbinden. Ergänzend wäre es denkbar, angesichts der Asylsuchenden und Geflüchteten auch die Integrationsarbeit des haupt- und ehrenamtlichen Teams des Amtes mit zu fördern.

Die Tätigkeitsfelder seien ansonsten vielfältig. Sie reichten von Begleitung der Jugendlichen bei Problemen in der Familie, im Umfeld oder in der Schule, bis hin zur Beratung – alles auch in Ergänzung mit den Angeboten der Jugendzentren. „Ich hätte sogar schon potentielle Kandidaten, die sich so was zutrauen und die kompetent sind“, so Christiansen.

„Ich finde das Projekt gut. Es gibt viele Jugendliche, die man in den Jugendzentren einfach nicht erreicht. Sie machen dicht und das schafft Probleme. Ein Streetworker kann so etwas ausbügeln“, meinte Bredstedts Bürgermeister Knut Jessen in der Diskussionsrunde. Langenhorns Bürgermeister Horst Petersen bekannte, dass er sich bereits während seiner aktiven Dienstzeit als Polizist manchmal so einen Streetworker gewünscht habe. Er könne das Projekt nur unterstützen. „Präventionsarbeit ist sicherlich auch in der Fläche wichtig“, ergänzte Joldelunds Bürgermeister Reiner Hansen. Wenn alle Gemeinden dahinterstehen, würden die Fördergelder wegen der Modellhaftigkeit für die Region auch höher ausfallen, so der Leitende Verwaltungsbeamte. „Ich werde alles vorbereiten“, so Dr. Meyer. Das Thema werde nun auch in der Sitzung des nächsten Amtsausschusses auf den Tisch kommen, sagte Amtsvorsteher Hans-Jakob Paulsen.

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